Resolution: Das Jahrzehnt der Extreme – auf die SPD kommt es an

29. April 2022

Resolution zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine – 23. April 2022

DL 21

Das Jahrzehnt der Extreme – auf die SPD kommt es an 

Es ist wieder Krieg in Europa. Nicht der erste seit 1945, aber für viele der erschütterndste. Nie war seither das im Geiste des Friedens und Gewaltverzichts errichtete Völkerrecht in Europa so offenkundig allseitig verletzt, wuchs die Zahl der 5 Kriegsvertriebenen so stark.

Nie war die Gefahr einer alles zerstörenden atomaren Konfrontation seit 1990 so nah. Der Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine bringt Tod und Leid über Soldaten und Zivilist:innen. Er zerstört Lebensgrundlagen, vielfältige Verbindungen sowie politisches Vertrauen. Er ist deshalb unbedingt zu verurteilen.

Am 2. März 2022 verurteilte die UN-Vollversammlung den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wegen der massiven Verletzung der Charta der Vereinten Nationen mit 141 zu 5 Stimmen und forderte die Russische Föderation auf, sich unverzüglich und bedingungslos aus dem Land zurückzuziehen.
Die Not und das Leid des Krieges durch die Bombardierung von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und die Zerstörung von Wohnanlagen und Infrastruktur sind unermesslich. Tausende Menschen sterben, Millionen sind auf der Flucht. Unsere Solidarität gehört den Menschen in der Ukraine. Und natürlich den Geflüchteten. Wir danken allen Menschen in unserem Land, die den Geflüchteten helfen und ihre Situation ein Stück erträglicher machen.
Es ist ein Krieg, der mit konventionellen Waffen, aber unter dem russischen Atomschirm geführt wird. Auch deshalb muss jede weitere Eskalation verhindert werden und zeitgleich alles dafür getan werden, dass die Waffen schweigen.
DL 21 setzt sich dafür ein, dass die UN sofort mit beiden Seiten Verhandlungen über  den Waffenstillstand, Truppenrückzug und eine künftige Friedensordnung aufnimmt, bei denen es auch um den künftigen Status der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk sowie die Krim geht. Auch die OSZE und die Europäische Union sollen in die Verhandlungen einbezogen werden. Die Grundlage dafür hat der UN-Beschluss geschaffen.
Das Leitbild für die Verhandlungen ist die Idee der gemeinsamen Sicherheit, die 1982 von der Unabhängigen Kommission „Common Security“ unter der Leitung des  damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme den Vereinten Nationen  vorgelegt wurde. Die Empfehlungen des Berichts standen in einem engen  Zusammenhang mit den beiden anderen UN-Kommissionen „Gemeinsames Überleben“, der Nord-Süd-Bericht von Willy Brandt, und „Unsere Gemeinsame Zukunft“, der Brundtland-Bericht für eine nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind wichtige Grundlagen für eine friedliche, partnerschaftliche und nachhaltige Weltordnung.

Daran knüpft auch der Bericht „Gemeinsame Sicherheit 2022“ an, der am 21. April 2022 in Stockholm veröffentlicht wurde. In der Einleitung heißt es: „In Zeiten akuten Krisen muss es diejenigen geben, die nach vorne blicken und eine Vision von einer besseren Zukunft geben können.“ Der Bericht wendet sich gegen Aufrüstung und Abschreckung und setzt dagegen Gemeinsame Sicherheit, Nachhaltigkeit und Demokratie. Er bezieht auch soziale und ökologische Bedrohungen ein, die zum  Krieg führen können.

Wir stehen an einer Wegscheide, an der es entweder zu einer Militarisierung der  Welt und der Gefahr großer Kriege kommt oder zu einer Weltinnenpolitik, die von Abrüstung und der sozialen und ökologischen Gestaltung der globalen Transformation ausgeht. Die SPD muss hierbei die große Friedenspartei sein. Andernfalls wächst die Gefahr, dass uns, wie auch im Hamburger Grundsatzprogramm der SPD steht, ein Jahrhundert neuer Gewalt und erbitterter Verteilungskämpfe steht. Welche Zukunft eintritt, dafür werden heute die Weichen gestellt.

Deshalb lehnen wir die Erhöhung der Militärausgaben ab, ebenso die Einrichtung eines Sonderfonds für die Aufrüstung der Bundeswehr, der im Grundgesetz verankert wird. Die DL 21 kritisiert, dass der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit den Stimmen der Regierungsfraktion entgegen dem Parteitagsbeschluss der SPD der Anschaffung bewaffneter Drohnen zugestimmt hat. Die DL 21 verweist jedoch darauf, dass der Beschlusstext keinerlei Spielraum lässt, einen Einsatz ohne klar mandatierten Einsatzauftrag, Einsatzgebiet und die einzusetzen den Fähigkeiten durchzuführen. Die SPD-Fraktion wird angehalten, diesen Spielraum in Zukunft dafür zu nutzen, sich gegen den Einsatz bewaffneter Drohnen einzusetzen.

Ausdrücklich wenden wir uns auch gegen eine Fortführung der nuklearen Teilhabe.

Nichts kann und darf den Krieg rechtfertigen. Deshalb fordert die DL 21 heute umso mehr eine Politik, die sich an dem Leitbild der Gemeinsamen Sicherheit orientiert, ohne an der Aufrüstungsspirale zu schrauben.

Und nun?

Gegen die Logik des Krieges und der „Sicherheit durch Abschreckung“ muss eine weitsichtige Friedenslogik verfolgt werden.
Wir setzen uns daher dafür ein:
– Verhandeln jetzt! Es gibt nur eine Lösung über Verhandlungen, die von einem sofortigen Waffenstillstand flankiert werden und die eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur und Zusammenarbeit in Europa zum Ziel haben. Die UN und die OSZE sind aufgerufen, die Konfliktparteien jetzt an den Verhandlungstisch zu holen.

– Die russischen Truppen müssen abgezogen werden. Die staatliche Souveränität der Ukraine ist zu gewährleisten. Der Aggressor hat für die Kriegsschäden aufzukommen.
– Nach Abzug der russischen Armee muss auch die Mobilmachung der ukrainischen Truppen zurückgenommen werden. Paramilitärische Verbände müssen aufgelöst werden. Die Zivilbevölkerung muss überall Sicherheit haben.
– Internationale humanitäre Hilfe muss umfassend erfolgen.
– Allen Deserteuren aus Russland, Belarus und der Ukraine ist in der EU Schutz und Asyl zu gewähren.
– Auf Grundlage der SPD-Position, Waffenlieferungen in Kriegsgebiete abzulehnen,  beurteilen wir Waffenlieferungen weiterhin grundsätzlich kritisch.
Damit unterstützen wir, dass der Bundeskanzler und die SPD-Bundestagsfraktion in Bezug auf Waffenlieferungen in die Ukraine einen zurückhaltenden Kurs verfolgen können.
– Bei Sanktionen soll ihre Wirksamkeit dahingehend geprüft werden, ob sie wirklich die russische Führung als Verantwortliche für den Krieg treffen. Der Bevölkerung soll möglichst wenig Schaden entstehen. Sie sollen insbesondere nicht die weltweite Ernährungssicherheit gefährden und damit neue Gewaltkonflikte und Leiden hervorrufen.
– Abrüstung statt Aufrüstung! Hochrüstung für vermeintliche militärische Sicherheit hat Wettrüsten und Krieg verursacht, nicht den Frieden in Europa gesichert. Die Mittel müssen in die (globale) Bekämpfung des Klimawandels, den Aufbau eines bedarfsgerechten Gesundheitssystems, in Arbeit und Bildung für alle investiert werden. Nur Sicherheit für die Menschen ist wirkliche Sicherheit!
– Die nukleare Bedrohung muss aus der Welt geschafft werden! Das System nuklearer Rüstungskontrolle und Abrüstung muss wiederhergestellt und gestärkt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass der Atomwaffenverbotsvertrag überall Geltung erhält!
– Es muss eine allgemeine Friedensarchitektur (wieder-)errichtet werden, die die Interessen aller Staaten berücksichtigt.

Wir brauchen eine Perspektive, durch die eine auf Dauer gleiche, gemeinsame Sicherheit und Frieden in Europa gerichtete Politik wieder möglich ist. Eine solche Perspektive wollen wir als Forum DL21 in Diskussion mit unseren Bündnispartner:innen innerhalb und außerhalb der Partei in den nächsten Monaten erarbeiten und auf einer kommenden Tagung diskutieren und beschließen.

Begründung:

Der Krieg hat eine Vorgeschichte. Nichts kann diesen brutalen Krieg rechtfertigen, aber wir müssen fragen, wie es dazu kommen konnte, wie die Vorgeschichte aussah. Für welche Fehler müssen unschuldige Menschen in diesem Krieg mit ihrem Leben und ihrem Leid einen hohen Preis zahlen. Wir müssen aus den Fehlern lernen.
1990 wurde von 32 europäischen Staaten sowie den USA und Kanada die „Charta von Paris für ein Neues Europa“ beschlossen. Darin heißt es: „Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. Wir erklären, dass sich unsere Beziehungen künftig auf Achtung und Zusammenarbeit gründen werden.“

In demselben Jahr haben US-Außenminister Cyrus Vance, Bundeskanzler Helmut kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher Michail Gorbatschow versprochen, dass es nicht zur Osterweiterung der NATO kommen würde. Das wurde gebrochen, auch weil die USA die Doktrin eines konsequenten Unilateralismus verfolgt hat. Selbst die Ukraine hat wenig dafür getan, die Verträge von Minsk mit Leben zu erfüllen. Scharfmacher in Kiew haben die Abkommen nicht gewollt, nehmen ihr Zustandekommen sogar der deutschen und französischen Regierung übel.
Putin, der vor 15 Jahren nach Außen noch die Idee des gemeinsamen Hauses Europas vertrat, hat sich zu einem autoritären Herrscher und Kriegsverbrecher entwickelt. Er hat die nationalistischen Kräfte in den Isborsk- und Waldai-Klubs gefördert, die Verfassungsrechte eingeschränkt und einen Konflikt nach dem anderen angezettelt.

Die russische Führung hat 2008 einen Krieg in Georgien begonnen, in 2014 völkerrechtswidrig die Krim annektiert und mit seinem Eintritt in den syrischen Bürgerkrieg in 2015 nicht nur Machthaber Assad gestärkt, sondern auch die Zivilbevölkerung angegriffen.

Vor zwei Jahren hat Russland den Artikel 67 der Verfassung geändert und auf die „Ideale und den Glauben“ sowie „die Kontinuität in der Entwicklung des russischen Staates“ auf eine „tausendjährige Geschichte“ bezogen, deren Schutz zu gewährleisten ist.

Jetzt ist die russische Führung in einer Situation, in der sie nicht gewinnen kann, selbst wenn sie militärisch siegen würde. Der Krieg hinterlässt eine Ukraine der Zerstörung und Stagnation. Putin hat aus den Kriegen der letzten Jahrzehnte nichts gelernt.

Antrag: Demokratische Mitbestimmung in Betrieben ist mehr – Repressionen gegen Betriebsratsgründung und demokratische Mitbestimmung konsequent verfolgen

29. April 2022

Forum DL21 e.V. – Frühjahrstagung 2022 – Dringlichkeitsantrag

Demokratische Mitbestimmung in Betrieben ist mehr – Repressionen gegen Betriebsratsgründung und demokratische Mitbestimmung konsequent verfolgen

 

Die Mitgliederversammlung möge beschließen:

Das Forum DL21 e.V. verurteilt die Einschüchterungs- und Unterbindungsversuche der Betriebsratsgründung in der Aldi-Regionalgesellschaft Dormagen durch Filialleitungs- und Managementpersonal von Aldi Süd und solidarisiert sich mit allen Beschäftigten, die sich für eine bessere Mitbestimmung und die Gründung eines Betriebsrates einsetzen. Das Forum DL 21 e.V. unterstreicht die Unverletzlichkeit der Arbeitnehmer:innenrechte, die durch das Betriebsverfassungsgesetz garantiert werden.

1. Das Forum DL 21 e.V. fordert den Koordinierungsrat von Aldi Süd und insbesondere deren Leitung Matthew Barnes und Thomas Ziegler auf, die langjährige Praxis der Unterbindung und Schikane von Betriebsratsgründungen durch Repressionen im Unternehmen unverzüglich zu beenden.

2. Vor dem Hintergrund der repressiven Unternehmenspraxis von Aldi Süd gegenüber Betriebsräten und deren Gründung bittet das Forum DL 21 e.V. die SPD-Bundestagsfraktion um eine zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Einstufung der Behinderung der demokratischen Mitbestimmung in Betrieben als Offizialdelikt.

Begründung
Am 14. April 2022 wurde die Wahl eines Wahlvorstands für einen Betriebsrat bei der Aldi-Regionalgesellschaft Dormagen durch Filialleitungs- und Managementpersonal von Aldi Süd massiv gestört und letztendlich unterbunden. Dies stellt einen eklatanten Bruch mit den gesetzlich zugesicherten Arbeitnehmer:innenrechte zur Gründung eines Betriebsrats da und reiht sich leider in eine lange Tradition betriebsratsfeindlicher Unternehmenskultur bei Aldi Süd ein.

Die demokratische Mitbestimmung in Betrieb ist zentral für die Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen und bietet die beste Chance, dass Beschäftigte vor Ort für ihre Rechte einstehen können. Der Kampf für Arbeitsrechte ist elementarer Bestandteil der sozialdemokratischen Tradition und der Angriff und die Unterbindung auf demokratische Mitbestimmung im Betrieb signalisiert den direkten Bruch mit allem, wofür die Sozialdemokratie in Deutschland eintritt.

Neben der uneingeschränkten Solidarität für die Beschäftigten, die unter diesen Repressalien leiden, muss es Hauptaufgabe der Sozialdemokratie sein, dass ein solches Vorgehen konsequent bestraft werden kann. Es ist deshalb ein wichtiges Zeichen, nicht nur an das Management von Aldi Süd, wenn die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einstufung der Behinderung der demokratischen Mitbestimmung in Betrieben als Offizialdelikt so schnell wie möglich umgesetzt wird. Jedem Arbeitgeber, der gegen Betriebsräte oder deren Gründung vorgeht, muss klar werden, dass dieses Handeln strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Antrag: Lasten gemeinsam und gerecht tragen! Solidarität aller! Solidarität jetzt!

29. April 2022

Antrag der DL21 Bayern (Antragsteller)

Adressaten: Mitgliederversammlung der DL21 (Adressat)Und wegen der Dringlichkeit an die Bundestagsabgeordneten in der DL21

Lasten gemeinsam und gerecht tragen! Solidarität aller! Solidarität jetzt!

Um die großen Lasten, die jetzt auf uns zukommen, gemeinsam schultern zu können, fordern wir dringend die Einführung einer Solidarabgabe und einer Solidarsteuer auf große Vermögen.

Wir fordern jetzt über die gerechte Lastenverteilung zu beraten und zu beschließen!

Begründung:

Wir gehen in eine Zeit gewaltiger Herausforderungen. Als Zeitenwende und Paradigmenwechsel beschreiben wir sie. Denn es kommt viel zusammen:

• Wir haben die Folgen der Pandemie noch nicht bewältigt.
• Wir brauchen einen tiefen sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft.
• Ausgelöst durch den Krieg durch die russische Führung kommen gewaltige Lasten und Belastungen auf uns zu.

Die Größenordnungen beginnen wir erst zu ahnen. Dies wird staatliches Handeln fordern, das, auch finanziell, weit über unsere bisherigen Vorstellungen hinausgeht. Und das wird uns auch persönliche Opfer abverlangen. Diese Opfer werden normale Menschen, und ganz besonders die ärmeren, weitaus härter treffen als die Besitzer großer Vermögen. Schon bisher musste die Mehrheit, die kaum Vermögen besitzt, die Hauptlast tragen und Einschränkungen hinnehmen. Die großen Vermögen konnten weiterwachsen und blieben weiterhin verschont.

Das darf so nicht bleiben! Mehr denn je kommt es jetzt darauf an, die anstehenden Lasten gerecht auf alle Schultern zu verteilen. Auch die großen Vermögen müssen bereit sein, ihren Anteil an unseren gemeinsamen Lasten zu schultern.

In dieser Lage darf die FDP eine stärkere Besteuerung großer Vermögen nicht länger blockieren.

Wir fordern sie auf, sich ihrer Verantwortung für den sozialen Zusammenhalt zu stellen. Wenn nicht jetzt, wann dann!

Antrag: Demokratische Mitbestimmung in Betrieben ist mehr – Repressionen gegen Betriebsratsgründung und demokratische Mitbestimmung konsequent verfolgen

29. April 2022

Forum DL21 e.V. – Frühjahrstagung 2022 – Dringlichkeitsantrag

Demokratische Mitbestimmung in Betrieben ist mehr – Repressionen gegen Betriebsratsgründung und demokratische Mitbestimmung konsequent verfolgen

 

Die Mitgliederversammlung möge beschließen:

Das Forum DL21 e.V. verurteilt die Einschüchterungs- und Unterbindungsversuche der Betriebsratsgründung in der Aldi-Regionalgesellschaft Dormagen durch Filialleitungs- und Managementpersonal von Aldi Süd und solidarisiert sich mit allen Beschäftigten, die sich für eine bessere Mitbestimmung und die Gründung eines Betriebsrates einsetzen. Das Forum DL 21 e.V. unterstreicht die Unverletzlichkeit der Arbeitnehmer:innenrechte, die durch das Betriebsverfassungsgesetz garantiert werden.

1. Das Forum DL 21 e.V. fordert den Koordinierungsrat von Aldi Süd und insbesondere deren Leitung Matthew Barnes und Thomas Ziegler auf, die langjährige Praxis der Unterbindung und Schikane von Betriebsratsgründungen durch Repressionen im Unternehmen unverzüglich zu beenden.

2. Vor dem Hintergrund der repressiven Unternehmenspraxis von Aldi Süd gegenüber Betriebsräten und deren Gründung bittet das Forum DL 21 e.V. die SPD-Bundestagsfraktion um eine zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Einstufung der Behinderung der demokratischen Mitbestimmung in Betrieben als Offizialdelikt.

Begründung
Am 14. April 2022 wurde die Wahl eines Wahlvorstands für einen Betriebsrat bei der Aldi-Regionalgesellschaft Dormagen durch Filialleitungs- und Managementpersonal von Aldi Süd massiv gestört und letztendlich unterbunden. Dies stellt einen eklatanten Bruch mit den gesetzlich zugesicherten Arbeitnehmer:innenrechte zur Gründung eines Betriebsrats da und reiht sich leider in eine lange Tradition betriebsratsfeindlicher Unternehmenskultur bei Aldi Süd ein.

Die demokratische Mitbestimmung in Betrieb ist zentral für die Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen und bietet die beste Chance, dass Beschäftigte vor Ort für ihre Rechte einstehen können. Der Kampf für Arbeitsrechte ist elementarer Bestandteil der sozialdemokratischen Tradition und der Angriff und die Unterbindung auf demokratische Mitbestimmung im Betrieb signalisiert den direkten Bruch mit allem, wofür die Sozialdemokratie in Deutschland eintritt.

Neben der uneingeschränkten Solidarität für die Beschäftigten, die unter diesen Repressalien leiden, muss es Hauptaufgabe der Sozialdemokratie sein, dass ein solches Vorgehen konsequent bestraft werden kann. Es ist deshalb ein wichtiges Zeichen, nicht nur an das Management von Aldi Süd, wenn die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einstufung der Behinderung der demokratischen Mitbestimmung in Betrieben als Offizialdelikt so schnell wie möglich umgesetzt wird. Jedem Arbeitgeber, der gegen Betriebsräte oder deren Gründung vorgeht, muss klar werden, dass dieses Handeln strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Resolution: Das Jahrzehnt der Extreme – auf die SPD kommt es an

29. April 2022

Resolution zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine – 23. April 2022

DL 21

Das Jahrzehnt der Extreme – auf die SPD kommt es an 

Es ist wieder Krieg in Europa. Nicht der erste seit 1945, aber für viele der erschütterndste. Nie war seither das im Geiste des Friedens und Gewaltverzichts errichtete Völkerrecht in Europa so offenkundig allseitig verletzt, wuchs die Zahl der 5 Kriegsvertriebenen so stark.

Nie war die Gefahr einer alles zerstörenden atomaren Konfrontation seit 1990 so nah. Der Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine bringt Tod und Leid über Soldaten und Zivilist:innen. Er zerstört Lebensgrundlagen, vielfältige Verbindungen sowie politisches Vertrauen. Er ist deshalb unbedingt zu verurteilen.

Am 2. März 2022 verurteilte die UN-Vollversammlung den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wegen der massiven Verletzung der Charta der Vereinten Nationen mit 141 zu 5 Stimmen und forderte die Russische Föderation auf, sich unverzüglich und bedingungslos aus dem Land zurückzuziehen.
Die Not und das Leid des Krieges durch die Bombardierung von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und die Zerstörung von Wohnanlagen und Infrastruktur sind unermesslich. Tausende Menschen sterben, Millionen sind auf der Flucht. Unsere Solidarität gehört den Menschen in der Ukraine. Und natürlich den Geflüchteten. Wir danken allen Menschen in unserem Land, die den Geflüchteten helfen und ihre Situation ein Stück erträglicher machen.
Es ist ein Krieg, der mit konventionellen Waffen, aber unter dem russischen Atomschirm geführt wird. Auch deshalb muss jede weitere Eskalation verhindert werden und zeitgleich alles dafür getan werden, dass die Waffen schweigen.
DL 21 setzt sich dafür ein, dass die UN sofort mit beiden Seiten Verhandlungen über  den Waffenstillstand, Truppenrückzug und eine künftige Friedensordnung aufnimmt, bei denen es auch um den künftigen Status der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk sowie die Krim geht. Auch die OSZE und die Europäische Union sollen in die Verhandlungen einbezogen werden. Die Grundlage dafür hat der UN-Beschluss geschaffen.
Das Leitbild für die Verhandlungen ist die Idee der gemeinsamen Sicherheit, die 1982 von der Unabhängigen Kommission „Common Security“ unter der Leitung des  damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme den Vereinten Nationen  vorgelegt wurde. Die Empfehlungen des Berichts standen in einem engen  Zusammenhang mit den beiden anderen UN-Kommissionen „Gemeinsames Überleben“, der Nord-Süd-Bericht von Willy Brandt, und „Unsere Gemeinsame Zukunft“, der Brundtland-Bericht für eine nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind wichtige Grundlagen für eine friedliche, partnerschaftliche und nachhaltige Weltordnung.

Daran knüpft auch der Bericht „Gemeinsame Sicherheit 2022“ an, der am 21. April 2022 in Stockholm veröffentlicht wurde. In der Einleitung heißt es: „In Zeiten akuten Krisen muss es diejenigen geben, die nach vorne blicken und eine Vision von einer besseren Zukunft geben können.“ Der Bericht wendet sich gegen Aufrüstung und Abschreckung und setzt dagegen Gemeinsame Sicherheit, Nachhaltigkeit und Demokratie. Er bezieht auch soziale und ökologische Bedrohungen ein, die zum  Krieg führen können.

Wir stehen an einer Wegscheide, an der es entweder zu einer Militarisierung der  Welt und der Gefahr großer Kriege kommt oder zu einer Weltinnenpolitik, die von Abrüstung und der sozialen und ökologischen Gestaltung der globalen Transformation ausgeht. Die SPD muss hierbei die große Friedenspartei sein. Andernfalls wächst die Gefahr, dass uns, wie auch im Hamburger Grundsatzprogramm der SPD steht, ein Jahrhundert neuer Gewalt und erbitterter Verteilungskämpfe steht. Welche Zukunft eintritt, dafür werden heute die Weichen gestellt.

Deshalb lehnen wir die Erhöhung der Militärausgaben ab, ebenso die Einrichtung eines Sonderfonds für die Aufrüstung der Bundeswehr, der im Grundgesetz verankert wird. Die DL 21 kritisiert, dass der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit den Stimmen der Regierungsfraktion entgegen dem Parteitagsbeschluss der SPD der Anschaffung bewaffneter Drohnen zugestimmt hat. Die DL 21 verweist jedoch darauf, dass der Beschlusstext keinerlei Spielraum lässt, einen Einsatz ohne klar mandatierten Einsatzauftrag, Einsatzgebiet und die einzusetzen den Fähigkeiten durchzuführen. Die SPD-Fraktion wird angehalten, diesen Spielraum in Zukunft dafür zu nutzen, sich gegen den Einsatz bewaffneter Drohnen einzusetzen.

Ausdrücklich wenden wir uns auch gegen eine Fortführung der nuklearen Teilhabe.

Nichts kann und darf den Krieg rechtfertigen. Deshalb fordert die DL 21 heute umso mehr eine Politik, die sich an dem Leitbild der Gemeinsamen Sicherheit orientiert, ohne an der Aufrüstungsspirale zu schrauben.

Und nun?

Gegen die Logik des Krieges und der „Sicherheit durch Abschreckung“ muss eine weitsichtige Friedenslogik verfolgt werden.
Wir setzen uns daher dafür ein:
– Verhandeln jetzt! Es gibt nur eine Lösung über Verhandlungen, die von einem sofortigen Waffenstillstand flankiert werden und die eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur und Zusammenarbeit in Europa zum Ziel haben. Die UN und die OSZE sind aufgerufen, die Konfliktparteien jetzt an den Verhandlungstisch zu holen.

– Die russischen Truppen müssen abgezogen werden. Die staatliche Souveränität der Ukraine ist zu gewährleisten. Der Aggressor hat für die Kriegsschäden aufzukommen.
– Nach Abzug der russischen Armee muss auch die Mobilmachung der ukrainischen Truppen zurückgenommen werden. Paramilitärische Verbände müssen aufgelöst werden. Die Zivilbevölkerung muss überall Sicherheit haben.
– Internationale humanitäre Hilfe muss umfassend erfolgen.
– Allen Deserteuren aus Russland, Belarus und der Ukraine ist in der EU Schutz und Asyl zu gewähren.
– Auf Grundlage der SPD-Position, Waffenlieferungen in Kriegsgebiete abzulehnen,  beurteilen wir Waffenlieferungen weiterhin grundsätzlich kritisch.
Damit unterstützen wir, dass der Bundeskanzler und die SPD-Bundestagsfraktion in Bezug auf Waffenlieferungen in die Ukraine einen zurückhaltenden Kurs verfolgen können.
– Bei Sanktionen soll ihre Wirksamkeit dahingehend geprüft werden, ob sie wirklich die russische Führung als Verantwortliche für den Krieg treffen. Der Bevölkerung soll möglichst wenig Schaden entstehen. Sie sollen insbesondere nicht die weltweite Ernährungssicherheit gefährden und damit neue Gewaltkonflikte und Leiden hervorrufen.
– Abrüstung statt Aufrüstung! Hochrüstung für vermeintliche militärische Sicherheit hat Wettrüsten und Krieg verursacht, nicht den Frieden in Europa gesichert. Die Mittel müssen in die (globale) Bekämpfung des Klimawandels, den Aufbau eines bedarfsgerechten Gesundheitssystems, in Arbeit und Bildung für alle investiert werden. Nur Sicherheit für die Menschen ist wirkliche Sicherheit!
– Die nukleare Bedrohung muss aus der Welt geschafft werden! Das System nuklearer Rüstungskontrolle und Abrüstung muss wiederhergestellt und gestärkt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass der Atomwaffenverbotsvertrag überall Geltung erhält!
– Es muss eine allgemeine Friedensarchitektur (wieder-)errichtet werden, die die Interessen aller Staaten berücksichtigt.

Wir brauchen eine Perspektive, durch die eine auf Dauer gleiche, gemeinsame Sicherheit und Frieden in Europa gerichtete Politik wieder möglich ist. Eine solche Perspektive wollen wir als Forum DL21 in Diskussion mit unseren Bündnispartner:innen innerhalb und außerhalb der Partei in den nächsten Monaten erarbeiten und auf einer kommenden Tagung diskutieren und beschließen.

Begründung:

Der Krieg hat eine Vorgeschichte. Nichts kann diesen brutalen Krieg rechtfertigen, aber wir müssen fragen, wie es dazu kommen konnte, wie die Vorgeschichte aussah. Für welche Fehler müssen unschuldige Menschen in diesem Krieg mit ihrem Leben und ihrem Leid einen hohen Preis zahlen. Wir müssen aus den Fehlern lernen.
1990 wurde von 32 europäischen Staaten sowie den USA und Kanada die „Charta von Paris für ein Neues Europa“ beschlossen. Darin heißt es: „Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. Wir erklären, dass sich unsere Beziehungen künftig auf Achtung und Zusammenarbeit gründen werden.“

In demselben Jahr haben US-Außenminister Cyrus Vance, Bundeskanzler Helmut kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher Michail Gorbatschow versprochen, dass es nicht zur Osterweiterung der NATO kommen würde. Das wurde gebrochen, auch weil die USA die Doktrin eines konsequenten Unilateralismus verfolgt hat. Selbst die Ukraine hat wenig dafür getan, die Verträge von Minsk mit Leben zu erfüllen. Scharfmacher in Kiew haben die Abkommen nicht gewollt, nehmen ihr Zustandekommen sogar der deutschen und französischen Regierung übel.
Putin, der vor 15 Jahren nach Außen noch die Idee des gemeinsamen Hauses Europas vertrat, hat sich zu einem autoritären Herrscher und Kriegsverbrecher entwickelt. Er hat die nationalistischen Kräfte in den Isborsk- und Waldai-Klubs gefördert, die Verfassungsrechte eingeschränkt und einen Konflikt nach dem anderen angezettelt.

Die russische Führung hat 2008 einen Krieg in Georgien begonnen, in 2014 völkerrechtswidrig die Krim annektiert und mit seinem Eintritt in den syrischen Bürgerkrieg in 2015 nicht nur Machthaber Assad gestärkt, sondern auch die Zivilbevölkerung angegriffen.

Vor zwei Jahren hat Russland den Artikel 67 der Verfassung geändert und auf die „Ideale und den Glauben“ sowie „die Kontinuität in der Entwicklung des russischen Staates“ auf eine „tausendjährige Geschichte“ bezogen, deren Schutz zu gewährleisten ist.

Jetzt ist die russische Führung in einer Situation, in der sie nicht gewinnen kann, selbst wenn sie militärisch siegen würde. Der Krieg hinterlässt eine Ukraine der Zerstörung und Stagnation. Putin hat aus den Kriegen der letzten Jahrzehnte nichts gelernt.

Antrag: Lasten gemeinsam und gerecht tragen! Solidarität aller! Solidarität jetzt!

29. April 2022

Antrag der DL21 Bayern (Antragsteller)

Adressaten: Mitgliederversammlung der DL21 (Adressat)Und wegen der Dringlichkeit an die Bundestagsabgeordneten in der DL21

Lasten gemeinsam und gerecht tragen! Solidarität aller! Solidarität jetzt!

Um die großen Lasten, die jetzt auf uns zukommen, gemeinsam schultern zu können, fordern wir dringend die Einführung einer Solidarabgabe und einer Solidarsteuer auf große Vermögen.

Wir fordern jetzt über die gerechte Lastenverteilung zu beraten und zu beschließen!

Begründung:

Wir gehen in eine Zeit gewaltiger Herausforderungen. Als Zeitenwende und Paradigmenwechsel beschreiben wir sie. Denn es kommt viel zusammen:

• Wir haben die Folgen der Pandemie noch nicht bewältigt.
• Wir brauchen einen tiefen sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft.
• Ausgelöst durch den Krieg durch die russische Führung kommen gewaltige Lasten und Belastungen auf uns zu.

Die Größenordnungen beginnen wir erst zu ahnen. Dies wird staatliches Handeln fordern, das, auch finanziell, weit über unsere bisherigen Vorstellungen hinausgeht. Und das wird uns auch persönliche Opfer abverlangen. Diese Opfer werden normale Menschen, und ganz besonders die ärmeren, weitaus härter treffen als die Besitzer großer Vermögen. Schon bisher musste die Mehrheit, die kaum Vermögen besitzt, die Hauptlast tragen und Einschränkungen hinnehmen. Die großen Vermögen konnten weiterwachsen und blieben weiterhin verschont.

Das darf so nicht bleiben! Mehr denn je kommt es jetzt darauf an, die anstehenden Lasten gerecht auf alle Schultern zu verteilen. Auch die großen Vermögen müssen bereit sein, ihren Anteil an unseren gemeinsamen Lasten zu schultern.

In dieser Lage darf die FDP eine stärkere Besteuerung großer Vermögen nicht länger blockieren.

Wir fordern sie auf, sich ihrer Verantwortung für den sozialen Zusammenhalt zu stellen. Wenn nicht jetzt, wann dann!

Musterantrag – Sozialdemokratische Außenpolitik ist, ohne Wenn und Aber, immer Friedenspolitik!

24. März 2022

Der Ortsverein/Kreisverband möge beschließen und an Landesvorstand und Bundestagsfraktion weiterleiten:

  1. Der Ortsverein/Kreisverband solidarisiert sich mit den Menschen in der Ukraine, die dem am 24. Februar 2022 begonnen russischen Angriffskrieg mit Einsatz ihres Lebens Widerstand leisten und verurteilt die Aggression seitens der russischen Staatsspitze.
  2. Der Ortsverein/Kreisverband solidarisiert sich mit den Menschen, die gegenwärtig in Russland trotz drastischer Repressionen gegen den menschenverachtenden Krieg Wladimir Putins und für einen sofortigen Frieden demonstrieren.
  3. Der Ortsverein/Kreisverband unterstützt die angekündigten bzw. laufenden humanitären Hilfeleistungen für die Ukraine seitens der Bundesregierung.
  4. Der Ortsverein/Kreisverband fordert die Bundestagsfraktion auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, die zu einem Ende des Krieges und einer gemeinsamen Perspektive für einen dauerhaften Frieden in führt.

Vor dem Hintergrund der Erosion der internationalen Friedens- und Sicherheitsordnung stellt der Ortsverein/Kreisverband fest:

  1. Der Ortsverein/Kreisverband unterstreicht die grundsätzlichen Werte der SPD als Friedenspartei in Deutschland, die für internationale Solidarität und Frieden einsteht.
  2. Der Ortsverein/Kreisverband begrüßt die Bemühungen der SPD-geführten Bundesregierung auch nach dem Angriff auf die Ukraine weiter für Verhandlungen und Beilegung des Konflikts einzustehen.
  3. Auch in einer so dramatischen Situation darf es keine vollständige Umkehr der friedenspolitischen Grundeinstellung der Partei geben. Die angekündigte Aufrüstung der Bundeswehr durch ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro hilft keinem Menschen in der Ukraine, sondern trägt zu einem weltweiten Wettrüsten bei. Das steht nicht im Einklang mit einer sozialdemokratischen Friedenspolitik.
  4. Der Ortsverein/Kreisverband spricht sich für höhere Investitionen in die soziale Infrastruktur, in Bildungseinrichtungen, das Gesundheitssystem und die Bekämpfung des Klimawandels durch die Bundesregierung aus.

Begründung

Seit dem 24. Februar 2022 führt die russische Staatsspitze unter Wladimir Putin einen völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dieser gravierende Bruch mit der internationalen Friedensordnung ist durch nichts zu rechtfertigen.

Die internationale Staatengemeinschaft und die deutsche Bundesregierung haben geschlossen auf diesen Kriegsakt reagiert. Die angekündigten Sanktionen gegen Russland werden harte Konsequenzen für die Menschen in Russland, aber auch in Europa nach sich ziehen. Trotz aller Vorbereitungen sind besonders ärmere Menschen von den Sanktionen und ihren direkten wie indirekten Auswirkungen überproportional betroffen. Wir sprechen uns ohne Vorbehalte dafür aus, jegliche humanitäre Hilfe zu leisten für die Menschen, die aufgrund des Krieges fliehen müssen.

Wir brauchen aber neben der sofortigen Hilfe für die Menschen, die aufgrund des Krieges in der Ukraine leiden auch eine breite Debatte in der Gesellschaft und in der Partei führen, wie wir in Europa zu einer dauerhaften Friedensordnung zurückkehren. In dieser Debatte muss sich die SPD ihrer historisch gewachsenen Werte als Friedenspartei in Deutschland treu bleiben. Sozialdemokratische Außenpolitik ist immer Friedenspolitik, ohne Wenn und Aber. So heißt es in der Präambel unseres Organisationsstatuts: „Die SPD ist eine demokratische Volkspartei. Sie vereinigt Menschen verschiedener Glaubens- und Denkrichtungen, die sich zu Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, zur gesellschaftlichen Gleichheit von Mann und Frau und zur Bewahrung der natürlichen Umwelt bekennen.“ (Präambel des Organisationsstatuts der SPD)

Auch in unserem Hamburger Grundsatzprogramm haben wir uns als Partei klar für den Frieden als oberstes Ziel der deutschen Außenpolitik ausgesprochen: „Die internationale Politik der deutschen Sozialdemokratie dient dem Ziel, Konflikte zu verhindern und Frieden zu schaffen. Unsere Prinzipien dafür sind Verständigung, internationale Solidarität und gemeinsame Sicherheit durch Kooperation. Wir setzen auf die Überzeugung, dass Macht dem Recht untergeordnet werden muss.“ (Hamburger Grundsatzprogramm, S. 19)

Wir haben in der Bundestagswahl 2021 auch deshalb Wählerinnen und Wähler überzeugt, weil wir klar benannt haben, dass die SPD alles für den Frieden in Europa und der Welt unternehmen wird: „Als die Friedenspartei in Deutschland setzen wir auf Diplomatie und Dialog, auf zivile Krisenprävention und Friedensförderung, auf Abrüstung und Rüstungskontrolle sowie internationale Zusammenarbeit.“ (Zukunftsprogramm der SPD, S. 61)

Eine sozialdemokratische Außenpolitik ist nicht naiv, nur weil sie den Frieden und dessen Wahrung als oberstes Ziel festsetzt. Auf den Angriff auf die Ukraine mit einer derart massiven Aufrüstung zu antworten ist nicht der richtige Weg für die Sozialdemokratie. Aufrüstung führt weder zu mehr Frieden noch zu mehr Gerechtigkeit und verbaut Lösungswege zu einer verteilungsrechteren, nachhaltigen Antwort auf die globalen Herausforderungen der Menschheit, Klimawandel, Zerstörung von Natur und Umwelt.

Eine massive Aufrüstung der Bundeswehr würde bei gleichbleibendem fiskalischen Rahmen und dem Beharren auf der Schuldenbremse noch mehr dazu führen, dass für wichtige Projekte der Sozial-, Arbeits-, Bildungs- und Klimapolitik weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Als SPD können wir es nicht akzeptieren, dass unter anderem die Einführung des Bürgergeldes, die ökologische Transformation der deutschen Wirtschaft und eine ambitionierte Klimapolitik, dass die Kindergrundsicherung, die Reform des BAFöG und die zusätzlichen Investitionsmittel in Bildung des Bundes zurückgestellt werden oder drastisch gekürzt werden, weil wir massiv in neues Kriegsgerät investieren.

Die SPD ist die Friedenspartei in Deutschland. Dies ist Teil der sozialdemokratischen Identität. Wir sind als Friedenspartei nicht naiv oder unzuverlässig für unsere internationalen Partner und ebenso versperren wir uns nicht vor einer kritischen Reflexion der Außenpolitik Deutschlands. Unser Ziel muss aber jetzt erst recht sein, für vertrauensbildende Maßnahmen in Europa, Verständigung aller und Zusammenarbeit der Staaten und Regierungen, damit Kriege materiell unmöglich werden.

 

Musterantrag – Sozialdemokratische Außenpolitik ist, ohne Wenn und Aber, immer Friedenspolitik!

24. März 2022

Der Ortsverein/Kreisverband möge beschließen und an Landesvorstand und Bundestagsfraktion weiterleiten:

  1. Der Ortsverein/Kreisverband solidarisiert sich mit den Menschen in der Ukraine, die dem am 24. Februar 2022 begonnen russischen Angriffskrieg mit Einsatz ihres Lebens Widerstand leisten und verurteilt die Aggression seitens der russischen Staatsspitze.
  2. Der Ortsverein/Kreisverband solidarisiert sich mit den Menschen, die gegenwärtig in Russland trotz drastischer Repressionen gegen den menschenverachtenden Krieg Wladimir Putins und für einen sofortigen Frieden demonstrieren.
  3. Der Ortsverein/Kreisverband unterstützt die angekündigten bzw. laufenden humanitären Hilfeleistungen für die Ukraine seitens der Bundesregierung.
  4. Der Ortsverein/Kreisverband fordert die Bundestagsfraktion auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, die zu einem Ende des Krieges und einer gemeinsamen Perspektive für einen dauerhaften Frieden in führt.

Vor dem Hintergrund der Erosion der internationalen Friedens- und Sicherheitsordnung stellt der Ortsverein/Kreisverband fest:

  1. Der Ortsverein/Kreisverband unterstreicht die grundsätzlichen Werte der SPD als Friedenspartei in Deutschland, die für internationale Solidarität und Frieden einsteht.
  2. Der Ortsverein/Kreisverband begrüßt die Bemühungen der SPD-geführten Bundesregierung auch nach dem Angriff auf die Ukraine weiter für Verhandlungen und Beilegung des Konflikts einzustehen.
  3. Auch in einer so dramatischen Situation darf es keine vollständige Umkehr der friedenspolitischen Grundeinstellung der Partei geben. Die angekündigte Aufrüstung der Bundeswehr durch ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro hilft keinem Menschen in der Ukraine, sondern trägt zu einem weltweiten Wettrüsten bei. Das steht nicht im Einklang mit einer sozialdemokratischen Friedenspolitik.
  4. Der Ortsverein/Kreisverband spricht sich für höhere Investitionen in die soziale Infrastruktur, in Bildungseinrichtungen, das Gesundheitssystem und die Bekämpfung des Klimawandels durch die Bundesregierung aus.

Begründung

Seit dem 24. Februar 2022 führt die russische Staatsspitze unter Wladimir Putin einen völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dieser gravierende Bruch mit der internationalen Friedensordnung ist durch nichts zu rechtfertigen.

Die internationale Staatengemeinschaft und die deutsche Bundesregierung haben geschlossen auf diesen Kriegsakt reagiert. Die angekündigten Sanktionen gegen Russland werden harte Konsequenzen für die Menschen in Russland, aber auch in Europa nach sich ziehen. Trotz aller Vorbereitungen sind besonders ärmere Menschen von den Sanktionen und ihren direkten wie indirekten Auswirkungen überproportional betroffen. Wir sprechen uns ohne Vorbehalte dafür aus, jegliche humanitäre Hilfe zu leisten für die Menschen, die aufgrund des Krieges fliehen müssen.

Wir brauchen aber neben der sofortigen Hilfe für die Menschen, die aufgrund des Krieges in der Ukraine leiden auch eine breite Debatte in der Gesellschaft und in der Partei führen, wie wir in Europa zu einer dauerhaften Friedensordnung zurückkehren. In dieser Debatte muss sich die SPD ihrer historisch gewachsenen Werte als Friedenspartei in Deutschland treu bleiben. Sozialdemokratische Außenpolitik ist immer Friedenspolitik, ohne Wenn und Aber. So heißt es in der Präambel unseres Organisationsstatuts: „Die SPD ist eine demokratische Volkspartei. Sie vereinigt Menschen verschiedener Glaubens- und Denkrichtungen, die sich zu Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, zur gesellschaftlichen Gleichheit von Mann und Frau und zur Bewahrung der natürlichen Umwelt bekennen.“ (Präambel des Organisationsstatuts der SPD)

Auch in unserem Hamburger Grundsatzprogramm haben wir uns als Partei klar für den Frieden als oberstes Ziel der deutschen Außenpolitik ausgesprochen: „Die internationale Politik der deutschen Sozialdemokratie dient dem Ziel, Konflikte zu verhindern und Frieden zu schaffen. Unsere Prinzipien dafür sind Verständigung, internationale Solidarität und gemeinsame Sicherheit durch Kooperation. Wir setzen auf die Überzeugung, dass Macht dem Recht untergeordnet werden muss.“ (Hamburger Grundsatzprogramm, S. 19)

Wir haben in der Bundestagswahl 2021 auch deshalb Wählerinnen und Wähler überzeugt, weil wir klar benannt haben, dass die SPD alles für den Frieden in Europa und der Welt unternehmen wird: „Als die Friedenspartei in Deutschland setzen wir auf Diplomatie und Dialog, auf zivile Krisenprävention und Friedensförderung, auf Abrüstung und Rüstungskontrolle sowie internationale Zusammenarbeit.“ (Zukunftsprogramm der SPD, S. 61)

Eine sozialdemokratische Außenpolitik ist nicht naiv, nur weil sie den Frieden und dessen Wahrung als oberstes Ziel festsetzt. Auf den Angriff auf die Ukraine mit einer derart massiven Aufrüstung zu antworten ist nicht der richtige Weg für die Sozialdemokratie. Aufrüstung führt weder zu mehr Frieden noch zu mehr Gerechtigkeit und verbaut Lösungswege zu einer verteilungsrechteren, nachhaltigen Antwort auf die globalen Herausforderungen der Menschheit, Klimawandel, Zerstörung von Natur und Umwelt.

Eine massive Aufrüstung der Bundeswehr würde bei gleichbleibendem fiskalischen Rahmen und dem Beharren auf der Schuldenbremse noch mehr dazu führen, dass für wichtige Projekte der Sozial-, Arbeits-, Bildungs- und Klimapolitik weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Als SPD können wir es nicht akzeptieren, dass unter anderem die Einführung des Bürgergeldes, die ökologische Transformation der deutschen Wirtschaft und eine ambitionierte Klimapolitik, dass die Kindergrundsicherung, die Reform des BAFöG und die zusätzlichen Investitionsmittel in Bildung des Bundes zurückgestellt werden oder drastisch gekürzt werden, weil wir massiv in neues Kriegsgerät investieren.

Die SPD ist die Friedenspartei in Deutschland. Dies ist Teil der sozialdemokratischen Identität. Wir sind als Friedenspartei nicht naiv oder unzuverlässig für unsere internationalen Partner und ebenso versperren wir uns nicht vor einer kritischen Reflexion der Außenpolitik Deutschlands. Unser Ziel muss aber jetzt erst recht sein, für vertrauensbildende Maßnahmen in Europa, Verständigung aller und Zusammenarbeit der Staaten und Regierungen, damit Kriege materiell unmöglich werden.

 

Breites Bündnis kritisiert Sondervermögen für Aufrüstung der Bundeswehr

2. März 2022

Gemeinsame Erklärung von Forum DL21, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Institut Solidarische Moderne, Jusos Rheinland-Pfalz, Attac Deutschland, NaturFreunde Deutschlands, Naturfreundejugend Deutschlands, Hashomer Hatzair Deutschland e.V., European Alternatives Berlin, Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA),  Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus.

 

Das Forum Demokratische Linke 21 e.V., Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Institut Solidarische Moderne, Jusos Rheinland-Pfalz, Attac Deutschland, NaturFreunde Deutschlands, Naturfreundejugend Deutschlands, Hashomer Hatzair Deutschland e.V., European Alternatives Berlin, Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA),  Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus verurteilen Putins Angriffskrieg auf das Schärfste. Die russische Regierung muss sofort alle Angriffe stoppen, sich vollständig aus der Ukraine zurückzuziehen und die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine achten. Unsere größte Sorge gilt derzeit den Menschen in der Ukraine. Gerade jetzt bekennen wir uns, mehr denn je, zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Deshalb haben wir am vergangenen Sonntag in Berlin gemeinsam mit Hundertausenden Anderen für den Frieden demonstriert. Den Aufruf der am Bündnis beteiligten Organisationen und Gewerkschaften für ein Europa der Abrüstung, der Entspannung und der Verständigung teilen wir ganz ausdrücklich.

Wir lehnen das von Bundeskanzler Scholz am Sonntag vorgeschlagene Sondervermögen für Aufrüstung in Höhe von 100 Milliarden Euro und dauerhafte Rüstungsausgaben von über zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ab. Das ist ein beispielloser Paradigmenwechsel, dem wir uns vehement entgegenstellen. Stattdessen sollte darüber diskutiert werden, wie wir den Menschen in der Ukraine schnellstmöglich helfen können.

Für eine gut ausgestattete Bundeswehr braucht es weder Sondervermögen noch weitere Milliarden. Die Bundeswehr ist nicht von einer Unterfinanzierung geplagt, sondern von strukturellen Problemen beim Management und der Beschaffung von Materialien. Die Bundeswehr muss reformiert, nicht aufgerüstet werden. Darüber hinaus sollten jegliche Ausgaben für die Bundeswehr über den Weg des Verteidigungshaushalts gehen, inklusive eines Parlamentsvorbehalts, nicht über einen Sonderfonds – und erst recht nicht über einen  im Grundgesetz verankerten Sonderstatus für militärische Aufrüstung.

Was die Ankündigung eines Sonderfonds auch klar macht: Statt hektisch angekündigter Grundgesetzänderungen, sollte die Schuldenbremse abgeschafft werden. Sie ist nicht zeitgemäß und führt zu immer absurderen Finanzposten-Konstruktionen.

Es darf zudem keine militärische Aufrüstung auf Kosten von sozialen Leistungen geben. Wir stehen vor großen Herausforderungen, deren Bewältigung all unsere Kraft braucht. Unser Gesundheitssystem steht weiterhin unter immenser Belastung und muss auskömmlich finanziert werden. Eine Reform der Renten- und Sozialleistungen benötigt viel Geld. Die Umgestaltung unserer Wirtschaft bringt enorme Kosten mit sich. Das Überleben der Menschheit hängt davon ab, ob es uns gemeinsam gelingt, die Klimakrise und die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu bekämpfen. Für die Lösung dieser Menschheitsaufgaben müssen wir alle unsere Kraft aufwenden. Wir können es uns nicht leisten, die dafür dringend benötigten Ressourcen für Kriegsgerät auszugeben. Dies muss unsere gemeinsame Verantwortung sein, das sind wir nachfolgenden Generationen schuldig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA)

Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus

 

Breites Bündnis kritisiert Sondervermögen für Aufrüstung der Bundeswehr

2. März 2022

Gemeinsame Erklärung von Forum DL21, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Institut Solidarische Moderne, Jusos Rheinland-Pfalz, Attac Deutschland, NaturFreunde Deutschlands, Naturfreundejugend Deutschlands, Hashomer Hatzair Deutschland e.V., European Alternatives Berlin, Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA),  Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus.

 

Das Forum Demokratische Linke 21 e.V., Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, Institut Solidarische Moderne, Jusos Rheinland-Pfalz, Attac Deutschland, NaturFreunde Deutschlands, Naturfreundejugend Deutschlands, Hashomer Hatzair Deutschland e.V., European Alternatives Berlin, Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA),  Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus verurteilen Putins Angriffskrieg auf das Schärfste. Die russische Regierung muss sofort alle Angriffe stoppen, sich vollständig aus der Ukraine zurückzuziehen und die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine achten. Unsere größte Sorge gilt derzeit den Menschen in der Ukraine. Gerade jetzt bekennen wir uns, mehr denn je, zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Deshalb haben wir am vergangenen Sonntag in Berlin gemeinsam mit Hundertausenden Anderen für den Frieden demonstriert. Den Aufruf der am Bündnis beteiligten Organisationen und Gewerkschaften für ein Europa der Abrüstung, der Entspannung und der Verständigung teilen wir ganz ausdrücklich.

Wir lehnen das von Bundeskanzler Scholz am Sonntag vorgeschlagene Sondervermögen für Aufrüstung in Höhe von 100 Milliarden Euro und dauerhafte Rüstungsausgaben von über zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ab. Das ist ein beispielloser Paradigmenwechsel, dem wir uns vehement entgegenstellen. Stattdessen sollte darüber diskutiert werden, wie wir den Menschen in der Ukraine schnellstmöglich helfen können.

Für eine gut ausgestattete Bundeswehr braucht es weder Sondervermögen noch weitere Milliarden. Die Bundeswehr ist nicht von einer Unterfinanzierung geplagt, sondern von strukturellen Problemen beim Management und der Beschaffung von Materialien. Die Bundeswehr muss reformiert, nicht aufgerüstet werden. Darüber hinaus sollten jegliche Ausgaben für die Bundeswehr über den Weg des Verteidigungshaushalts gehen, inklusive eines Parlamentsvorbehalts, nicht über einen Sonderfonds – und erst recht nicht über einen  im Grundgesetz verankerten Sonderstatus für militärische Aufrüstung.

Was die Ankündigung eines Sonderfonds auch klar macht: Statt hektisch angekündigter Grundgesetzänderungen, sollte die Schuldenbremse abgeschafft werden. Sie ist nicht zeitgemäß und führt zu immer absurderen Finanzposten-Konstruktionen.

Es darf zudem keine militärische Aufrüstung auf Kosten von sozialen Leistungen geben. Wir stehen vor großen Herausforderungen, deren Bewältigung all unsere Kraft braucht. Unser Gesundheitssystem steht weiterhin unter immenser Belastung und muss auskömmlich finanziert werden. Eine Reform der Renten- und Sozialleistungen benötigt viel Geld. Die Umgestaltung unserer Wirtschaft bringt enorme Kosten mit sich. Das Überleben der Menschheit hängt davon ab, ob es uns gemeinsam gelingt, die Klimakrise und die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu bekämpfen. Für die Lösung dieser Menschheitsaufgaben müssen wir alle unsere Kraft aufwenden. Wir können es uns nicht leisten, die dafür dringend benötigten Ressourcen für Kriegsgerät auszugeben. Dies muss unsere gemeinsame Verantwortung sein, das sind wir nachfolgenden Generationen schuldig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus Barthel, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerfragen (AfA)

Friedhelm Hilgers, Mitglied im Bundesvorstand AG60plus

 

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