Linke Impulse für 2025

9. Dezember 2024

Auf unserer Mitgliederversammlung am 30. November 2024 in Frankfurt/Main haben wir unsere Linken Impulse für 2025 verabschiedeten. Diese Impulse für das SPD-Wahlprogramm 2025 hatten wir im Vorstand zuvor gemeinsam mit unseren Mitgliedern erarbeitet. Nun wollen wir diese breit in die Partei hineintragen. Wir laden euch alle ein, dabei mitzumachen und unsere Impulse als Grundlage für Anträge für den anstehenden Bundesparteitag am 11. Januar 2025 zu nutzen. Antragsschluss ist der 16. Dezember 2024. Den Text könnt ihr hier herunterladen.

DL21-Herbsttagung am 29./30. November 2024 in Frankfurt/Main

22. November 2024

Sozialdemokratische antifaschistische Strategien

Liebe Genoss:innen,

Anfang des Jahres hat das Aufdecken der Deportationspläne faschistischer Kreise zahlreiche Menschen zu Gegendemonstrationen motiviert. Auch die Ergebnisse der Mittestudie der Friedrich-Ebert-Stiftung, wonach ein Teil der Mitte der Gesellschaft sich immer weiter von der Demokratie entfernt, führt zur Beunruhigung. Wie sehr rechte Narrative inzwischen in weite Teile der Gesellschaft vorgedrungen sind, hat sich zuletzt bei den Landtagswahlen mit den Wahlerfolgen der AfD in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gezeigt.

Vor diesem Hintergrund wollen wir uns auf unserer Herbsttagung damit befassen, wie es uns gelingen kann, faschistische Ideologien konsequent zurückzudrängen. Vor welchen Aufgaben steht die Politik? Und wie kann ein gemeinsames Vorgehen aller progressiven gesellschaftlichen Kräfte gelingen? Darüber wollen wir mit euch und unseren Referent*innen diskutieren.

Auf unserer Mitgliederversammlung, die am Samstag ab 11 Uhr stattfindet, werden wir darüber diskutieren, welche linken Impulse wir für SPD-Regierungsprogramm 2025 setzen wollen.

Die Podiumsdiskussion am Freitag und die Debatte am Samstag werden als Hybrid-Veranstaltung stattfinden. Die Mitgliederversammlung werden wir als Präsenzveranstaltung durchführen.

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme!

Mit solidarischen Grüßen

Jan Dieren, MdB

Alma KLeen

Erik von Malottki, MdB

PROGRAMM

Freitag, 29. November 2024

19:00 Uhr:       Begrüßung und Einleitung durch die Vorsitzenden

19:15 Uhr:       Sozialdemokratische antifaschistische Strategien, Teil I

                        Podiumsdiskussion mit

  • Clara Dilger, Uni Leipzig
  • Lukas Schneider, Landesvorsitzender Jusos Hessen
  • Heiko Klare., Mobile Beratung

Moderation: Knut Lambertin, stellv. Vorsitzender DL21

21:00 Uhr:       Ende

im Anschluss gemütliches Beisammensein

Mitbach bira und pita bar, Fahrgasse 25, 60311 Frankfurt

Samstag, 30. November 2024

09:00 Uhr:       Begrüßung und Einleitung durch die Vorsitzenden

09:15 Uhr:       Sozialdemokratische antifaschistische Strategien, Teil II

                        Diskussion im Plenum

11:00 Uhr        Mitgliederversammlung

12:30 Uhr:       Mittagspause

13:30 Uhr:       Fortsetzung der Mitgliederversammlung

17:00 Uhr:       Ende

Anmeldung:   Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 21.11.2024 unter info@dl21.de. Bitte teilt und mit, an welchen Tagen ihr teilnehmen wollt und ob ihr digital oder vor Ort dabei sein werdet.

Zugangsdaten für Freitagabend und Samstagvormittag: Die Einwahldaten senden wir euch nach einer Anmeldung an info@dl21.de zu.

Aufruf zur Friedensdemonstration am 03.10.2024 in Berlin

23. September 2024

Unser Ziel: Frieden in der Welt!

Krieg ist ein furchtbares und grausames Mittel, um politische Interessen zu verfolgen. Er trifft immer unschuldige Opfer. Die Behauptung, es gäbe „saubere“ Kriege, die „nur“ militärische Ziele angreifen, ist immer gelogen. Verletzung und Tod, Vergewaltigungen und Kindesentführungen, Vertreibung und Zerstörung, Angst, Kälte und Traumatisierung, Kriegsverbrechen, militärische und zivile, alte und junge Opfer – das ist die Realität des Krieges – immer!

Am Ende profitieren von Kriegen nur diejenigen, die ihren Profit mit Tod und Zerstörung machen, Kriegswaffen verkaufen oder sich am Wiederaufbau bereichern.

Die SPD ist seit ihrer Gründung vor 161 Jahren – bei allen historischen Irrungen und Wirrungen – immer immer Teil der Friedensbewegung gewesen. Sozialdemokrat:innen haben Diktatur und Krieg die Stirn geboten, für Demokratie und Freiheit, für internationale Gerechtigkeit und Solidarität gekämpft.

Die Friedensbewegung war immer Sammlungsbewegung mit unterschiedlichen Akteur:innen – sie war nie eine parteiliche Bewegung. Bei allen Unterschieden war es immer ein ehrenhaftes Unterfangen, für den Frieden auf die Straße zu gehen.

Die SPD muss auch heute Teil der Friedensbewegung sein, denn „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ (Willy Brandt)

Deshalb rufen wir zur Teilnahme an der Friedensdemonstration am 3.10.2024 in Berlin auf und sind froh, dass es  bei dieser Demonstration gelungen ist, vorab festzustellen, dass die Veranstalter:innen die Teilnahme von Faschist:innen, Rassist:innen, Antisemit:innen und Anhänger:innen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder das Zeigen ihrer Symbole, Parolen und Fahnen nicht dulden werden.

In Unterscheidung zu anderen Demonstrationsaufrufen erklären wir:

  1. Wir verurteilen den kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine vom 24.02.2022 und den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der seit über zwei Jahren unermessliches Leid, Tod, Zerstörung und Vertreibung angerichtet und auch ein ökologisches Desaster verursacht hat. Der russische Angriffskrieg hinterlässt verbrannte Erde in der Ukraine, stürzt auch die russische Bevölkerung, vor allem ihre ärmeren Schichten, ins Elend und ist durch nichts zu rechtfertigen – durch nichts. Die Ukraine muss sich gegen diesen Überfall verteidigen, verteidigen können und dürfen! Gleichzeitig braucht es jetzt noch mehr internationale diplomatische Anstrengungen, um die Chance für ein baldiges Ende des Krieges absehbar erreichen zu können, was die prioritäre militärische Logik (Putin militärisch an den Verhandlungstisch zu zwingen) bislang offenkundig nicht bewirkt hat. Die Souveränität der Ukraine in zukünftigen Verhandlungen und die Eigenständigkeit ihrer Entscheidungen stehen dabei außer Frage. Aggressor:innen dürfen nicht für den Versuch belohnt werden, Grenzen mit Gewalt zu verschieben. Wer von der Ukraine Kompromisse verlangt, ohne auch von Russland Kompromisse zu verlangen, der nimmt Partei für den Aggressor, nicht für den Frieden. Wer andererseits die Suche nach Frieden auf Wegen abseits des Schlachtfeldes geringschätzt, als Appeasement, angebliche Pro-Putin Haltung oder naiven Nationalpazifismus verhöhnt und diskreditiert, muss erklären, wie er diesen Krieg beenden will, ohne das Schlachtfeld mit unabsehbaren Folgen auszuweiten.
  2. Wir verurteilen den terroristischen Überfall unter Führung der radikal-islamistischen Hamas auf die Menschen in Israel am 7.Oktober 2023. Er stellt für uns eine Zäsur in der Geschichte Israels dar. Dieser völkerrechtswidrige grausame Terror beendete das Leben von etwa 1200 Menschen. 239 Menschen wurden als Geiseln der Hamas verschleppt. Vielen von ihnen befinden sich auch fast ein Jahr nach dem Terrorangriff noch in Geiselhaft, einige wurden in Gefangenschaft ermordet. Viele Israelis, insbesondere die Familien der Geiseln, sind traumatisiert. Wir betrachten den Überfall gleichsam als Angriff auf den israelischen Staat, denn das hinter dem Terrorangriff liegende Ziel liegt in der Vernichtung des israelischen Staates. Dieser Terrorangriff ist durch nichts zu rechtfertigen – durch nichts! Israel muss sich gegen terroristische Angriffe verteidigen – verteidigen dürfen und können. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte haben wir allen Grund festzustellen, dass die Sicherheit Israels gegen Terrorismus und Antisemitismus nicht verhandelbar ist. Die israelische Regierung führt unter Netanjahu seit dem Terrorangriff einen Krieg gegen die Hamas. Dieser Krieg fordert seit annähernd einem Jahr täglich Menschenleben und bringt unermessliches Leid über die Menschen in der Region, insbesondere im Gazastreifen. Sie leben in ständiger Angst vor Bomben und Raketen, Städte liegen in Trümmern und Familien wurden und werden auseinandergerissen. Hunger und Krankheiten breiten sich aus. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 40.000 geschätzt. Währenddessen wird die Bevölkerung in Israel weiter täglich von verschiedenen Seiten und unterschiedlichsten Akteuren angegriffen. Diese Angriffe finden mit Billigung und Unterstützung des Iran statt und bringen die gesamte Region an den Rand eines Kriegs zwischen Staaten. Auch hier gilt: Wer die Suche nach Frieden auf Wegen abseits des Schlachtfeldes geringschätzt oder dem Primat der militärischen Logik unterordnet, muss erklären, wie er diesen Krieg beenden will, ohne das Schlachtfeld auszuweiten und ein Pulverfass im Nahen Osten anzuzünden. Dieser Konflikt lässt sich nur lösen, indem auf beiden Seiten Raum für einen Dialog und gegenseitige Akzeptanz geschaffen wird. In den letzten Jahrzehnten haben wir gesehen, welche immense Herausforderung das ist. Wir sind überzeugt, dass dies ohne eine gerechte Zwei-Staaten-Lösung nicht gelingen wird.
  3. Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Verbrechen der beiden Weltkriege: Krieg kennt keine Grenze in sich. Daraus müssen wir lernen, friedensfähig zu sein. Wir blicken mit großer Besorgnis auf die Militarisierung des Diskurses aus Teilen der Regierungs- wie der Oppositionsparteien. Frieden ist die Richtschnur unseres Handelns. Wir treten für ein friedliches Europa ein. Wir setzen auf Diplomatie, nicht auf eine Spirale der Abschreckung und des Wettrüstens. Wir ignorieren nicht die Möglichkeit von Kriegen und versetzen uns in die Lage, uns dagegen zu verteidigen, bemühen uns aber gleichzeitig um diplomatische Lösungen von Spannungen, bevor sie zu bewaffneten Konflikten oder Kriegen heranwachsen. Wir setzen auf einen Ausgleich von Interessen. Deshalb unterstützen wir den Vorschlag einer Weltfriedenskonferenz, zu der alle Regierungen eingeladen werden. Wir kritisieren die einseitige Festlegung einer automatischen Stationierung neuer konventioneller (aber nuklear aufrüstbarer) bodengestützter amerikanischer Mittelstreckenraketen mit kürzesten Vorwarnzeiten in Deutschland. Dass dies ohne Einbindung der NATO-Partner erfolgte und die Stationierung nur in Deutschland vorgesehen ist, halten wir für besonders problematisch. Anders als beim NATO-Doppelbeschluss von 1979 gab es zudem leider kein Angebot zur Abrüstung an Russland, das die russische Führung mit einer Abrüstungsdynamik in Zugzwang hätte bringen können. Das wäre angesichts der Bedrohung durch russische Raketen in Kaliningrad wichtig, die ein Teil der russischen Hochrüstung sind.  Aber: Rüstungskontrollvereinbarungen und Abrüstungsverträge werden nicht unter Freunden in Harmoniezeiten geschlossen. In einem Auf- und Wettrüsten sind unsere Ressourcen falsch eingesetzt, wir haben keinen Mangel an Waffen in der Welt. Wir brauchen unsere Ressourcen, um Hunger, Armut, Umweltzerstörung, Kriege und Fluchtursachen zu bekämpfen, um allen Menschen ein Leben in Würde und eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Es geht um Menschlichkeit. Nicht dem Krieg, sondern dem Frieden muss der Weg bereitet werden.

Positionierung zu Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen

11. September 2024

Die Ergebnisse der Wahlen in Sachsen und Thüringen sind bestürzend. Fast ein Drittel der Wähler:innen in Sachsen hat eine rechtsextreme Partei gewählt, zählt man die kleineren rechtsextremen Parteien wie den III. Weg oder die Freien Sachsen dazu, wird es mancherorts noch viel brauner. In Thüringen hat die AfD ihr bundesweites Rekordergebnis eingefahren. In manchen Teilen Sachsens und Thüringens haben die Menschen zur Hälfte Faschist:innen gewählt. Das ist kaum auszuhalten.

Die bundespolitische Lage hat den Wahlausgang bestimmt. Gegen diesen Trend konnten die SPD-Landesparteien mit richtigen Projekten wie dem Mindestvergabelohn von 15 Euro und kostenlosem Mittagessen für Kinder nicht viel ausrichten. In Sachsen erzielte Petra Köpping ein besseres Ergebnis als erwartet. In Thüringen konnte die SPD ihre Kernwählerschaft mobilisieren. Die Prognosen, sie könne an der 5-Prozent-Hürde scheitern, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Wir danken unseren Genoss:innen in Thüringen und Sachsen für ihr unermüdliches Engagement.

Ein zentrales Wahlkampfthema war die Frage nach Krieg und Frieden. Hier haben BSW und AfD mit populistischen Positionen gepunktet. Wir brauchen eine SPD im Bund, die den Menschen glaubhaft alle Bemühungen für einen echten und dauerhaften Frieden in der Ukraine deutlich macht. Wir stehen in der Sozialdemokratie in der Tradition einer nachhaltigen Friedenspolitik an der Seite der Menschen.

Für die kommenden Bundestagswahlen muss die SPD mit Empathie und sozialen Themen wie Umverteilung und einem starken Sozialstaates nach vorne gehen. Abwehrende Migrationsdebatten auf dem Rücken der Schwächsten nützen nur den rechten und populistischen Kräften. Das haben diese Wahlen gezeigt. Die Antwort auf die Wahlen im Osten muss eine konsequente, solidarische und linke Politik sein.

Solidarische Antworten statt falscher Symbolhandlungen

31. August 2024

Nachdem das Solinger Stadtfest „Festival der Vielfalt“ Ziel eines abscheulichen islamistischen Attentats und drei Menschen ermordet wurden, will die Bundesregierung als Reaktion darauf ein Maßnahmenpaket auf den Weg bringen. Währenddessen tobt eine Überbietungsschlacht darum, wer härter und konsequenter abschieben will.

Auch das neue Maßnahmenpaket enthält eine Reihe von migrationspolitischen Maßnahmen, die teilweise sehr fragwürdig sind. So sollen beispielsweise „Dublin-Flüchtlinge“, also Geflüchtete, die zuvor in einem anderen EU-Land registriert wurden, keine Leistungen mehr erhalten. Nach dem Dublin-System ist der EU-Staat für Asylanträge zuständig, in dem der Antragsteller zuerst EU-Boden betritt. Bei diesen Erstaufnahmeländern handelt es sich häufig um Mittelmeerstaaten wie Griechenland, Italien und Spanien, zu denen Probleme damit verschoben werden sollen.

Schon kurze Zeit nach der Ankündigung von Innenministerin Nancy Faeser, es solle „sehr bald“ Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern nach Syrien und Afghanistan geben, erfolgte eine erste Abschiebung nach Afghanistan. Diese Länder sind jedoch nach wie vor unsichere Länder, in denen Menschen gefoltert und getötet und Menschenrechte missachtet werden. Asyl ist und bleibt ein unveräußerliches Menschenrecht, das man nicht verwirken kann.

Der Ruf nach Abschiebungen ist der Reflex zu symbolischem Handeln. Was wirklich gegen islamistische Terror-Attentate hilft, sind präventive Maßnahmen wie Aufklärung, Bildung und Integration. Stattdessen plant die Bundesregierung, die Gelder für Integrationskurse zu halbieren. Auch bei der Bekämpfung von Fluchtursachen wird massiv gespart. Gleichzeitig finden (indirekte) Verhandlungen mit den Taliban oder dem Assad-Regime statt, deretwegen die Menschen ihre Heimatländer an erster Stelle verlassen müssen.

Die aktuellen Vorschläge zur Streichung von Leistungen für bestimmte Asylsuchende sind aus unserer Sicht absehbar verfassungswidrig. Das zugrunde liegende Kalkül, dass Geflüchtete von selbst zurückgehen, wenn die Bedingungen hier nur schlecht genug sind, wird nicht aufgehen. Menschen flüchten, weil sie ihr Leben schützen wollen. Das werden sie weiterhin tun.

Das Forum DL21 – die Linke in der SPD warnt vor einer Militarisierung der Politik – Nein zur Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen

23. August 2024

Der Nato-Gipfel, der vom 8. bis 11. Juli 2024 anlässlich des 75. Bestehens des Militärpaktes in Washington stattfand, hat die Weichen noch stärker für eine Militarisierung der internationalen Politik gestellt, die zu einer verhängnisvollen Sackgasse zu werden droht. Dass die unmittelbare Kriegsschuld Russlands außer Frage steht, ändert nichts daran, dass es zuerst um den Frieden gehen muss. In der EU muss die Diplomatie gestärkt werden und nicht die Dominanz des Militärischen. Das heißt, dass auch Russland sich an den Verhandlungstisch begeben muss, was wiederum Druck aus China auf Moskau erfordert.

Die SPD-Linke erinnert daran: Als es 1968 zur Niederschlagung des Prager Frühlings kam, wurde der damalige Bundesaußenminister Willy Brandt angesichts der neuen Konfrontation aufgefordert, seine Bemühungen um eine Entspannungspolitik zu beenden. Brandt antwortete im Bundestag, dass gerade der Versuch, neues Vertrauen und Formen der Kooperation zu schaffen, umso wichtiger sei. Das gilt auch heute, wo die Gefahr eines großen Krieges in Europa wieder zu einer denkbaren Zukunft zu werden droht.

Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Katastrophen der beiden Weltkriege: Krieg kennt keine Grenzen in sich. Daraus müssen wir lernen friedensfähig zu sein. Wir blicken mit großer Besorgnis auf die Militarisierung des Diskurses aus Teilen der Regierungs- wie der Oppositionsparteien.

Die SPD-Linke sagt Nein zur Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland, die sowohl konventionell als auch atomar bestückt werden können. Nicht dem Krieg, sondern dem Frieden muss der Weg bereitet werden. Das ist auch heute richtig.

Deshalb bedauern wir den Präsidiumsbeschluss der SPD zu den Nato-Beschlüssen. Er geht in eine falsche Richtung und ist nicht vereinbar mit der friedenspolitischen Tradition der Partei. Wir hätten uns im Vorfeld einer derart weitreichenden Entscheidung eine offene und kontroverse Debatte in der Partei und damit eine breitere demokratische Willensbildung gewünscht. Entscheidungen mit solch einer weitreichenden Signalwirkung müsse außerdem zwingend im Deutschen Bundestag diskutiert werden. Die moralische Instrumentalisierung von Kindern weisen wir zurück.

Die DL21 ruft dazu auf, sich zahlreich an den Veranstaltungen zum Antikriegstag sowie an der Friedensdemonstration am 3. Oktober 2024 in Berlin zu beteiligen, um starke Zeichen zu setzen.

Wir freuen uns, dass sich auch der Bundesvorstand der AG60+ der SPD unserem Aufruf angeschlossen hat.

Nein zu neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland!

17. Juli 2024

Mit dem NATO-Doppelbeschluss und der darauffolgenden Stationierung nuklearer Waffen in Deutschland begann Anfang der 1980er Jahre eine neue Phase des Wettrüstens. Damit verbunden stieg die Gefahr einer atomaren Eskalation des Kalten Krieges – vor allem auf deutschem Boden – stark an, was massive Proteste in der Bevölkerung hervorrief. Eine ähnliche Dynamik deutet sich heutzutage an, wenn ausgerechnet in Deutschland wieder US-Mittelstreckenraketen stationiert werden sollen, die fähig sind, Atomwaffen in wenigen Minuten nach Russland zu tragen. Wir sagen Nein zu landgestützten Raketensystemen, die mit dem INF-Vertrag verboten waren. Wir sagen Nein zu einem neuen Kalten Krieg, aus dem ein Heißer Krieg werden kann. Immer mehr Aufrüstung ist nicht die „ultima ratio“, sie ist die „ultima irratio“.

Frieden braucht – wie Willy Brandt 1990 nach dem Ende der in Ost und West geteilten Welt gefordert hat – eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur. Den Mut zur Erneuerung und Ausweitung der Friedens- und Entspannungspolitik müssen die Regierungen der europäischen Staaten aufbringen. Die gemeinsamen Leitideen für eine Weltinnenpolitik heißen: Nord-Süd-Solidarität, Gemeinsame Sicherheit und Nachhaltigkeit. Das ist die Zeitenwende, die wir heute brauchen. Nur durch gemeinsames Handeln können wir die großen sozialen und ökologischen Konflikte der zusammengewachsenen Welt insbesondere die Klimakrise bewältigen. Wir fordern die Staats- und Regierungschefs Europas auf, sich dieser Aufgabe endlich ernsthaft anzunehmen.

Die Gefahr eines großen Krieges in Europa mit der Atommacht Russland muss verhindert werden. Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass weite Teile Europas zum Ziel eines nuklearen Präventivschlages werden können. Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass Menschen diesem Risiko ausgesetzt werden, indem Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert werden. Schon gar nicht dürfen diese nuklear aufgerüstet werden. Wir dürfen es ebenso wenig akzeptieren, dass von deutschem Boden wieder Krieg ausgehen kann.

Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Katastrophen der beiden Weltkriege: Krieg kennt in sich keine Grenzen. Wir treten der Kriegsrhetorik und Aufrüstung daher entschieden entgegen. Sie sind nicht im Interesse der Menschen in Europa und drohen Diplomatie und Demokratie zu untergraben.

Wir brauchen jetzt eine Politik des Friedens und der Vernunft!

Bericht DL21-Sommertagung „Unser Rezept gegen den Rechtsruck“

19. Juni 2024

Am 15. Juni 2024 fand die diesjährige Sommertagung der DL21 im IG-Metall-Haus Berlin-Kreuzberg statt. Unter dem Titel „Unser Rezept gegen den Rechtsruck“ haben wir vor dem Hintergrund der Europawahlergebnisse darüber debattiert, mit welchen Mitteln wir dem Erstarken der Rechten begegnen wollen.

In seiner Eröffnungsrede wies der DL21-Ko-Vorsitzende Jan Dieren darauf hin, dass es darum gehe, den gesellschaftlichen Wandel demokratisch zu gestalten, um dem Gefühl von Kontrollverlust, das die Menschen derzeit hätten, zu begegnen.

Bei der Auswertung des Europawahlergebnisses hob Erik von Malottki, ebenfalls DL21-Ko-Vorsitzender, hervor, dass es der SPD nicht gelungen sei, ihre Wähler*innen zu mobilisieren. Die meisten Stimmen verlor die Partei ans Nichtwähler*innenlager – nämlich 2,5 Mio. Vor allem bei jungen Menschen und jungen Familien schnitt die SPD besonders schlecht ab. Alarmierend sei mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen vor allem das schlechte Abschneiden in Ostdeutschland. In Görlitz etwa fiel die SPD unter die 5%-Marke. Die Antwort darauf müsse jetzt linke Politik sein, die den Schwerpunkt darauf lege, materielle Verbesserung für die Menschen im Land zu erzielen. Zu diesen Ziele stünden die aktuellen Regierungspläne der Haushaltskürzungen im Widerspruch. Ein Kürzungshaushalt müsse unter allen Umständen verhindert werden. Um dies zu erreichen, sei auch der Druck aus der Partei notwendig.

Die wiedergewählte Europaabgeordnete Maria Noichl erklärte, dass es inzwischen nicht mehr nur um das Wahlergebnis der SPD, sondern vielmehr um den Erhalt der Demokratie gehe. Macrons Aussage, dass Europa sterben könne, sei vor diesem Hintergrund korrekt. Daher müsse man den Menschen jetzt klar machen, dass Europa die Lösung und nicht das Problem sei. Mit Blick auf das Wahlergebnis erklärte sie, dass wir als SPD vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem hätten – ein Fazit, dass auch von vielen Genoss*innen, geteilt wurde, die in der anschließenden Diskussion über ihre Erfahrungen aus dem Wahlkampf berichteten.

Was die Sozialdemokratie gegen den Rechtsruck unternehmen kann, war Gegenstand der anschließenden Podiumsdiskussion, die von derDL21-Ko-Vorsitzenden Alma Kleen und DL21-Vorstandsmitglied Nadja Sthamer moderiert wurde. Auch an dieser Stelle wurde auf Kritik am geplanten Kürzungshaushalt geübt. So erklärte ver.di-Chefökonom und DL21-Vorstandsmitglied Dierk Hirschel, dass dieser mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Im Zweifel müssten dafür auch Neuwahlen in Kauf genommen werden. Philippa Sigl-Glöckner forderte, die Argumentation der Schuldenbremse nicht zu akzeptieren, da im Grundgesetz keine Zahl zu einer Schuldenobergrenze stehe, sondern nur eine weiche Formulierung, die interpretationsfähig sei. Auch der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer befand, dass wir für unsere Forderungen „Terz in der Partei“ machen müssen.

Am Nachmittag ging es daran, in verschiedenen Workshops konkrete Forderungen zu erarbeiten, die wir als DL21 in die Partei hineintragen wollen. Dabei ging es auch darum, wie diese Forderungen umgesetzt werden sollen. Die Vorsitzenden berichten, dass der Vorstand plane, ein Mitgliederbegehren zu starten. Dieser Vorschlag wurde von den Anwesenden begrüßt und die Vorsitzenden damit beauftragt, die nächsten Schritte in die Wege zu leiten.

DL 21 beschließt Initiierung eines Mitgliederbegehrens und Vorbereitung weiterer Mitgliederbegehren

16. Juni 2024

Auf ihrer Sommertagung unter dem Titel „Unser Rezept gegen den Rechtsruck: Sozialdemokratie pur“ hat das Forum Demokratische Linke 21 Konsequenzen aus der Wahlniederlage der SPD bei der Europawahl beraten. Aus Sicht der DL 21 muss die SPD wieder glaubwürdiger für soziale Gerechtigkeit einstehen und einen Kurswechsel in der Ampel einleiten. Um dieses Ziel zu erreichen, will die DL 21 die Partei-Mitglieder stärker für Diskussionen um die Regierungspolitik und die inhaltliche Ausrichtung der Partei mobilisieren. Hierfür wird die DL 21 unter anderem ein Mitgliederbegehren für einen Bundeshaushalt 2025 einleiten, der eine sozialdemokratische Handschrift trägt. Ziel muss es sein, in Zukunftsbereiche wie Bildung zu investieren und Kürzungen in sozialdemokratischen Kernbereichen zu verhindern. Weitere Mitgliederbegehren zur zukünftigen Ausrichtung der Partei werden vorbereitet, dabei stehen u.a. Themen wie ein Mindestlohn in Höhe von 15 Euro, ein kostenfreies Mittagessen in Kitas und Schulen sowie ein bundesweiter Mietendeckel im Raum.

Das zentrale Mitgliederbegehren spricht sich gegen Kürzungen in sozialdemokratischen Kernbereichen wie Soziales, Gesundheit, Bildung und Demokratie aus und fordert stattdessen Investitionen in Bildung, bezahlbaren Wohnraum und einen ambitionierten Klimaschutz. Eine Zustimmung der SPD zum Haushalt soll nur unter diesen Bedingungen erfolgen.

Hierzu erklärt der Co-Vorsitzende der DL 21, der Bundestagsabgeordnete Jan Dieren:

„Am nächsten Bundeshaushalt können wir sehr grundsätzlich diskutieren, ob sich die Sozialdemokratie gerade in den heutigen Zeiten an Austeritätspolitik beteiligen sollte. Wir halten das für den falschen Weg.“

Der Co-Vorsitzende der DL 21, der Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki ergänzt:

„Wir brauchen einen Kurswechsel in der Regierungspolitik.  Im Fokus müssen sozialdemokratische Kernbereiche wie Soziales, Bildung, Gesundheit und Familie stehen. Hier dürfen auf keinen Fall Kürzungen stattfinden. Stattdessen benötigen wir Investitionen in diese Bereiche, unsere Infrastruktur und in bezahlbares Wohnen.“

Stoppt das Spiel mit dem Feuer – Wider die Militarisierung der Politik

5. Juni 2024

Mit Sorge sehen wir, dass nun mehrere westliche Regierungen, darunter auch Deutschland, der Ukraine erlauben, mit von ihnen gelieferten Waffen auch Ziele auf russischem Territorium anzugreifen. Es ist unbestritten, dass die Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung gegen den russischen Angriffskrieg hat. Nach Art. 51 der UN-Charta kann dieses Selbstverteidigungsrecht auch Schläge auf russischem Territorium umfassen. So eindeutig die völkerrechtliche Lage auch sein mag, so sehr geht die gegenwärtige Debatte jedoch an der eigentlichen Frage vorbei.

Die politische Debatte dreht sich sämtlich um Fragen, wie das ukrainische Militär diesen Krieg führen soll – mit welchen vom Westen gelieferten Waffen, ob auch auf russischem Territorium usw. usf. Die eigentliche Frage ist aber nicht, wie dieser Krieg geführt werden soll, sondern, wie er beendet werden kann. Die eigentliche Aufgabe europäischer Politik muss es sein, einen Weg zum Frieden zu finden. Sie richtet sich insbesondere an die SPD, an die Partei der Friedens- und der Entspannungspolitik und der internationalen Solidarität. Der Weg, den Rolf Mützenich aufgezeigt hat, über einen Waffenstillstand zu Friedensgesprächen zu kommen, muss nun konsequent verfolgt werden.

Bundeskanzler Scholz hat in den letzten zwei Jahren immer wieder Grenzen überschritten, die er zuvor als Rote Linien beschrieben hat. Dabei stand der Kanzler unter starkem Druck aus Öffentlichkeit und Opposition. Angesichts der Gefahr einer weiteren Eskalation braucht es aber einen Kurs der Besonnenheit und der Weitsicht, der sich nicht durch öffentliche Debatten und laute Einzelmeinungen aus dem Gleichgewicht bringen lässt.

Wir leben im gefährlichsten Jahrzehnt seit Ende des Zweiten Weltkrieges. In weiten Teilen der Gesellschaft nimmt eine Militarisierung der Diskussion zu. Während die einen kaum warten können, die Wehrpflicht wieder einzuführen, stellen andere schon Gedankenspiele an, wie ein Krieg Deutschlands gegen Russland geführt werden könnte und wollen bereits Reservisten mobilisieren. Das alles trägt zu einer sich selbst verstärkenden und immer weniger berechenbaren Dynamik bei. Nach zwei von Deutschland ausgelösten Weltkriegen muss  Rolle der Bundesregierung wie der SPD in der Gegenwart die sein, einen dritten zu verhindern. Unsere Verfassung gibt dem Gebot, dem Frieden zu dienen, eine herausragende Bedeutung und ächtet Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, als verfassungswidrig. Europa hat aus diesen Weltkriegen die Lehre gezogen, dass nicht gegenseitiges Belauern und Hochrüsten Kriege verhindern wird, sondern nur eine Verzahnung und Zusammenarbeit für gemeinsame Sicherheit. Diese Lehre muss Vorbild für ein weltweites Friedensprojekt sein. Die großen Herausforderungen unserer Zeit wird die Welt nicht bewältigen, wenn wir nicht zu Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit fähig werden. Wir müssen das Spiel mit dem Feuer stoppen, da es ansonsten droht, zu einem atomaren Inferno zu werden. 

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