Nein zu neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland!

17. Juli 2024

Mit dem NATO-Doppelbeschluss und der darauffolgenden Stationierung nuklearer Waffen in Deutschland begann Anfang der 1980er Jahre eine neue Phase des Wettrüstens. Damit verbunden stieg die Gefahr einer atomaren Eskalation des Kalten Krieges – vor allem auf deutschem Boden – stark an, was massive Proteste in der Bevölkerung hervorrief. Eine ähnliche Dynamik deutet sich heutzutage an, wenn ausgerechnet in Deutschland wieder US-Mittelstreckenraketen stationiert werden sollen, die fähig sind, Atomwaffen in wenigen Minuten nach Russland zu tragen. Wir sagen Nein zu landgestützten Raketensystemen, die mit dem INF-Vertrag verboten waren. Wir sagen Nein zu einem neuen Kalten Krieg, aus dem ein Heißer Krieg werden kann. Immer mehr Aufrüstung ist nicht die „ultima ratio“, sie ist die „ultima irratio“.

Frieden braucht – wie Willy Brandt 1990 nach dem Ende der in Ost und West geteilten Welt gefordert hat – eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur. Den Mut zur Erneuerung und Ausweitung der Friedens- und Entspannungspolitik müssen die Regierungen der europäischen Staaten aufbringen. Die gemeinsamen Leitideen für eine Weltinnenpolitik heißen: Nord-Süd-Solidarität, Gemeinsame Sicherheit und Nachhaltigkeit. Das ist die Zeitenwende, die wir heute brauchen. Nur durch gemeinsames Handeln können wir die großen sozialen und ökologischen Konflikte der zusammengewachsenen Welt insbesondere die Klimakrise bewältigen. Wir fordern die Staats- und Regierungschefs Europas auf, sich dieser Aufgabe endlich ernsthaft anzunehmen.

Die Gefahr eines großen Krieges in Europa mit der Atommacht Russland muss verhindert werden. Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass weite Teile Europas zum Ziel eines nuklearen Präventivschlages werden können. Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass Menschen diesem Risiko ausgesetzt werden, indem Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert werden. Schon gar nicht dürfen diese nuklear aufgerüstet werden. Wir dürfen es ebenso wenig akzeptieren, dass von deutschem Boden wieder Krieg ausgehen kann.

Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Katastrophen der beiden Weltkriege: Krieg kennt in sich keine Grenzen. Wir treten der Kriegsrhetorik und Aufrüstung daher entschieden entgegen. Sie sind nicht im Interesse der Menschen in Europa und drohen Diplomatie und Demokratie zu untergraben.

Wir brauchen jetzt eine Politik des Friedens und der Vernunft!

Bericht DL21-Sommertagung „Unser Rezept gegen den Rechtsruck“

19. Juni 2024

Am 15. Juni 2024 fand die diesjährige Sommertagung der DL21 im IG-Metall-Haus Berlin-Kreuzberg statt. Unter dem Titel „Unser Rezept gegen den Rechtsruck“ haben wir vor dem Hintergrund der Europawahlergebnisse darüber debattiert, mit welchen Mitteln wir dem Erstarken der Rechten begegnen wollen.

In seiner Eröffnungsrede wies der DL21-Ko-Vorsitzende Jan Dieren darauf hin, dass es darum gehe, den gesellschaftlichen Wandel demokratisch zu gestalten, um dem Gefühl von Kontrollverlust, das die Menschen derzeit hätten, zu begegnen.

Bei der Auswertung des Europawahlergebnisses hob Erik von Malottki, ebenfalls DL21-Ko-Vorsitzender, hervor, dass es der SPD nicht gelungen sei, ihre Wähler*innen zu mobilisieren. Die meisten Stimmen verlor die Partei ans Nichtwähler*innenlager – nämlich 2,5 Mio. Vor allem bei jungen Menschen und jungen Familien schnitt die SPD besonders schlecht ab. Alarmierend sei mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen vor allem das schlechte Abschneiden in Ostdeutschland. In Görlitz etwa fiel die SPD unter die 5%-Marke. Die Antwort darauf müsse jetzt linke Politik sein, die den Schwerpunkt darauf lege, materielle Verbesserung für die Menschen im Land zu erzielen. Zu diesen Ziele stünden die aktuellen Regierungspläne der Haushaltskürzungen im Widerspruch. Ein Kürzungshaushalt müsse unter allen Umständen verhindert werden. Um dies zu erreichen, sei auch der Druck aus der Partei notwendig.

Die wiedergewählte Europaabgeordnete Maria Noichl erklärte, dass es inzwischen nicht mehr nur um das Wahlergebnis der SPD, sondern vielmehr um den Erhalt der Demokratie gehe. Macrons Aussage, dass Europa sterben könne, sei vor diesem Hintergrund korrekt. Daher müsse man den Menschen jetzt klar machen, dass Europa die Lösung und nicht das Problem sei. Mit Blick auf das Wahlergebnis erklärte sie, dass wir als SPD vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem hätten – ein Fazit, dass auch von vielen Genoss*innen, geteilt wurde, die in der anschließenden Diskussion über ihre Erfahrungen aus dem Wahlkampf berichteten.

Was die Sozialdemokratie gegen den Rechtsruck unternehmen kann, war Gegenstand der anschließenden Podiumsdiskussion, die von derDL21-Ko-Vorsitzenden Alma Kleen und DL21-Vorstandsmitglied Nadja Sthamer moderiert wurde. Auch an dieser Stelle wurde auf Kritik am geplanten Kürzungshaushalt geübt. So erklärte ver.di-Chefökonom und DL21-Vorstandsmitglied Dierk Hirschel, dass dieser mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Im Zweifel müssten dafür auch Neuwahlen in Kauf genommen werden. Philippa Sigl-Glöckner forderte, die Argumentation der Schuldenbremse nicht zu akzeptieren, da im Grundgesetz keine Zahl zu einer Schuldenobergrenze stehe, sondern nur eine weiche Formulierung, die interpretationsfähig sei. Auch der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer befand, dass wir für unsere Forderungen „Terz in der Partei“ machen müssen.

Am Nachmittag ging es daran, in verschiedenen Workshops konkrete Forderungen zu erarbeiten, die wir als DL21 in die Partei hineintragen wollen. Dabei ging es auch darum, wie diese Forderungen umgesetzt werden sollen. Die Vorsitzenden berichten, dass der Vorstand plane, ein Mitgliederbegehren zu starten. Dieser Vorschlag wurde von den Anwesenden begrüßt und die Vorsitzenden damit beauftragt, die nächsten Schritte in die Wege zu leiten.

DL 21 beschließt Initiierung eines Mitgliederbegehrens und Vorbereitung weiterer Mitgliederbegehren

16. Juni 2024

Auf ihrer Sommertagung unter dem Titel „Unser Rezept gegen den Rechtsruck: Sozialdemokratie pur“ hat das Forum Demokratische Linke 21 Konsequenzen aus der Wahlniederlage der SPD bei der Europawahl beraten. Aus Sicht der DL 21 muss die SPD wieder glaubwürdiger für soziale Gerechtigkeit einstehen und einen Kurswechsel in der Ampel einleiten. Um dieses Ziel zu erreichen, will die DL 21 die Partei-Mitglieder stärker für Diskussionen um die Regierungspolitik und die inhaltliche Ausrichtung der Partei mobilisieren. Hierfür wird die DL 21 unter anderem ein Mitgliederbegehren für einen Bundeshaushalt 2025 einleiten, der eine sozialdemokratische Handschrift trägt. Ziel muss es sein, in Zukunftsbereiche wie Bildung zu investieren und Kürzungen in sozialdemokratischen Kernbereichen zu verhindern. Weitere Mitgliederbegehren zur zukünftigen Ausrichtung der Partei werden vorbereitet, dabei stehen u.a. Themen wie ein Mindestlohn in Höhe von 15 Euro, ein kostenfreies Mittagessen in Kitas und Schulen sowie ein bundesweiter Mietendeckel im Raum.

Das zentrale Mitgliederbegehren spricht sich gegen Kürzungen in sozialdemokratischen Kernbereichen wie Soziales, Gesundheit, Bildung und Demokratie aus und fordert stattdessen Investitionen in Bildung, bezahlbaren Wohnraum und einen ambitionierten Klimaschutz. Eine Zustimmung der SPD zum Haushalt soll nur unter diesen Bedingungen erfolgen.

Hierzu erklärt der Co-Vorsitzende der DL 21, der Bundestagsabgeordnete Jan Dieren:

„Am nächsten Bundeshaushalt können wir sehr grundsätzlich diskutieren, ob sich die Sozialdemokratie gerade in den heutigen Zeiten an Austeritätspolitik beteiligen sollte. Wir halten das für den falschen Weg.“

Der Co-Vorsitzende der DL 21, der Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki ergänzt:

„Wir brauchen einen Kurswechsel in der Regierungspolitik.  Im Fokus müssen sozialdemokratische Kernbereiche wie Soziales, Bildung, Gesundheit und Familie stehen. Hier dürfen auf keinen Fall Kürzungen stattfinden. Stattdessen benötigen wir Investitionen in diese Bereiche, unsere Infrastruktur und in bezahlbares Wohnen.“

Stoppt das Spiel mit dem Feuer – Wider die Militarisierung der Politik

5. Juni 2024

Mit Sorge sehen wir, dass nun mehrere westliche Regierungen, darunter auch Deutschland, der Ukraine erlauben, mit von ihnen gelieferten Waffen auch Ziele auf russischem Territorium anzugreifen. Es ist unbestritten, dass die Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung gegen den russischen Angriffskrieg hat. Nach Art. 51 der UN-Charta kann dieses Selbstverteidigungsrecht auch Schläge auf russischem Territorium umfassen. So eindeutig die völkerrechtliche Lage auch sein mag, so sehr geht die gegenwärtige Debatte jedoch an der eigentlichen Frage vorbei.

Die politische Debatte dreht sich sämtlich um Fragen, wie das ukrainische Militär diesen Krieg führen soll – mit welchen vom Westen gelieferten Waffen, ob auch auf russischem Territorium usw. usf. Die eigentliche Frage ist aber nicht, wie dieser Krieg geführt werden soll, sondern, wie er beendet werden kann. Die eigentliche Aufgabe europäischer Politik muss es sein, einen Weg zum Frieden zu finden. Sie richtet sich insbesondere an die SPD, an die Partei der Friedens- und der Entspannungspolitik und der internationalen Solidarität. Der Weg, den Rolf Mützenich aufgezeigt hat, über einen Waffenstillstand zu Friedensgesprächen zu kommen, muss nun konsequent verfolgt werden.

Bundeskanzler Scholz hat in den letzten zwei Jahren immer wieder Grenzen überschritten, die er zuvor als Rote Linien beschrieben hat. Dabei stand der Kanzler unter starkem Druck aus Öffentlichkeit und Opposition. Angesichts der Gefahr einer weiteren Eskalation braucht es aber einen Kurs der Besonnenheit und der Weitsicht, der sich nicht durch öffentliche Debatten und laute Einzelmeinungen aus dem Gleichgewicht bringen lässt.

Wir leben im gefährlichsten Jahrzehnt seit Ende des Zweiten Weltkrieges. In weiten Teilen der Gesellschaft nimmt eine Militarisierung der Diskussion zu. Während die einen kaum warten können, die Wehrpflicht wieder einzuführen, stellen andere schon Gedankenspiele an, wie ein Krieg Deutschlands gegen Russland geführt werden könnte und wollen bereits Reservisten mobilisieren. Das alles trägt zu einer sich selbst verstärkenden und immer weniger berechenbaren Dynamik bei. Nach zwei von Deutschland ausgelösten Weltkriegen muss  Rolle der Bundesregierung wie der SPD in der Gegenwart die sein, einen dritten zu verhindern. Unsere Verfassung gibt dem Gebot, dem Frieden zu dienen, eine herausragende Bedeutung und ächtet Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, als verfassungswidrig. Europa hat aus diesen Weltkriegen die Lehre gezogen, dass nicht gegenseitiges Belauern und Hochrüsten Kriege verhindern wird, sondern nur eine Verzahnung und Zusammenarbeit für gemeinsame Sicherheit. Diese Lehre muss Vorbild für ein weltweites Friedensprojekt sein. Die großen Herausforderungen unserer Zeit wird die Welt nicht bewältigen, wenn wir nicht zu Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit fähig werden. Wir müssen das Spiel mit dem Feuer stoppen, da es ansonsten droht, zu einem atomaren Inferno zu werden. 

DL21-Sommertagung

28. Mai 2024

Die diesjährige Sommertagung des Forum DL21 findet am Samstag, den 15. Juni 2024 im IG Metall-Haus in Berlin-Kreuzberg statt. 

Wir möchten mit Euch darüber diskutieren, wie die Linke in der SPD dem Rechtsruck in der Gesellschaft begegnen kann. Dem Rechtsruck können wir nur eine solidarische Antwort entgegenstellen, eine Sozialdemokratie, die Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit diskutiert und eine Zukunftsperspektive im Sinne der Menschen formuliert. Deshalb wollen wir über den Mindestlohn, die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne, ein Verbot der AfD, frühkindliche Bildung und ein kostenloses Mittagessen für Schülerinnen und Schüler reden. Mit uns diskutieren unter anderem: 

– Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin und aktiv in der SPÖ
– Dierk Hirschel,
ver.di-Chefökonom
– Philipp Türmer,
Juso-Bundesvorsitzender
– Justus Henze, Deutsche Wohnen und Co. enteignen
– Maria Noichl, MdEP

Wann? 15. Juni 2024, ab 11:00 Uhr  

Wo? IG Metall Haus, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin

Das vollständige Programm findet ihr hier.

Neben Diskussionen auf dem Podium und im Plenum möchten wir auch mit Euch in Arbeitsgruppen konkrete Schritte für eine linke Sozialdemokratie und unser Rezept gegen den Rechtsruck erarbeiten. 

Die Tagung soll nicht nur Raum für wichtige Diskussionen bieten, sondern auch die Möglichkeit, sich mit anderen Mitgliedern auszutauschen und unser Netzwerk zu stärken.

Bitte teilt uns mit, ob Ihr teilnehmen könnt, indem Ihr Euch unter info@dl21.de anmeldet. Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf einen inspirierenden Tag mit Euch!

Zeit für eine Wende zum Frieden: Es führt kein Weg an Waffenstillstandverhandlungen vorbei

23. November 2023

Eine immer größere Mehrheit auch in Deutschland hat Bedenken, ob weitreichendere Waffenlieferungen an die Ukraine zielführend sind, um den russischen Überfall zu einem Ende zu bringen. Insbesondere nach dem Scheitern der Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte seit Juni mehren sich auch unter Expert:innen die Einschätzungen, dass ein Sieg der ukrainischen Armee auch bei fortgesetzten Waffenlieferungen nicht mehr realistisch ist. Es ist zu befürchten, dass dieser Krieg, der bereits mehr als 500.000 Tote und Verletzte gekostet hat, sich in die Länge ziehen und mehr und mehr Tote und Verletzte hervorbringen wird.

Es muss daher jetzt darum gehen, den Krieg nicht unnötig zu verlängern und weitere Eskalationen zu vermeiden. Wir lehnen deshalb eine Logik der Waffenlieferungen entschieden ab, nach der ausbleibender militärischer Erfolg zwangsläufig die nächste Lieferung noch stärkerer Waffen nach sich zieht, wie jetzt die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern. Sie haben eine Reichweite von 500 km und müssten nach gegenwärtigem Stand von Bundeswehr- bzw. NATO-Personal elektronisch bedient werden. Das wäre ein Schritt zur direkteren Beteiligung Deutschlands am Ukraine-Krieg und möglichen Angriffen auf Russland. Die Entscheidung des Bundeskanzlers gegen eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern ist deshalb richtig.

Zeit für eine Wende

Die Diskussion auch um diese Waffenlieferungen zeigt aber aufs Neue, wie nötig eine Wende zum Frieden ist. Es ist dringlich und überfällig, die Bereitschaft der russischen Führung zu Waffenstillstandsverhandlungen zu prüfen. Dies ist vor allem im Interesse der Menschen in der Ukraine, die bei Fortdauern der militärischen Lage noch mehr Tote und noch mehr Zerstörung zu erleiden haben. Ein Waffenstillstand liegt aber auch im europäischen Interesse, da mit zunehmender Abnutzung der ukrainischen Streitkräfte das Risiko wächst, dass der Krieg in der Ukraine zu einem europäischen Krieg um die Ukraine eskaliert, und die finanzielle Unterstützung aus den USA mit dem aufziehenden Präsidentschafts-Wahlkampf weniger sicher wird. Eine Wende zum Frieden wäre schließlich auch im Interesse der überwiegenden Mehrheit der Menschen in ganz Europa und darüber hinaus, denen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges zunehmend zusetzen.

Insofern nehmen wir die Anzeichen für Sondierungen zu nicht-öffentlichen Waffenstillstandsverhandlungen mit großer Hoffnung wahr. Als DL21 fordern wir dazu auf, die Chancen für Waffenstillstandverhandlungen als einen ersten Schritt zu Friedensverhandlungen jetzt zu nutzen. Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben wir erklärt, dass es keine Alternative zu Verhandlungen gibt, und uns dafür in der Sozialdemokratie und in verschiedenen gesellschaftlichen Bündnissen der internationalen Friedensbewegung eingesetzt.

Ganz in diesem Sinne beteiligen wir uns auch  an der Demonstration am 25. November in Berlin, zu der verschiedene Organisationen aufrufen. Anstelle eines eigenen Aufrufs dokumentieren wir hier zwei verschiedene Aufrufe für diese Demonstration.

Pressemitteilung: DL21 fordert Nachbesserung beim Bürgergeld

13. September 2023

DL21 fordert Nachbesserung beim Bürgergeld

Forum Demokratische Linke 21 – Die Linke in der SPD sieht beim Bürgergeld trotz zahlreicher Fortschritte weiteren Verbesserungsbedarf.

Das ist das Ergebnis einer sehr gut besuchten digitalen Veranstaltung des Forum DL21 zum Thema Bürgergeld, zu der die Bundestagsabgeordnete Annika Klose und der Leiter der Beratungsstelle Tacheles und Sozialberater, Harald Thomee, Wuppertal, als Referent*innen eingeladen waren. Der SPD ist es Anfang diesen Jahres mit dem Gesetz zur Einführung des Bürgergeldes anstatt des bisherigen Hartz IV-Systems gelungen, eine soziale Grundsicherung einzuführen, die im Gesetz die Bürger*innen auf Augenhöhe im Fokus hat. Dieses muss allerdings bei der Umsetzung von den über 400 Jobcentern und den zusätzlichen Optionskommunen mit Leben gefüllt werden. Der Vorstand der DL21 und die Teilnehmer/innen der Veranstaltung machten deutlich, dass dies noch lange nicht gelungen ist und Harald Thomee zog sogar die ernüchternde Bilanz, dass es sich in einigen Jobcentern nur um eine schlichte „Umfomierung“ des Namens handelt. Anwesende Betroffene als auch die Sozialverbände sind aufgefordert weiterhin laut zu sein und die Schwachstellen konkret  zu benennen.  Das Forum DL21 wird sich in Kürze im Einzelnen mit den verifizierten Schwachstellen beschäftigen und entsprechende notwendige Änderungen in den Gremien der SPD diskutieren und im zukünftigen Gesetzgebungsverfahren im Bundestag über SPD-Abgeordnete einbringen.

Zu den zahlreichen Stellen, an denen es Verbesserungsbedarf gibt, gehört zuallererst die Höhe des Regelsatzes: Sowohl die Erhöhung für alleinstehende Personen zum 01.01.2023 auf 502 Euro mtl. als auch die heute im Bundeskabinett beschlossene Erhöhung des Regelsatzes um weiter 60 Euro mtl. reichen noch nicht einmal aus, um die galoppierende Inflation auszugleichen. Es bestehen – nach wie vor – erhebliche Zweifel daran, dass das sozio-kulturelle Existenzminimum damit gewährleistet ist. Korrigiert werden muss zudem der Stromkostenanteil im Regelsatz. Dieser muss den Kosten der Unterkünfte zugeschlagen und dort bedarfsgerecht und mit Energiesparanreizen berücksichtigt werden. Bemängelt wurde außerdem, dass alle Hilfeempfänger, die nicht arbeitsfähig sind, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Der Gesetzentwurf zur Kindergrundsicherung von Familienministerin Lisa Paus und dessen vorgesehene finanzielle Ausgestaltung bringt hier nicht das, was nach Auffassung des Forum DL21 erforderlich wäre. Dazu wird versucht über die zuständigen SPD-Bundestagsabgeordneten noch Veränderungen herbei zu führen. Alle anderen Betroffenen, wie Rentner oder Kranke, gilt es gesondert über weitere Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch zu unterstützen.

Abschließend wurde aber von allen Teilnehmer*innen der Veranstaltung festgestellt, dass es bei der Umsetzung des Anspruchs „Begegnung auf Augenhöhe“ noch große Unterschiede  zwischen den einzelnen Jobcentern und Kommunen gibt. Hier ist es an den Kommunalpolitiker*innen sich dafür einzusetzen, dass der angestrebte Kulturwandel nicht nur auf dem Papier steht.

DL21: Klare Ablehnung von Streubombeneinsatz

24. Juli 2023

Das Forum DL21 kritisiert die US-Lieferung von international weitgehend geächteter Streumunition an die Ukraine

DL21-Co-Vorsitzender Sebastian Roloff MdB: „Streumunition ist zurecht geächtet, auch Deutschland hat das Osloer Abkommen zum Verbot von Streumunition von Deutschland unterschrieben. Es ist Aufgabe der unterzeichnenden Staaten, andere Staaten, die nicht unterzeichnet haben – unter anderem Russland, die USA und die Ukraine -, vom Streubombeneinsatz abzuhalten. Wir fordern hier deshalb von der Bundesregierung stärkere Kritik an der US-Lieferung und weniger Zurückhaltung.“

Klar ist: Russland nutzt Streumunition vor allem auch gegen zivile Ziele schon seit Beginn der groß angelegten Invasion. Das wurde durch verschiedene Organisationen, unter anderem Human Rights Watch und Amnesty International, belegt.

Die Ukraine hat sich für den Einsatz Streumunition Bedingungen gesetzt, unter anderem keinen Einsatz von Streumunition in von Zivilisten bewohnten Gebieten und Nutzung nur zur Unterstützung der Zurückeroberung von durch Russland besetzte ukrainischen Gebieten. Dennoch stößt die geplante Lieferung auf Gegenwehr.

DL21-Co-Vorsitzender Lino Leudesdorff: „Der Wunsch der Ukraine nach mehr Unterstützung zur Verteidigung des eigenen Territoriums ist verständlich. Dennoch halten wir die US-Lieferung von Streumunition für den falschen Weg. Das Osloer Abkommen ächtet den Einsatz von Streumunition unter anderem, da Blindgänger noch weit nach dem Einsatz eine Gefahr für Zivilisten darstellen können. Diese Blindgänger machen die Gegenden, in denen Streubomben eingesetzt wurden, für lange Zeit unbewohnbar und lebensgefährlich.“

Auch António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hatte die geplante Lieferung nach der Bekanntgabe der US-Regierung scharf kritisiert.

DL21-Co-Vorsitzende Ülker Radziwill MdA: „Die Lieferung ist mit unseren völkerrechtlichen Ordnungsvorstellungen nicht in Einklang zu bringen. Wer im Namen der internationalen Ordnung und Werte handelt, liefert keine Streubombenmunition. Wir unterstützen die Ukraine nicht nur militärisch, sondern sind auch eine Wertegemeinschaft. Und wir dürfen uns nicht gemein machen mit allem anderen, was wir auf der anderen Seite kritisieren.“

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