Unser Initiativantrag gegen bewaffnete Drohnen

10. Dezember 2021

Wir beschließen aufgrund der aktuellen Situation folgenden Initiativantrag für den außerordentlichen SPD-Bundesparteitag am 4.12.2021 bzw. für den ordentlichen SPD-Bundesparteitagam

Forderung:

Der SPD-Parteivorstand organisiert zeitnah die ausstehende, breite innerparteiliche Debatte zur Bewaffnung von Drohnen und deren Einsatz,unter intensiver Einbindung der Zivilgesellschaft und insbesondere von Friedens-, Anti-Kriegs- und Abrüstungsinitiativen.

Dabei sind die Grundsätze, Empfehlungen und weitergehenden Empfehlungen der

Projektgruppe des Parteivorstandes unter Leitung von Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin zu berücksichtigen.

Das Ergebnis dieser Debatte kann und soll der SPD-Bundestagsfraktion einen klaren Rahmen für das anstehende parlamentarische Verfahren zur Umsetzung der im Koalitionsvertrag

vereinbarten Bewaffnung der Drohnen geben. An diesem müssen sich dann auch mögliche Kompromisse messen lassen. Denn klar ist auch: Ein Koalitionsvertrag ist die gemeinsame Arbeitsgrundlage bis zur nächsten Bundestagswahl. Es war jedoch nie so, dass alle dort enthaltenden Vereinbarungen umgesetzt werden. Ansonsten hätten wir beispielsweise bei der

sachgrundlosen Befristung heute eine andere Rechtslage.

Begründung:

Ende 2020 hat die SPD-Bundestagsfraktion ihre Zustimmung zur Bewaffnung der von der Bundeswehr angeschafften Drohnen vom Typ Heron TP nicht gegeben. Begründet wurde dies mit der fehlenden, jedoch bereits in den Koalitionsverträgen 2013 und 2018 vereinbarten „ausführlichen völkerrechtlichen, verfassungsrechtlichen und ethischen Prüfung“.

Zum Zeitpunkt der Entscheidung der SPD-Bundestagsfraktion hatte das Bundesverteidigungsministerium lediglich zu einer Diskussionsveranstaltung (Mai 2020) eingeladen, in der die völkerrechtlichen, verfassungsrechtlichen und ethischen Fragen einer möglichen Bewaffnung von Drohnen debattiert wurden. Die Entscheidung der SPD-

Bundestagsfraktion war deshalb richtig. Ebenso richtig war es, dass der SPD-Parteivorstand am 15. März 2021 eine Projektgruppe zur Frage der Bewaffnung der Drohnen der Bundeswehr eingesetzt hat. Unter Leitung von Prof.

Dr. Herta Däubler-Gmelin wurde dieses Thema in fünf Sitzungen intensiv debattiert und am 12. Oktober 2021 der Abschlussbericht vorgestellt. Hierfür ist allen Beteiligten zu danken.

Eine ausführliche, breite Debatte in der Partei, wofür dieser Bericht eine hervorragende Basis bieten würde, hat es jedoch nicht gegeben. Entsprechend fehlt eine klare Positionierung der Partei in Form eines Bundesparteitagsbeschlusses, welcher auf Grund der Bedeutung dieser Entscheidung angemessen wäre. Die innerparteiliche Auseinandersetzung fehlt also weiterhin ebenso wie die von unserer Bundestagsfraktion kritisierte ausführliche

gesellschaftspolitische Debatte.

Die Antragssteller begrüßen ausdrücklich das Ziel, bewaffnete Drohnen verstärkt in

internationale Kontrollregime einzubeziehen und die Ächtung von letalen autonomen Waffensysteme, die vollständig der Verfügung des Menschen entzogen sind, voranzutreiben. Vor dem Hintergrund der jedoch weiterhin fehlenden grundsätzlichen Debatte über

bewaffnete Drohnen halten wir eine Entscheidung in dieser Frage, im Rahmen von Koalitionsverhandlungen, die natürlich immer von Kompromissen geprägt sind und sein müssen, jedoch für nicht akzeptabel. Dies umso mehr, weil es auch in der Gesellschaft keine klare Mehrheit für die Anschaffung von bewaffneten Drohnen gibt. So weist selbst die vom Bundesverteidigungsministerium seit

1996 jährlich in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel„Sicherheits- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundesrepublik Deutschland“1 für das Jahr 2020 nur eine Zustimmung von 41% für die Ausrüstung mit bewaffneten Drohnen aus. 26% lehnen diese ab,weitere 26% sind unentschieden. Hieraus ist also keine Zustimmung abzulesen.

Vor diesem Hintergrund und um der SPD-Bundestagsfraktion einen klaren Rahmen für die

anstehenden parlamentarischen Beratungen hierzu mitzugeben, braucht es die mit diesem Antrag geforderte breite Debatte.

1 https://www.bmvg.de/de/aktuelles/bevoelkerungsumfrage -2020-so-steht-deutschland-zur-bundeswehr- 5029586

Unser Antrag für Mietendeckel

10. Dezember 2021

Öffnungsklauseln zur Mietpreisregulierung

Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. In vielen
Städten können Menschen mit geringerem Einkommen eine Wohnung nicht mehr
finanzieren. Wohnraum wird als Spekulationsobjekt genutzt und in den
Innenstädten finden massive Verdrängungsprozesse statt.

Für uns ist klar: Die SPD steht an der Seite der Mieter*innen. An den
Orten, die einen angespannten Wohnungsmarkt aufweisen, muss eine Begrenzung
der Mieten vorgenommen werden. Nach der Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Mietendeckel ist es notwendig, dass
der Bund Öffnungsklauseln für Länder und Kommunen schafft, die einer
Steigerung der Mieten entgegentreten wollen.

Digitales Mitgliederforum mit Daniela Kolbe, Annika Klose, Carmen Wegge, Erik von Malottki, Jan Dieren, Carolin Wagner, Robin Mesarosch

8. Dezember 2021
Donnerstag, 9. Dezember, von 17.45-19.45 Uhr

Kurz vor dem Parteitag wollen wir Euch die Möglichkeit geben, einige unserer neuen MdB’s kennenzulernen. Mit dabei sind die DL21-Mitglieder und MdB’s Carmen Wegge, Jan Dieren, Dr. Carolin Wagner, Erik von Malottki, Annika Klose und Robin Mesarosch. Sie freuen sich auf Eure Fragen und stellen ihre linken Vorhaben im Bundestag vor. Zu Beginn wird Daniela Kolbe Euch auf den neuesten Stand in Sachen Drohnen-Debatte bringen.
Die Einwahldaten findet ihr hier:
https://us02web.zoom.us/j/85364268395?pwd=am1PNVZWNG94V3h3R09ySkt2RUVYdz09
Meeting-ID: 853 6426 8395
Kenncode: 178020
Schnelleinwahl mobil
+496938079884 anschließend 85364268395# dann *178020# Deutschland
+496950500951 anschließend 85364268395# dann *178020# Deutschland

Digitales Mitgliederforum mit Daniela Kolbe, Annika Klose, Carmen Wegge, Erik von Malottki, Jan Dieren, Carolin Wagner, Robin Mesarosch

8. Dezember 2021
Donnerstag, 9. Dezember, von 17.45-19.45 Uhr

Kurz vor dem Parteitag wollen wir Euch die Möglichkeit geben, einige unserer neuen MdB’s kennenzulernen. Mit dabei sind die DL21-Mitglieder und MdB’s Carmen Wegge, Jan Dieren, Dr. Carolin Wagner, Erik von Malottki, Annika Klose und Robin Mesarosch. Sie freuen sich auf Eure Fragen und stellen ihre linken Vorhaben im Bundestag vor. Zu Beginn wird Daniela Kolbe Euch auf den neuesten Stand in Sachen Drohnen-Debatte bringen.
Die Einwahldaten findet ihr hier:
https://us02web.zoom.us/j/85364268395?pwd=am1PNVZWNG94V3h3R09ySkt2RUVYdz09
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Gemeinsame Pressemitteilung der Co-Vorsitzenden zur Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue Parteispitze: Den Erneuerungsprozess konsequent weiterführen

24. November 2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Co-Vorsitzenden zur Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue Parteispitze:

„Den Erneuerungsprozess konsequent weiterführen“

 

Das Forum DL-21 hat auf seiner letzten Vorstandssitzung die kommenden SPD-Vorstandswahlen auf dem ordentlichen Bundesparteitag im Dezember beraten. Anlässlich der heutigen Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue SPD-Doppelspitze erklären die drei Co-Vorsitzenden des Forums DL-21 Lino Leudesdorff, Sebastian Roloff und Ülker Radziwill gemeinsam:

 

„Wir begrüßen die gute Entwicklung unserer Partei, die mit der Mitgliederbefragung vor 2 Jahren in Gang gesetzt wurde, ausdrücklich. Besonders programmatisch konnte ein befreiender Erneuerungsprozess eingeleitet werden. Hervorzuheben sind hierbei die Beschlüsse vom Bundesparteitag 2019 zur Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro, zur Einführung einer Kindergrundsicherung oder zur Abkehr von Hartz-4 inklusive des Endes des Sanktionssystems. Damit hat die SPD ihr Profil als linke Volkspartei schärfen können. Mit Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben wir über eine Parteispitze verfügt, die diesen Erneuerungsprozess erfolgreich gesteuert hat. Die Menschen im Land haben diesen Erneuerungsprozess der SPD positiv aufgenommen und nicht zuletzt deshalb die Sozialdemokratie wieder zur stärksten Kraft im Land bei den Bundestagswahlen gekürt.

 

Auch wenn diesmal die innerparteiliche Beteiligung für die Vorstandswahlen zu kurz kommt, begrüßen wir, dass mit Saskia Esken eine der beiden Gewinner:innen der Mitgliederbefragung vor zwei Jahren weitermachen will und bedanken uns sehr herzlich für das Wirken Norbert Walter-Borjans. Erfreulich ist ebenso, dass die Trennung von Parteispitze und Regierung gewahrt bleibt. Denn nur so kann die SPD weiterhin eigenständig Themen für die Zukunft setzen. Saskia Esken hat zusammen mit Lars Klingbeil im Bundestagswahlkampf schon bewiesen, dass sie gemeinsam erfolgreich Kampagnen organisieren können. Wichtig ist uns als Forum DL-21, dass der programmatische Erneuerungskurs konsequent weitergeführt wird und möglichst viele Mitglieder im neuen Vorstand sich für diesen Kurs einsetzen. Denn der zukünftige Erfolg der Sozialdemokratie hängt davon ab, ob die SPD auf der Grundlage des neugewonnenen Vertrauens sich wieder als die linke Volkspartei etabliert. Als linker Flügel der SPD sehen wir vor allem folgende vier Themen dafür als bedeutsam an:

 

1. Das gesetzliche Rentenniveau muss oberhalb von 50% stabilisiert werden. Das gehört zum Respekt vor den Lebensleitungen von Millionen Arbeitnehmer:innen.

 

2. Keine Kampfdrohnen. Werden Drohnen als Waffen eingesetzt, ist das der Verlust menschlicher Kontrolle über das Auslöschen menschlichen Lebens. Die SPD sollte sich im Geiste Willy Brandts auf ihre erfolgreiche Friedenspolitik besinnen und deutlich ‚Nein‘ zu bewaffneten Drohnen sagen.

 

3. Mietenmoratorium einführen. Wohnen ist in den Städten längst zur sozialen Frage geworden. Wir fordern ein Länderöffnungsklausel für Mietenmoratorien auf angespannten Wohnungsmärkten. Millionen Mieter:innen brauchen dringend diese Entlastung.

 

4. Die Abschaffung sachgrundloser Befristung. Mehr als drei Millionen Beschäftigte in Deutschland haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag – vor allem Unter 30-jährige. Mehr als die Hälfte dieser Befristungen ist ohne Grund befristet. Das muss sofort mit einem Verbot gestoppt werden.“

Pressemitteilung der DL-21 Co-Vorsitzenden Ülker Radziwill, Sebastian Roloff und Lino Leudesdorff zum heute veröffentlichten Koalitionsvertrag

24. November 2021

 

Pressemitteilung der DL-21 Co-Vorsitzenden Ülker Radziwill, Sebastian Roloff und Lino Leudesdorff zum heute veröffentlichten Koalitionsvertrag

 

Koalitionsvertrag ein guter Beginn für sozial-ökologische Modernisierung

 

Der heute der Öffentlichkeit vorgestellte Koalitionsvertrag ist für die drei Vorsitzenden des Forums DL-21 ein guter Beginn einer sozial-ökologischen Modernisierung. Im Verlauf der Regierungsarbeit müssten aber wichtige Versprechen der stärksten Regierungspartei konkretisiert und der Weg zu einer solidarischen Gesellschaft mit Respekt für jeden Einzelnen ausgebaut werden, so eine erste Bewertung der drei Co-Vorsitzenden:

 

„Es sind in den Koalitionsverhandlungen viele positive Ergebnisse aus Sicht der DL-21 erzielt worden. Die SPD-Verhandlerinnen und -verhandler haben in zahlreichen Verhandlungsrunden viele Projekte aus unserem Zukunftsprogramm wie den Mindestlohn von 12 Euro, die Kindergrundsicherung, die Einführung eines Weiterbildungsgelds und vieles mehr durchgesetzt. Als DL-21 werden wir dazu beitragen, dass die gemeinsamen Vorhaben der Koalition mit sozialdemokratischen Werten erfüllt werden. Genauso werden wir kritische Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag konstruktiv mit konsequent linken Forderungen und Vorschlägen begleiten. Dazu zählen für uns:

 

1. Wir halten die Ausstattung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen für falsch und werden auch weiter für eine Nichteinführung eintreten. Drohnen schüren gewaltsame Konflikte und gefährden damit den Frieden sowie das Leben von Zivilisten und Soldaten weltweit.

 

2. Die vollständige Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen konnte in den Verhandlungen leider nicht durchgesetzt werden, auch wenn ein Ende der endlosen Kettenbefristungen auf der Basis von Sachgrundbefristungen eingeleitet werden konnte. Wir werden in der Koalition weiter auf ein vollständiges Ende der sachgrundlosen Befristung drängen.

 

3. Wir begrüßen die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48%. Wir sind aber überzeugt, dass wir um eine armutsfeste Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus nicht herumkommen werden. Die wachsende Altersarmut kann nicht mit einer Aktienrente gelöst werden.

 

4. In der Wohnnungspolitik hat die SPD gut nachverhandelt und eine Verschärfung der Mietpreisbremse durchgesetzt. Über das von so vielen Mieterinnen und Mieter sehnlichst erwartete Mietenmoratorium konnte mit der FDP keine Einigung erzielt werden. Gerade auch im Hinblick auf das Bundesverfassungsgerichturteil zum kommunalen Vorkaufsrecht muss die Koalition die Stärkung des Mietrechts zu einem ihrer ersten Gesetzesvorhaben erklären.

 

Die Koalition hat es sich auf die Fahnen geschrieben, einen Aufbruch zu schaffen mit mehr Klimaschutz, mehr sozialer Gerechtigkeit und mehr Freiheit. All die Vorhaben werden Geld kosten. Wir können es nicht zulassen, dass Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag und die sozial-ökologische Modernisierung als oberstes Ziel an der Schuldenbremse scheitern werden. Die Zukunft unseres Landes darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen.“

Gemeinsame Pressemitteilung der Co-Vorsitzenden zur Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue Parteispitze: Den Erneuerungsprozess konsequent weiterführen

24. November 2021

Gemeinsame Pressemitteilung der Co-Vorsitzenden zur Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue Parteispitze:

„Den Erneuerungsprozess konsequent weiterführen“

 

Das Forum DL-21 hat auf seiner letzten Vorstandssitzung die kommenden SPD-Vorstandswahlen auf dem ordentlichen Bundesparteitag im Dezember beraten. Anlässlich der heutigen Nominierung von Saskia Esken und Lars Klingbeil als neue SPD-Doppelspitze erklären die drei Co-Vorsitzenden des Forums DL-21 Lino Leudesdorff, Sebastian Roloff und Ülker Radziwill gemeinsam:

 

„Wir begrüßen die gute Entwicklung unserer Partei, die mit der Mitgliederbefragung vor 2 Jahren in Gang gesetzt wurde, ausdrücklich. Besonders programmatisch konnte ein befreiender Erneuerungsprozess eingeleitet werden. Hervorzuheben sind hierbei die Beschlüsse vom Bundesparteitag 2019 zur Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro, zur Einführung einer Kindergrundsicherung oder zur Abkehr von Hartz-4 inklusive des Endes des Sanktionssystems. Damit hat die SPD ihr Profil als linke Volkspartei schärfen können. Mit Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben wir über eine Parteispitze verfügt, die diesen Erneuerungsprozess erfolgreich gesteuert hat. Die Menschen im Land haben diesen Erneuerungsprozess der SPD positiv aufgenommen und nicht zuletzt deshalb die Sozialdemokratie wieder zur stärksten Kraft im Land bei den Bundestagswahlen gekürt.

 

Auch wenn diesmal die innerparteiliche Beteiligung für die Vorstandswahlen zu kurz kommt, begrüßen wir, dass mit Saskia Esken eine der beiden Gewinner:innen der Mitgliederbefragung vor zwei Jahren weitermachen will und bedanken uns sehr herzlich für das Wirken Norbert Walter-Borjans. Erfreulich ist ebenso, dass die Trennung von Parteispitze und Regierung gewahrt bleibt. Denn nur so kann die SPD weiterhin eigenständig Themen für die Zukunft setzen. Saskia Esken hat zusammen mit Lars Klingbeil im Bundestagswahlkampf schon bewiesen, dass sie gemeinsam erfolgreich Kampagnen organisieren können. Wichtig ist uns als Forum DL-21, dass der programmatische Erneuerungskurs konsequent weitergeführt wird und möglichst viele Mitglieder im neuen Vorstand sich für diesen Kurs einsetzen. Denn der zukünftige Erfolg der Sozialdemokratie hängt davon ab, ob die SPD auf der Grundlage des neugewonnenen Vertrauens sich wieder als die linke Volkspartei etabliert. Als linker Flügel der SPD sehen wir vor allem folgende vier Themen dafür als bedeutsam an:

 

1. Das gesetzliche Rentenniveau muss oberhalb von 50% stabilisiert werden. Das gehört zum Respekt vor den Lebensleitungen von Millionen Arbeitnehmer:innen.

 

2. Keine Kampfdrohnen. Werden Drohnen als Waffen eingesetzt, ist das der Verlust menschlicher Kontrolle über das Auslöschen menschlichen Lebens. Die SPD sollte sich im Geiste Willy Brandts auf ihre erfolgreiche Friedenspolitik besinnen und deutlich ‚Nein‘ zu bewaffneten Drohnen sagen.

 

3. Mietenmoratorium einführen. Wohnen ist in den Städten längst zur sozialen Frage geworden. Wir fordern ein Länderöffnungsklausel für Mietenmoratorien auf angespannten Wohnungsmärkten. Millionen Mieter:innen brauchen dringend diese Entlastung.

 

4. Die Abschaffung sachgrundloser Befristung. Mehr als drei Millionen Beschäftigte in Deutschland haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag – vor allem Unter 30-jährige. Mehr als die Hälfte dieser Befristungen ist ohne Grund befristet. Das muss sofort mit einem Verbot gestoppt werden.“

Pressemitteilung der DL-21 Co-Vorsitzenden Ülker Radziwill, Sebastian Roloff und Lino Leudesdorff zum heute veröffentlichten Koalitionsvertrag

24. November 2021

 

Pressemitteilung der DL-21 Co-Vorsitzenden Ülker Radziwill, Sebastian Roloff und Lino Leudesdorff zum heute veröffentlichten Koalitionsvertrag

 

Koalitionsvertrag ein guter Beginn für sozial-ökologische Modernisierung

 

Der heute der Öffentlichkeit vorgestellte Koalitionsvertrag ist für die drei Vorsitzenden des Forums DL-21 ein guter Beginn einer sozial-ökologischen Modernisierung. Im Verlauf der Regierungsarbeit müssten aber wichtige Versprechen der stärksten Regierungspartei konkretisiert und der Weg zu einer solidarischen Gesellschaft mit Respekt für jeden Einzelnen ausgebaut werden, so eine erste Bewertung der drei Co-Vorsitzenden:

 

„Es sind in den Koalitionsverhandlungen viele positive Ergebnisse aus Sicht der DL-21 erzielt worden. Die SPD-Verhandlerinnen und -verhandler haben in zahlreichen Verhandlungsrunden viele Projekte aus unserem Zukunftsprogramm wie den Mindestlohn von 12 Euro, die Kindergrundsicherung, die Einführung eines Weiterbildungsgelds und vieles mehr durchgesetzt. Als DL-21 werden wir dazu beitragen, dass die gemeinsamen Vorhaben der Koalition mit sozialdemokratischen Werten erfüllt werden. Genauso werden wir kritische Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag konstruktiv mit konsequent linken Forderungen und Vorschlägen begleiten. Dazu zählen für uns:

 

1. Wir halten die Ausstattung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen für falsch und werden auch weiter für eine Nichteinführung eintreten. Drohnen schüren gewaltsame Konflikte und gefährden damit den Frieden sowie das Leben von Zivilisten und Soldaten weltweit.

 

2. Die vollständige Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen konnte in den Verhandlungen leider nicht durchgesetzt werden, auch wenn ein Ende der endlosen Kettenbefristungen auf der Basis von Sachgrundbefristungen eingeleitet werden konnte. Wir werden in der Koalition weiter auf ein vollständiges Ende der sachgrundlosen Befristung drängen.

 

3. Wir begrüßen die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48%. Wir sind aber überzeugt, dass wir um eine armutsfeste Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus nicht herumkommen werden. Die wachsende Altersarmut kann nicht mit einer Aktienrente gelöst werden.

 

4. In der Wohnnungspolitik hat die SPD gut nachverhandelt und eine Verschärfung der Mietpreisbremse durchgesetzt. Über das von so vielen Mieterinnen und Mieter sehnlichst erwartete Mietenmoratorium konnte mit der FDP keine Einigung erzielt werden. Gerade auch im Hinblick auf das Bundesverfassungsgerichturteil zum kommunalen Vorkaufsrecht muss die Koalition die Stärkung des Mietrechts zu einem ihrer ersten Gesetzesvorhaben erklären.

 

Die Koalition hat es sich auf die Fahnen geschrieben, einen Aufbruch zu schaffen mit mehr Klimaschutz, mehr sozialer Gerechtigkeit und mehr Freiheit. All die Vorhaben werden Geld kosten. Wir können es nicht zulassen, dass Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag und die sozial-ökologische Modernisierung als oberstes Ziel an der Schuldenbremse scheitern werden. Die Zukunft unseres Landes darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen.“

Ahnungslos über Afghanistan?

19. August 2021

Ein Kommentar von Gero Neugebauer

 

„Wir haben die Lage falsch eingeschätzt“ urteilt Heiko Maas. Für Angela Merkel ist die Entwicklung in Afghanistan „bitter, dramatisch und furchtbar“. Für wen noch neben den dort lebenden davon Betroffenen? Die schwerwiegendste politische Fehlprognose der deutschen Regierung in Bezug auf die Entwicklung in Afghanistan kann nicht dadurch relativiert werden, dass Heiko Maas zu dem „wir“ sowohl die Bundesregierung als auch „die Geheimdienste“ sowie die „internationale Staatengemeinschaft“ zählt. „Ich bin’s nicht, Joe Biden ist es gewesen“ könnte in Anlehnung an den Titel eines Theaterstücks, das vom Abschieben von Verantwortung handelt, gesagt werden. Jedenfalls redet er die eigene Verantwortung, und damit die der gesamten Bundesregierung, klein. Und die ist der Adressat der Forderung von Rolf Mützenich, der am Montag erklärt hatte, „dass nun jede Stunde zähle. Wir müssen jetzt alles unternehmen, um weitaus mehr Menschen aus Afghanistan zu evakuieren als bislang geschehen.“ Bis Dienstagmorgen konnte aufgrund der Lage auf dem Flughafen in Kabul jedoch kaum etwas geschehen.

 

Politisches Handeln wird von Interessen geleitet und politische Entscheidungen  beruhen – theoretisch – auf klassifizierten Informationen aus vielfältigen überprüfbaren Quellen. Sie müssen geeignet sein, eine Lage, das Wort geht auf das althochdeutsche lāga = Hinterhalt zurück, erkennen und von den eigenen Interessen geleitete Entscheidungen treffen zu können. Doch bis vor Kurzem erklärte unser als entschlussfreudig bekannter Außenminister, dass er selbst aus den eigenen „Dienstwegen“ keine Signale gehört hätte. Will er uns glauben machen, dass er nicht zu den politischen Akteuren gehört, denen neben öffentlichen Medien mit Berichten von in der Regel gut informierten Journalist*innen weitere Informationsquellen bis hin zu Berichten aus Auslandsbüros der Stiftungen befreundeter Parteien zur Verfügung stehen? Oder wollte er seiner Landsfrau, der Verteidigungsministerin, zu Hilfe kommen, die ebenfalls nichts bemerkt werden haben will. Ist ihr Name Hase? Wurde sie nicht informiert? Haben beide als zuständige Administratoren in den Politikfeldern Außen- und Sicherheitspolitik offiziell weder etwas gehört noch etwas gesehen, weil das Bundeskanzleramt sie gebeten hatte abzuwarten? Dort laufen die für die Regierungspolitik relevanten Informationen zusammen und dort wird auch entschieden, nicht zu entscheiden, wenn beispielsweise noch Informationen fehlen, weil die eigenen Interessen noch nicht definiert sind oder erst Handlungen Dritter abgewartet werden müssen. Wer kann oder will sich vorstellen, dass die Bundeskanzlerin Afghanistan nicht „auf dem Schirm“ hatte?  Oder dass der für die Lage zuständige Kanzleramtsminister weder Informationen des BND, der auch solche von der CIA und von anderen Auslandsgeheimdiensten bekommt, noch aus anderen Quellen gehabt, aber nicht weiter gegeben hat? Für das Abwarten sprechen sowohl der Führungsstil der Kanzlerin wie die Tatsache, dass die Grundlinien der Außen- und Sicherheitspolitik im Bundeskanzleramt entschieden werden und beispielsweise Informationen aus dem Weißen Haus nicht direkt an Ministerien gehen. Selbst wenn Klagen von ehemaligen Regierungsmitgliedern über die Dominanz des Kanzleramts dazu beitragen zu verstehen, dass Minister gelegentlich  eher als Ministranten der Kanzlerin denn als Minister mit eigener politischer Verantwortung aufgetreten sind bzw. auftreten, befreit sie das nicht von ihrer eigenen Verantwortung. Dass die unterschiedlich definiert werden kann, hat der sich auch als „Heimat (Schutz)Minister“ verstehende Innenminister Seehofer gezeigt. Lange Zeit sah er seine Aufgabe darin, die „Heimat“ vor Menschen zu schützen, die ihre Heimat gerade verlieren, was ihnen auch deshalb passiert, weil sie dabei behilflich waren, „unsere Sicherheit, lies: Heimat, am Hindukusch zu verteidigen“ (Peter Struck, SPD). Nun dürfen von Abschiebung bedrohte Zufluchtsuchende aus Afghanistan – vorerst? – hier bleiben.

 

Prognosen sind, wie Mark Twain einst erklärte, riskant, weil sie für die Zukunft gelten. Sie können über den Verlauf von Epidemien, den Energieverbrauch, die Wahrscheinlichkeit einer Inflation oder die Politik der Taliban abgegeben werden und richtig oder falsch sein. Wer einen Plan macht, kann nach Bertolt Brecht ein großes Licht werden, einen zweiten machen und dann erleben, dass beide nicht gehen. Wer politisch handelt, kann der Maxime von Helmut Kohl folgen und bewerten, was am Ende herauskommt. Oder es wird bestimmt, was am Ende herauskommen soll und danach wird entschieden. Das Ziel, die von Al-Quaida ausgehende Terrorgefahr zu beseitigen, war erreicht worden. Danach fehlte eine eindeutige Legitimation für den weiteren Verbleib der Bundeswehr. Dass eine dem Muster einer westlichen Demokratie entsprechende politische Ordnung nicht in relativ kurzer Zeit einer durch die Existenz mehrerer ethnisch und kulturell differenzierter Stämme geprägte Gesellschaft oktroyiert werden kann, in der politische Prozesse durch Akteure bestimmt werden, die sich auf patriarchalisch geprägte und religiös legitimierte Traditionen, auf militärische Macht und auf materielle Reichtümer stützen, aber nicht auf demokratisch legitimierte Wahlen, war trotz mancher Fortschritte im Überbau Afghanistans offensichtlich.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Ein moralisches Schuldbekenntnis ist ebenso angesagt wie tätige Reue. Streit darüber, ob nun rund zweitausend Afghanen mit den Hundertausenden Zufluchtsuchenden aus dem Jahr 2015 gleichgesetzt werden können, wäre beschämend. Und eine der vielen Lehren sollte sein, dass eine SPD-Fraktion im Bundestag künftig nicht wie im Juni bei kritischen Entscheidungen auf Nachfragen und Einwände verzichtet und der Regierungslinie folgt, sondern in spezifischen Situationen zusätzlich zur eigenen noch externe Expertise zur Entscheidungsfindung heranzieht, um entscheiden zu können, ob die Stunde geschlagen hat und wem sie schlägt.

 

Nachruf auf Wolfgang Gunkel

18. August 2021

Trauer um Wolfgang Gunkel

(15. Mai 1947 Berlin bis 13. August 2021 Sachsen)

 

Ab 1976 engagierte sich ein Polizist bei den Neuköllner Jungsozialisten und trat als SPD-Linker im ultra-SPD-rechten SPD-Kreis Neukölln ein. Für Wolfgang Gunkel blieb der Ausschluss aus der SPD seines Idols, des JUSO-Bundesvorsitzenden Klaus-Uwe Benneter zeitlebens prägend. Es gab damals etliche „Linke“ in der Berliner Polizei, einige blieben ihrer politischen demokratischen Meinung treu (brachten es sogar ohne Rückgradverkrümmung in Führungspositionen).

Mit der Wende floh Wolfgang Gunkel vor den rechten Neuköllner SPDlern hoffnungsvoll nach Sachsen. Hier wurde er 1997-1999 Prorektor der Fachhochschule für Polizei Sachsen. Anschließend wurde er Leiter der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. Wolfgang war in Sachsen Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Neiße. Sein Fachgebiet war Innen- und Sicherheitspolitik. Stolz berichtetet er davon, wie er mit seiner Polizei Nazi-Diskotheken schließen ließ. Auch im Bundestag war er immer dabei, Ratschläge beim Engagement gegen Rechts zu geben, was der Polizei gegenüber zu beachten war.

2005 bis 2017 war Wolfgang Gunkel über die Landesliste Sachsen Bundestagsabgeordneter. Wolfgang blieb immer ein SPD-Linker in der Partei, die Parlamentarische Linke (PL) war ihm zu soft und angepasst. Einen spektakulären Auftritt hatte er auf dem Nominierungsparteitag der Berliner (!) SPD zur Bundestagswahl 2009, als er die Nominierung von Klaus-Uwe Benneter auf Listenplatz 5 durchsetzte.

Der war ihm zwar als Generalsekretär zu angepasst gewesen – und Hartz IV und das Schröder-Blair-Papier hat Wolfgang abgelehnt –, aber im Bundestag brauchte er ihn.

Bei den Januar-Treffen der ostdeutschen SPD-Linken war Wolfgang regelmäßig dabei. Wir erinnern uns gerne an das Kinderfest, welches wir für Wolfgang im Bundestagswahlkampf 2009 in Görlitz organisiert haben. Er war immer wieder Referent in unserem Dahlemer Ortsverein.

Auch fortschrittliche Initiativen in Berlin hat Wolfgang regelmäßig unterstützt: als wir für die Digitalisierung des fortschrittlichen BALI-Kinos – einem regionalen Programm-Kino – 10.000 € spenden mussten, gab es viele Kleinspenden und Wolfgangs großzügige Dauerspende über Jahre.

Gegen Krieg und Faschismus war Wolfgang zeitlebens. Wie recht er mit seiner Ablehnung des Krieges in Afghanistan hatte, hat er nicht mehr erlebt. Wie hohl und verlogen die Begründungen der Befürworter auch in der eigenen Fraktion waren, hat er immer wieder kritisiert.

Wolfgang war lange krank, er hatte einfach keine Luft mehr und war nur noch schwer mobil. Trotzdem ist sein Tod überraschend. Wir werden ihn sehr vermissen, Wolfgang meldete sich regelmäßig aus dem sächsischen Off zur allgemeinen Lage und bedankte sich für Aktivitäten und Infos.

 

Burkhard Zimmermann, DL21-Vorstandsmitglied

 

PS.: Übrigens Wolfgang war ein begnadeter und erfolgreicher Vereins-Schachspieler

 

Ergänzend zu dem von Burkhard Zimmermann formulierten Nachruf auf Wolfgang Gunkel, möchte ich als jemand, die mit Wolfgang von 2005 bis 2017 als Kollegin im Bundestag gearbeitet hat, Anmerkungen machen.

 

Wolfgang Gunkel hat im Bundestag auch zu einem kleinen Kreis um Otmar Schreiner und Rüdiger Veit gehört, in dem sich im Kern 9 Kolleginnen und Kollegen immer wieder versammelt haben und ihre fundierte Kritik am Regierungshandeln formuliert haben und sich gegenseitig im Abstimmungsverhalten gestärkt haben.

Für Wolfgang und alle, die dem Kreis angehörten, war der sehr vertrauensvolle Austausch immer sehr wichtig.

Besonders das gemeinsam erstellte Papier der 60, das neben einer Analyse auch programmatische Ziele beinhaltete, war für Wolfgang ein Haltepunkt auch für seine Politische Arbeit im Wahlkreis. Mehrfach hat er in Veranstaltungen in Görlitz und anderswo darauf Bezug genommen. Immer verbunden war damit sein Bestreben, dass wir als SPD auf der Grundlage unsere Werte Politik machen.

 

Dafür hat Wolfgang immer gestanden, dafür wurde er von allen geschätzt und bewundert.

Nach Otmar Schreiner, Rüdiger Veit und Ewald Schurer verlieren wir mit Wolfgang Gunkel ein weiteres Mitglied der -wie wir alle scherzhaft uns nannten – der G 9.

Ich habe auch von Wolfgang Gunkel viel gelernt und bin sehr dankbar für die Jahre, in denen wir gemeinsam in der Bundestagsfraktion agiert haben.

 

Hilde Mattheis, MdB, DL 21 Bundesvorsitzende

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