Stellungnahme der DL21 zur Bundestagswahl 2025

26. Februar 2025

Die SPD hat bei der vorangegangenen Bundestagswahl ein historisch schlechtes Ergebnis erzielt. Das Votum zeigt, dass eine sozialdemokratische Partei keine Wahlen gewinnt, indem sie sich rechten Positionen annähert und mit den konservativen und extremen Kräften in diesem Land darum wetteifert, wer die schärfste Migrationspolitik verfolgt.

Aus der Wahlniederlage ziehen wir folgende Schlüsse:

  • Jetzt ist die Zeit für eine rücksichtslose, bis auf den Grund der Dinge gehende Selbstkritik. Neben einer stärkeren Orientierung auf die Durchsetzung der materiellen Interessen der Menschen brauchen wir auch eine personelle Erneuerung.
  • Die SPD muss sich entscheiden: Will sie weiter versuchen, mit ihrer Politik eine vermeintliche Mitte der Gesellschaft zu erreichen? Oder will sie ihre Politik konsequent daran orientieren, die materielle und soziale Lage der Mehrheit der Menschen zu verbessern? Wir als DL21 bekennen uns klar zu einer deutlichen linken Ausrichtung und einem klar erkennbaren sozialdemokratischen Profil. Die Sozialdemokratie muss die soziale Gerechtigkeit und progressive Haltungen zum Ausgangspunkt ihrer Politik machen.
  • Die SPD braucht mehr innerparteiliche Demokratie: Die SPD-Mitglieder müssen bei der Erarbeitung von Programmen sowie bei Entscheidungen über Spitzenpersonal und mögliche Koalitionen einbezogen werden. Das bedeutet mehr Basisdemokratie, mehr Debatten auf Parteitagen und bessere Beteiligungsmöglichkeiten dazwischen. Herausgehobenes Personal wie Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat*innen müssen von den Mitgliedern gewählt werden.
  • Für die anstehenden Gespräche mit der Union gibt es Rote Linien:
    • Die sozial ungerechten Steuerpläne von Friedrich Merz und der Union lehnen wir entschieden ab. Stattdessen brauchen wir echte Umverteilung von Oben nach Unten.
    • Eine Verschärfung des Asylrechts und der Migrationspolitik werden wir nicht mittragen.
    • Der Mindestlohn muss auf 15 Euro erhöht werden.
    • Die Schuldenbremse muss reformiert werden. Die alleinige Einrichtung eines Sondervermögens für Verteidigungsausgaben, wie sie derzeit im Gespräch ist, weist in die falsche Richtung. Wir brauchen darüber hinaus dringend Investitionen in den Bereichen Soziales, Infrastruktur, Bildung, Familie, Demokratie, bezahlbares Wohnen und Klimaschutz.
    • Der Paragraf 218 im Strafgesetzbuch muss abgeschafft und Schwangerschaftsabbrüche damit entkriminalisiert werden. 

Veranstaltungsbericht „Syrien – Wie weiter nach dem Sturz Assads“

10. Februar 2025

Am 28. Januar haben wir uns auf einer Online-Veranstaltung mit dem Titel „Syrien – Wie weiter nach dem Sturz Assads?“ mit der Frage befasst, wie die Zukunft Syriens aussehen und welche Rolle Deutschland dabei spielen könnte. Zu diesem Thema berichtete der Syrien-Experte Dr. Sascha Ruppert-Karakas, moderiert vom Vorstandsmitglied Lorans El Sabee. 

Nach der Begrüßung durch den DL21-Ko-Vorsitzenden Jan Dieren, MdB, zeichnete Dr. Ruppert-Karakas in seinem Input ein Bild des autoritären Herrschaftssystems unter der Assad-Dynastie und widerlegte den Mythos, Assad sei ein „säkularer Herrscher“ gewesen – eine Behauptung, die zur Propaganda benutzt wurde, um jede Opposition zu delegitimieren. Im Gegenteil: Assad nutzte ethnische, sektiererische und religiöse Unterschiede gezielt, um verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen und seine Herrschaft zu verfestigen. Aus diesen Spannungen formierten sich später mehrere Gruppierungen, die zu prägenden Akteuren im Bürgerkrieg wurden. Dr. Ruppert-Karakas beleuchtete dabei die Geschichte und Entstehung von Hayat Tahrir al-Sham (HTS) im Kontext der syrischen Aufstände. Die Gruppierung, die ursprünglich als islamistische Miliz begann, etablierte in Idlib eine Art Staatsformation und trug letztlich maßgeblich zum Sturz Assads bei. Dabei setzte HTS einerseits repressive Methoden ein, schuf andererseits aber auch bemerkenswerte institutionelle Strukturen. Aus der Frage, wie aus den Überresten von über 50 Jahren Assad-Herrschaft und der Geschichte der neuen Machthaber ein funktionierender Staat entstehen kann, entwickelte sich eine Diskussion, deren zentrale Erkenntnisse sich wie folgt zusammenfassen lassen:

Vom Milizwesen zur Staatsbildung
HTS gelang es, sich durch eine pragmatische Strategie von einer reinen Miliz zu einer quasi-staatlichen Ordnung mit Ministerien und Verwaltungsstrukturen zu entwickeln. Diese Ausrichtung signalisiere eine Gesprächsbereitschaft, die über starre ideologische Grenzen hinausgehe – auch wenn der Weg zu einem breiteren Konsens mühsam und langwierig bleibe. Zugleich blieben die inneroppositionellen Spannungen zwischen säkularen Kräften, Islamisten und ehemaligen Regimefunktionären hochbrisant. 

Vergangenheitsbewältigung als Grundpfeiler der Stabilität
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Diskussion lag auf Transitional Justice und der Notwendigkeit, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Versöhnung und Aufarbeitung seien essenziell für eine stabile Zukunft – eine Aufgabe, die zusätzlich erschwert werde, wenn ehemalige Regime-Kader in neue Machtstrukturen integriert werden. Dieser Balanceakt werde zentral für die Zukunft Syriens sein.

Die Rolle Deutschlands
Auch die außenpolitische Rolle Deutschlands wurde eingehend diskutiert. Eine mögliche Lockerung der Sanktionen könnte den Prozess einer frühen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erholung unterstützen – allerdings sollte dies unter klar definierten Bedingungen geschehen, die verhindern, dass autoritäre Strukturen erneut an Einfluss gewännen. Entscheidend werde sein, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden können, ohne kolonialen Eindruck zu erwecken, der Syrer*innen in die Arme von autoritären Staaten führen könne.

Die Diskussion machte deutlich: Die Zukunft Syriens bleibt ungewiss. Während die Bevölkerung auf Stabilität hofft, steht die internationale Gemeinschaft vor der Herausforderung, angemessen mit den neu entstandenen Machtstrukturen umzugehen. In Syrien steht sehr viel auf dem Spiel. Jetzt aber bietet sich die Möglichkeit, durch Kooperationsangebote Stabilität in die Region zu bringen und Menschenrechte zu schützen.

Syrien – wie weiter nach dem Sturz Assads?

17. Januar 2025

Dienstag, 28.01.2025, 19:00 Uhr, via Zoom

Liebe Genoss:innen,

Anfang Dezember wurde der syrische Diktator Assad von der islamistischen HTS-Miliz gestürzt. Die Mehrheit der Bevölkerung bejubelte die Geschehnisse und die Befreiung von der jahrzehntelangen Unterdrückung. Doch gleichzeitig kamen auch Sorgen auf. Inwiefern würde die Miliz, die aus einer jihadistischen Gruppierung hervorgegangen ist, sich an Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit halten? Wird Syrien künftig demokratisch regiert werden? Welche internen Konflikte gibt es innerhalb der Milizen? Aber auch die Beziehungen zu den Nachbarstaaten stellen die neuen Machthaber in Damaskus vor Herausforderungen. Welche Interessen verfolgen ausländische Staaten im Land?

Über diese und weitere Fragen wollen wir mit euch und unserem Referenten diskutieren und laden euch dazu ganz herzlich ein. Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme!

Solidarische Grüße

Jan, Alma und Erik

ABLAUF:

19:00 Uhr: Begrüßung Jan Dieren, MdB und Ko-Vorsitzender DL21
19:05 Uhr: Input von Dr. des. Sascha Ruppert-Karakas, Ludwigs-Maximilian-Universität München
19:25 Uhr: Diskussion mit Teilnehmer*innen
Moderation: Lorans El Sabee, DL21-Vorstandsmitglied  

ZOOM-Zugangsdaten:
Die Einwahldaten erhaltet ihr nach der Anmeldung unter info@dl21.de.

Bericht DL21-Herbsttagung am 29./30. November 2024

10. Dezember 2024

Am 29. und 30. November hat in Frankfurt/Main unsere Herbsttagung mit dem Titel „Sozialdemokratische antifaschistische Strategien“ stattgefunden. Am Freitagabend haben wir mit Clara Dilger von der Uni Leipzig und dem Vorsitzenden der hessischen Jusos, Lukas Schneider, über die Hintergründe des zunehmenden Rechtspopulismus in Deutschland und mögliche Gegenstrategien diskutiert.

Clara Dilger erklärte auf die Frage danach, mit was für einer Partei wir es bei der AfD zu tun haben, es handele sich um eine rechtspopulistische – und in Teilen auch rechtsextremistische – Partei. Ihre Anhänger misstrauten den etablierten Parteien, aber auch den öffentlich-rechtlichen Medien und der Wissenschaft. Zudem seien sie damit unzufrieden wie die Demokratie funktioniere, was allerdings nicht mit einer Ablehnung der Demokratie generell gleichzusetzen sei. Der verstärkte Zuspruch für die AfD sei als Gegenreaktion auf eine Öffnung der Gesellschaft zu verstehen. Je stärker sich eine Gesellschaft öffne, desto stärker werde die Gegenreaktion. Ihre Forschung habe gezeigt, dass wirtschaftliche Ungleichheit für die Wähler:innen der AfD nicht im Vordergrund stehe, wobei sie sehr große wirtschaftliche Sorgen hätten. Dabei gehe es allerdings weniger um ihre objektive Lage als um ihre subjektive Wahrnehmung. In der Regel gehörten sie zur einigermaßen gut abgesicherten unteren Mittelschicht, die sich aber bedroht sehe und der Meinung sei, „die Politik“ kümmere sich weder um ihre wirtschaftlichen noch ihre politischen Belange.

Kurzfristig ließen sich die Wähler:innen der AfD daher über Verteilungspolitik nicht zurückgewinnen. Dies könne nur langfristig geschehen. Dafür müsse etwa die marode öffentliche Infrastruktur, die symbolisch für das wahrgenommene Versagen des Staates stehe und mit der die Menschen täglich in Berührung kämen, modernisiert werden. Wichtig sei, dies über eine gerechte Lastenverteilung zu finanzieren. Deutliche Kritik übte Clara Dilger an dem Versuch der demokratischen Parteien, die Themen der AfD zu übernehmen, indem man bspw. eine Asylpolitik betreibe, wie sie auch die AfD propagiert. Die Wähler:innen wählen am Ende doch das „Original“.

Diesen Punkt kritisierte auch Lukas Schneider. Es sei ein Problem, wenn die SPD etwa in der Migrationspolitik die Positionen der AfD übernehme, weil die Rechtspopulisten sich dann damit brüsten könnten, dass ihre Politik wirke. In diesem Zusammenhang sei es auch ein Problem, wenn die SPD sich von Meinungsumfragen und der Presse treiben lasse und dadurch in ihrem Narrativ nicht mehr kohärent sei. Das verunsichere die Menschen.

Zudem bemängelte er, dass wir uns mit der Schuldenbremse die Möglichkeiten für die geforderten Investitionen in die Infrastruktur nähmen. Um diese zu finanzieren, müssten bspw. auch große Vermögen höher besteuert werden. Durch die Abschaffung der Vermögenssteuer seien dem Staat in den vergangenen Jahren Einnahmen in Höhe von 600 Mrd. Euro entgangen. In diesem Zusammenhang müsse die SPD viel stärker thematisieren, wer in diesem Land leistungslose Vermögen bekomme – nämlich Erben höher Vermögen. Als positives Beispiel für eine soziale Politik nannte er den spanischen Ministerpräsidenten Sanchez, der sich durch die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf große Zustimmung in der Bevölkerung stützen könne.

Lukas betonte zudem, dass es wichtig sei, dass die Partei Erkenntnisse aus der Forschung in ihre Politik einbeziehe. Als Beispiel nannte er die Prämie von 1.000 Euro für Bürgergeldempfänger:innen, wenn sie nach längerer Arbeitslosigkeit wieder einen Stelle anträten. Wissenschaftler:innen hätten darauf verwiesen, dass dieses Modell erfolgversprechend sei und sich auf lange Sicht auch finanziell auszahle, weshalb er dessen Umsetzung befürwortete.  

Am Samstag wurde die Diskussion vom Freitag vertieft und über das vom Vorstand vorgelegte Eckpunktepapier einer „Sozialdemokratischen antifaschistischen Strategie“ beraten. In seiner Einführung erklärte der stellvertretende DL-Vorsitzende Knut Lambertin, Ausgangspunkt des Papiers seien die Anfang des Jahres aufgedeckten Deportationspläne der Rechten und die daran anschließenden Demonstrationen gewesen. Bedauerlicherweise sei es der SPD nicht gelungen, bei diesen Protesten gegen die AfD Anschluss an die Zivilgesellschaft zu bekommen, um sich mit ihr zu vernetzen. In dem Papier gehe es nun unter anderem um die Frage, wie diese Vernetzung mit der Zivilgesellschaft gelingen kann. Ziel müsse sein, den Faschisten die geistigen und organisatorischen Grundlagen zu entziehen und so den Zustrom an Wähler:innen zu begrenzen.

In der Diskussion wurde darauf verwiesen, dass nicht alle Wähler:innen der AfD Faschisten seien, sondern viele von ihnen von den demokratischen Parteien enttäuscht seien. Gleichzeitig erklärten die Teilnehmenden, dass die Wähler:innen durchaus wissen müssten, was aus ihrer Protestwahl folgt, wenn die AfD an die Macht käme – nämlich Faschismus, statt besserer Sozialpolitik.

Einig war man sich darin, dass es eine echte Umverteilung und mehr Investitionen in die Infrastruktur und bezahlbares Wohnen geben müsse, um die Menschen wieder zurückzugewinnen.

Es wurde zudem betont, dass es in dem Papier nicht darum gehen solle, die Wähler:innen zu beschimpfen, sondern darum, faschistische Ideologien zurückdrängen. Das müsse auf der einen Seite geschehen, indem wir eine Politik betreiben, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und den Fokus auf Verteilungsgerechtigkeit setze. Zum anderen müssten sich die Genoss:innen vor Ort in Bündnisse einklinken. Damit diese erfolgreich seien, müssten sie breit organisiert sein. In Köln und Ulm sei dies bspw. sehr gut gelungen. Aber auch die Bedeutung politischer Bildung wurde betont. Dabei gehe es nicht nur darum zu vermitteln, wie die parlamentarische Demokratie funktioniere, sondern darum, eine Haltung zu generieren.

Darüber hinaus wurde auch grundsätzlich Kritik am Kapitalismus geübt. Es reiche nicht aus, ausschließlich auf den Schutz der Demokratie zu setzen, man müsse darüber hinaus den Kapitalismus überwinden. Der Faschismus greife zudem all jene Menschen an, die sich der kapitalistischen Verwertungslogik entzögen.

Zum Abschluss verwies Knut Lambertin noch einmal darauf, dass es in dem Papier vor allem darum gehe, Ansatzpunkte für antifaschistisches Handeln zu liefern und es daher keine spezifischen sozialistischen Forderungen gebe. Diese müssten von den Menschen vor Ort entwickelt und umgesetzt werden und damit auf die Bündnispartner zugegangen werden.

In der nachfolgenden Mitgliederversammlung verabschiedeten die Anwesenden die Linken Impulse für 2025, unsere Impulse für das SPD-Wahlprogramm 2025, die nun breit in die Partei hineingetragen werden sollen.

Linke Impulse für 2025

9. Dezember 2024

Auf unserer Mitgliederversammlung am 30. November 2024 in Frankfurt/Main haben wir unsere Linken Impulse für 2025 verabschiedeten. Diese Impulse für das SPD-Wahlprogramm 2025 hatten wir im Vorstand zuvor gemeinsam mit unseren Mitgliedern erarbeitet. Nun wollen wir diese breit in die Partei hineintragen. Wir laden euch alle ein, dabei mitzumachen und unsere Impulse als Grundlage für Anträge für den anstehenden Bundesparteitag am 11. Januar 2025 zu nutzen. Antragsschluss ist der 16. Dezember 2024. Den Text könnt ihr hier herunterladen.

DL21-Herbsttagung am 29./30. November 2024 in Frankfurt/Main

22. November 2024

Sozialdemokratische antifaschistische Strategien

Liebe Genoss:innen,

Anfang des Jahres hat das Aufdecken der Deportationspläne faschistischer Kreise zahlreiche Menschen zu Gegendemonstrationen motiviert. Auch die Ergebnisse der Mittestudie der Friedrich-Ebert-Stiftung, wonach ein Teil der Mitte der Gesellschaft sich immer weiter von der Demokratie entfernt, führt zur Beunruhigung. Wie sehr rechte Narrative inzwischen in weite Teile der Gesellschaft vorgedrungen sind, hat sich zuletzt bei den Landtagswahlen mit den Wahlerfolgen der AfD in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gezeigt.

Vor diesem Hintergrund wollen wir uns auf unserer Herbsttagung damit befassen, wie es uns gelingen kann, faschistische Ideologien konsequent zurückzudrängen. Vor welchen Aufgaben steht die Politik? Und wie kann ein gemeinsames Vorgehen aller progressiven gesellschaftlichen Kräfte gelingen? Darüber wollen wir mit euch und unseren Referent*innen diskutieren.

Auf unserer Mitgliederversammlung, die am Samstag ab 11 Uhr stattfindet, werden wir darüber diskutieren, welche linken Impulse wir für SPD-Regierungsprogramm 2025 setzen wollen.

Die Podiumsdiskussion am Freitag und die Debatte am Samstag werden als Hybrid-Veranstaltung stattfinden. Die Mitgliederversammlung werden wir als Präsenzveranstaltung durchführen.

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme!

Mit solidarischen Grüßen

Jan Dieren, MdB

Alma KLeen

Erik von Malottki, MdB

PROGRAMM

Freitag, 29. November 2024

19:00 Uhr:       Begrüßung und Einleitung durch die Vorsitzenden

19:15 Uhr:       Sozialdemokratische antifaschistische Strategien, Teil I

                        Podiumsdiskussion mit

  • Clara Dilger, Uni Leipzig
  • Lukas Schneider, Landesvorsitzender Jusos Hessen
  • Heiko Klare., Mobile Beratung

Moderation: Knut Lambertin, stellv. Vorsitzender DL21

21:00 Uhr:       Ende

im Anschluss gemütliches Beisammensein

Mitbach bira und pita bar, Fahrgasse 25, 60311 Frankfurt

Samstag, 30. November 2024

09:00 Uhr:       Begrüßung und Einleitung durch die Vorsitzenden

09:15 Uhr:       Sozialdemokratische antifaschistische Strategien, Teil II

                        Diskussion im Plenum

11:00 Uhr        Mitgliederversammlung

12:30 Uhr:       Mittagspause

13:30 Uhr:       Fortsetzung der Mitgliederversammlung

17:00 Uhr:       Ende

Anmeldung:   Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 21.11.2024 unter info@dl21.de. Bitte teilt und mit, an welchen Tagen ihr teilnehmen wollt und ob ihr digital oder vor Ort dabei sein werdet.

Zugangsdaten für Freitagabend und Samstagvormittag: Die Einwahldaten senden wir euch nach einer Anmeldung an info@dl21.de zu.

Aufruf zur Friedensdemonstration am 03.10.2024 in Berlin

23. September 2024

Unser Ziel: Frieden in der Welt!

Krieg ist ein furchtbares und grausames Mittel, um politische Interessen zu verfolgen. Er trifft immer unschuldige Opfer. Die Behauptung, es gäbe „saubere“ Kriege, die „nur“ militärische Ziele angreifen, ist immer gelogen. Verletzung und Tod, Vergewaltigungen und Kindesentführungen, Vertreibung und Zerstörung, Angst, Kälte und Traumatisierung, Kriegsverbrechen, militärische und zivile, alte und junge Opfer – das ist die Realität des Krieges – immer!

Am Ende profitieren von Kriegen nur diejenigen, die ihren Profit mit Tod und Zerstörung machen, Kriegswaffen verkaufen oder sich am Wiederaufbau bereichern.

Die SPD ist seit ihrer Gründung vor 161 Jahren – bei allen historischen Irrungen und Wirrungen – immer immer Teil der Friedensbewegung gewesen. Sozialdemokrat:innen haben Diktatur und Krieg die Stirn geboten, für Demokratie und Freiheit, für internationale Gerechtigkeit und Solidarität gekämpft.

Die Friedensbewegung war immer Sammlungsbewegung mit unterschiedlichen Akteur:innen – sie war nie eine parteiliche Bewegung. Bei allen Unterschieden war es immer ein ehrenhaftes Unterfangen, für den Frieden auf die Straße zu gehen.

Die SPD muss auch heute Teil der Friedensbewegung sein, denn „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ (Willy Brandt)

Deshalb rufen wir zur Teilnahme an der Friedensdemonstration am 3.10.2024 in Berlin auf und sind froh, dass es  bei dieser Demonstration gelungen ist, vorab festzustellen, dass die Veranstalter:innen die Teilnahme von Faschist:innen, Rassist:innen, Antisemit:innen und Anhänger:innen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder das Zeigen ihrer Symbole, Parolen und Fahnen nicht dulden werden.

In Unterscheidung zu anderen Demonstrationsaufrufen erklären wir:

  1. Wir verurteilen den kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine vom 24.02.2022 und den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der seit über zwei Jahren unermessliches Leid, Tod, Zerstörung und Vertreibung angerichtet und auch ein ökologisches Desaster verursacht hat. Der russische Angriffskrieg hinterlässt verbrannte Erde in der Ukraine, stürzt auch die russische Bevölkerung, vor allem ihre ärmeren Schichten, ins Elend und ist durch nichts zu rechtfertigen – durch nichts. Die Ukraine muss sich gegen diesen Überfall verteidigen, verteidigen können und dürfen! Gleichzeitig braucht es jetzt noch mehr internationale diplomatische Anstrengungen, um die Chance für ein baldiges Ende des Krieges absehbar erreichen zu können, was die prioritäre militärische Logik (Putin militärisch an den Verhandlungstisch zu zwingen) bislang offenkundig nicht bewirkt hat. Die Souveränität der Ukraine in zukünftigen Verhandlungen und die Eigenständigkeit ihrer Entscheidungen stehen dabei außer Frage. Aggressor:innen dürfen nicht für den Versuch belohnt werden, Grenzen mit Gewalt zu verschieben. Wer von der Ukraine Kompromisse verlangt, ohne auch von Russland Kompromisse zu verlangen, der nimmt Partei für den Aggressor, nicht für den Frieden. Wer andererseits die Suche nach Frieden auf Wegen abseits des Schlachtfeldes geringschätzt, als Appeasement, angebliche Pro-Putin Haltung oder naiven Nationalpazifismus verhöhnt und diskreditiert, muss erklären, wie er diesen Krieg beenden will, ohne das Schlachtfeld mit unabsehbaren Folgen auszuweiten.
  2. Wir verurteilen den terroristischen Überfall unter Führung der radikal-islamistischen Hamas auf die Menschen in Israel am 7.Oktober 2023. Er stellt für uns eine Zäsur in der Geschichte Israels dar. Dieser völkerrechtswidrige grausame Terror beendete das Leben von etwa 1200 Menschen. 239 Menschen wurden als Geiseln der Hamas verschleppt. Vielen von ihnen befinden sich auch fast ein Jahr nach dem Terrorangriff noch in Geiselhaft, einige wurden in Gefangenschaft ermordet. Viele Israelis, insbesondere die Familien der Geiseln, sind traumatisiert. Wir betrachten den Überfall gleichsam als Angriff auf den israelischen Staat, denn das hinter dem Terrorangriff liegende Ziel liegt in der Vernichtung des israelischen Staates. Dieser Terrorangriff ist durch nichts zu rechtfertigen – durch nichts! Israel muss sich gegen terroristische Angriffe verteidigen – verteidigen dürfen und können. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte haben wir allen Grund festzustellen, dass die Sicherheit Israels gegen Terrorismus und Antisemitismus nicht verhandelbar ist. Die israelische Regierung führt unter Netanjahu seit dem Terrorangriff einen Krieg gegen die Hamas. Dieser Krieg fordert seit annähernd einem Jahr täglich Menschenleben und bringt unermessliches Leid über die Menschen in der Region, insbesondere im Gazastreifen. Sie leben in ständiger Angst vor Bomben und Raketen, Städte liegen in Trümmern und Familien wurden und werden auseinandergerissen. Hunger und Krankheiten breiten sich aus. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 40.000 geschätzt. Währenddessen wird die Bevölkerung in Israel weiter täglich von verschiedenen Seiten und unterschiedlichsten Akteuren angegriffen. Diese Angriffe finden mit Billigung und Unterstützung des Iran statt und bringen die gesamte Region an den Rand eines Kriegs zwischen Staaten. Auch hier gilt: Wer die Suche nach Frieden auf Wegen abseits des Schlachtfeldes geringschätzt oder dem Primat der militärischen Logik unterordnet, muss erklären, wie er diesen Krieg beenden will, ohne das Schlachtfeld auszuweiten und ein Pulverfass im Nahen Osten anzuzünden. Dieser Konflikt lässt sich nur lösen, indem auf beiden Seiten Raum für einen Dialog und gegenseitige Akzeptanz geschaffen wird. In den letzten Jahrzehnten haben wir gesehen, welche immense Herausforderung das ist. Wir sind überzeugt, dass dies ohne eine gerechte Zwei-Staaten-Lösung nicht gelingen wird.
  3. Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Verbrechen der beiden Weltkriege: Krieg kennt keine Grenze in sich. Daraus müssen wir lernen, friedensfähig zu sein. Wir blicken mit großer Besorgnis auf die Militarisierung des Diskurses aus Teilen der Regierungs- wie der Oppositionsparteien. Frieden ist die Richtschnur unseres Handelns. Wir treten für ein friedliches Europa ein. Wir setzen auf Diplomatie, nicht auf eine Spirale der Abschreckung und des Wettrüstens. Wir ignorieren nicht die Möglichkeit von Kriegen und versetzen uns in die Lage, uns dagegen zu verteidigen, bemühen uns aber gleichzeitig um diplomatische Lösungen von Spannungen, bevor sie zu bewaffneten Konflikten oder Kriegen heranwachsen. Wir setzen auf einen Ausgleich von Interessen. Deshalb unterstützen wir den Vorschlag einer Weltfriedenskonferenz, zu der alle Regierungen eingeladen werden. Wir kritisieren die einseitige Festlegung einer automatischen Stationierung neuer konventioneller (aber nuklear aufrüstbarer) bodengestützter amerikanischer Mittelstreckenraketen mit kürzesten Vorwarnzeiten in Deutschland. Dass dies ohne Einbindung der NATO-Partner erfolgte und die Stationierung nur in Deutschland vorgesehen ist, halten wir für besonders problematisch. Anders als beim NATO-Doppelbeschluss von 1979 gab es zudem leider kein Angebot zur Abrüstung an Russland, das die russische Führung mit einer Abrüstungsdynamik in Zugzwang hätte bringen können. Das wäre angesichts der Bedrohung durch russische Raketen in Kaliningrad wichtig, die ein Teil der russischen Hochrüstung sind.  Aber: Rüstungskontrollvereinbarungen und Abrüstungsverträge werden nicht unter Freunden in Harmoniezeiten geschlossen. In einem Auf- und Wettrüsten sind unsere Ressourcen falsch eingesetzt, wir haben keinen Mangel an Waffen in der Welt. Wir brauchen unsere Ressourcen, um Hunger, Armut, Umweltzerstörung, Kriege und Fluchtursachen zu bekämpfen, um allen Menschen ein Leben in Würde und eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Es geht um Menschlichkeit. Nicht dem Krieg, sondern dem Frieden muss der Weg bereitet werden.

Positionierung zu Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen

11. September 2024

Die Ergebnisse der Wahlen in Sachsen und Thüringen sind bestürzend. Fast ein Drittel der Wähler:innen in Sachsen hat eine rechtsextreme Partei gewählt, zählt man die kleineren rechtsextremen Parteien wie den III. Weg oder die Freien Sachsen dazu, wird es mancherorts noch viel brauner. In Thüringen hat die AfD ihr bundesweites Rekordergebnis eingefahren. In manchen Teilen Sachsens und Thüringens haben die Menschen zur Hälfte Faschist:innen gewählt. Das ist kaum auszuhalten.

Die bundespolitische Lage hat den Wahlausgang bestimmt. Gegen diesen Trend konnten die SPD-Landesparteien mit richtigen Projekten wie dem Mindestvergabelohn von 15 Euro und kostenlosem Mittagessen für Kinder nicht viel ausrichten. In Sachsen erzielte Petra Köpping ein besseres Ergebnis als erwartet. In Thüringen konnte die SPD ihre Kernwählerschaft mobilisieren. Die Prognosen, sie könne an der 5-Prozent-Hürde scheitern, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Wir danken unseren Genoss:innen in Thüringen und Sachsen für ihr unermüdliches Engagement.

Ein zentrales Wahlkampfthema war die Frage nach Krieg und Frieden. Hier haben BSW und AfD mit populistischen Positionen gepunktet. Wir brauchen eine SPD im Bund, die den Menschen glaubhaft alle Bemühungen für einen echten und dauerhaften Frieden in der Ukraine deutlich macht. Wir stehen in der Sozialdemokratie in der Tradition einer nachhaltigen Friedenspolitik an der Seite der Menschen.

Für die kommenden Bundestagswahlen muss die SPD mit Empathie und sozialen Themen wie Umverteilung und einem starken Sozialstaates nach vorne gehen. Abwehrende Migrationsdebatten auf dem Rücken der Schwächsten nützen nur den rechten und populistischen Kräften. Das haben diese Wahlen gezeigt. Die Antwort auf die Wahlen im Osten muss eine konsequente, solidarische und linke Politik sein.

Solidarische Antworten statt falscher Symbolhandlungen

31. August 2024

Nachdem das Solinger Stadtfest „Festival der Vielfalt“ Ziel eines abscheulichen islamistischen Attentats und drei Menschen ermordet wurden, will die Bundesregierung als Reaktion darauf ein Maßnahmenpaket auf den Weg bringen. Währenddessen tobt eine Überbietungsschlacht darum, wer härter und konsequenter abschieben will.

Auch das neue Maßnahmenpaket enthält eine Reihe von migrationspolitischen Maßnahmen, die teilweise sehr fragwürdig sind. So sollen beispielsweise „Dublin-Flüchtlinge“, also Geflüchtete, die zuvor in einem anderen EU-Land registriert wurden, keine Leistungen mehr erhalten. Nach dem Dublin-System ist der EU-Staat für Asylanträge zuständig, in dem der Antragsteller zuerst EU-Boden betritt. Bei diesen Erstaufnahmeländern handelt es sich häufig um Mittelmeerstaaten wie Griechenland, Italien und Spanien, zu denen Probleme damit verschoben werden sollen.

Schon kurze Zeit nach der Ankündigung von Innenministerin Nancy Faeser, es solle „sehr bald“ Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern nach Syrien und Afghanistan geben, erfolgte eine erste Abschiebung nach Afghanistan. Diese Länder sind jedoch nach wie vor unsichere Länder, in denen Menschen gefoltert und getötet und Menschenrechte missachtet werden. Asyl ist und bleibt ein unveräußerliches Menschenrecht, das man nicht verwirken kann.

Der Ruf nach Abschiebungen ist der Reflex zu symbolischem Handeln. Was wirklich gegen islamistische Terror-Attentate hilft, sind präventive Maßnahmen wie Aufklärung, Bildung und Integration. Stattdessen plant die Bundesregierung, die Gelder für Integrationskurse zu halbieren. Auch bei der Bekämpfung von Fluchtursachen wird massiv gespart. Gleichzeitig finden (indirekte) Verhandlungen mit den Taliban oder dem Assad-Regime statt, deretwegen die Menschen ihre Heimatländer an erster Stelle verlassen müssen.

Die aktuellen Vorschläge zur Streichung von Leistungen für bestimmte Asylsuchende sind aus unserer Sicht absehbar verfassungswidrig. Das zugrunde liegende Kalkül, dass Geflüchtete von selbst zurückgehen, wenn die Bedingungen hier nur schlecht genug sind, wird nicht aufgehen. Menschen flüchten, weil sie ihr Leben schützen wollen. Das werden sie weiterhin tun.

Das Forum DL21 – die Linke in der SPD warnt vor einer Militarisierung der Politik – Nein zur Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen

23. August 2024

Der Nato-Gipfel, der vom 8. bis 11. Juli 2024 anlässlich des 75. Bestehens des Militärpaktes in Washington stattfand, hat die Weichen noch stärker für eine Militarisierung der internationalen Politik gestellt, die zu einer verhängnisvollen Sackgasse zu werden droht. Dass die unmittelbare Kriegsschuld Russlands außer Frage steht, ändert nichts daran, dass es zuerst um den Frieden gehen muss. In der EU muss die Diplomatie gestärkt werden und nicht die Dominanz des Militärischen. Das heißt, dass auch Russland sich an den Verhandlungstisch begeben muss, was wiederum Druck aus China auf Moskau erfordert.

Die SPD-Linke erinnert daran: Als es 1968 zur Niederschlagung des Prager Frühlings kam, wurde der damalige Bundesaußenminister Willy Brandt angesichts der neuen Konfrontation aufgefordert, seine Bemühungen um eine Entspannungspolitik zu beenden. Brandt antwortete im Bundestag, dass gerade der Versuch, neues Vertrauen und Formen der Kooperation zu schaffen, umso wichtiger sei. Das gilt auch heute, wo die Gefahr eines großen Krieges in Europa wieder zu einer denkbaren Zukunft zu werden droht.

Krieg ist unmenschlich. Wir wissen aus den Katastrophen der beiden Weltkriege: Krieg kennt keine Grenzen in sich. Daraus müssen wir lernen friedensfähig zu sein. Wir blicken mit großer Besorgnis auf die Militarisierung des Diskurses aus Teilen der Regierungs- wie der Oppositionsparteien.

Die SPD-Linke sagt Nein zur Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland, die sowohl konventionell als auch atomar bestückt werden können. Nicht dem Krieg, sondern dem Frieden muss der Weg bereitet werden. Das ist auch heute richtig.

Deshalb bedauern wir den Präsidiumsbeschluss der SPD zu den Nato-Beschlüssen. Er geht in eine falsche Richtung und ist nicht vereinbar mit der friedenspolitischen Tradition der Partei. Wir hätten uns im Vorfeld einer derart weitreichenden Entscheidung eine offene und kontroverse Debatte in der Partei und damit eine breitere demokratische Willensbildung gewünscht. Entscheidungen mit solch einer weitreichenden Signalwirkung müsse außerdem zwingend im Deutschen Bundestag diskutiert werden. Die moralische Instrumentalisierung von Kindern weisen wir zurück.

Die DL21 ruft dazu auf, sich zahlreich an den Veranstaltungen zum Antikriegstag sowie an der Friedensdemonstration am 3. Oktober 2024 in Berlin zu beteiligen, um starke Zeichen zu setzen.

Wir freuen uns, dass sich auch der Bundesvorstand der AG60+ der SPD unserem Aufruf angeschlossen hat.

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