Bericht Herbsttagung und Mitgliederversammlung 2025

11. Dezember 2025

Vom 14. Bis 15. November hat unsere diesjährige Herbsttagung im IG-Metall Haus in Berlin stattgefunden. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr ganz im Sinne des Grundsatzprogrammprozesses und konnte von uns genutzt werden, um gemeinsam mit allen Teilnehmern*innen über unsere Vorstellungen und Inhalte zu sprechen, die wir für den Grundsatzprogrammprozess der SPD haben und die uns einzubringenwichtig sind. 

Begonnen haben am Freitagabend mit einer mit Inputs und Diskussion zwischen Dr. Stefan Müller vom Archiv der Sozialen Demokratie und Jan Dieren als Vorsitzendem der DL21. Dr. Stefan Müller bot uns zunächst einen aufschlussreichen Einblick in die Geschichte der Sozialdemokratie anhand vergangener Grundsatzprogramme und Grundsatzprozesse. Er ging dabei auf die Entstehungskontexte bisheriger Grundsatzprogramme, vor allem aber auch auf ihre Funktion für die Entwicklung der SPD ein. Jan Dieren konzentrierte sich in seinem Input vor allem auf die Bedeutung und Funktion des demokratischen Sozialismus, der in nahezu allen bisherigen Grundsatzprogrammen der SPD eine Rolle spielte.

Am folgenden Tag begannen wir mit Inputs zu aktuellen Themen und Problemlagen, die uns auch im aktuell laufenden Grundsatzprogrammprozess beschäftigen werden. Es referierten: 

Dr. Dierk Hirschel und Anja König über den Sozialstaat als Produktivkraft;
Jan Dieren über die aktuelle Relevanz des Begriffs des demokratischen Sozialismus; 
Alf Epstein über Friedenspolitik und Diplomatie
Dr. Patrick Kaczmarczyk über Finanz- und Industriepolitik im Angesicht des Auslaufens des deutschen Exportmodells;
Knut Lambertin über eine generelle Kritik zur Ausrichtung der SPD entlang der eigenen programmatischen Wurzeln; 
Melissa Butt über Fragen der innerparteilichen Demokratie in der SPD;
Annabel Schumacher über die Verbindung von Klimapolitik und sozialer Gerechtigkeit; 
Erik von Malottki über Bau- und Wohnungspolitik.

Die Inputs zu den Themen wurden schnell in eine Workshopphase überführt, in der alle Teilnehmer*innen der Tagung gemeinsam zu den verschiedenen Themen in den Austausch traten, diskutieren und zu den jeweiligen Themen Diskussionsergebnisse erarbeiteten, die in den weiteren Verlauf unserer Begleitung des Grundsatzprogrammprozesses einfließen sollen.

Auf unserer nachfolgenden Mitgliederversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt.

Als Vorsitzende wurden gewählt: Alma Kleen, Jan Dieren, Erik von Malottki.
Als stellvertretende Vorsitzende wurden gewählt: Melissa Butt, Anja König, Knut Lambertin, Ülker Radziwill.
Als Schatzmeister wurde gewählt: Helmut Meyer.
Als Beisitzende wurden gewählt: Lena Marie Angermann, Daniele Cipriano, Franziska Drohsel, Axel Echeverria, Alf-Tomas Epstein, Stephanie Helder-Notzon, Dr. Dierk Hirschel, Annika Klose, Reka Molnar, Antonio Nezi, Sebastian Roloff, Lorans El Sabee, Hauke Schmiegel, Bernhard Schneider, Ingo Siebert, Nadja Sthamer, Dr. Carolin Wagner, Burkhard Zimmermann.

Außerdem wurde sich mit drei Anträgen über einen humangerechten Sozialstaat; zum Verbotsverfahren der AfD und gegen die Einführung der Wehrpflicht befasst. Die ersten beiden Anträge wurden an den Vorstand überwiesen. 

Aus dem Antrag gegen die Einführung der Wehrpflicht wurde auf der Mitgliederversammlung folgender Aufruf beschlossen: 

Wir rufen die MdBs der SPD-Fraktion auf, gegen das Wehrpflichtmodernisierungsgesetz zu stimmen und sich ebenfalls öffentlich wirksam zu betätigen. Wir rufen die DL 21 Regionalgruppen auf, in ihren Sitzungen über die Ablehnung der Wehrpflicht zu diskutieren und sich eigenständig an lokalen Bündnissen, insbesondere mit Jugendvereinen und der DFG-VK zu beteiligen.

Beschluss der DL21- Mitgliederversammlung vom 15. November 2025

Wir danken allen Teilnehmer*innen der Tagung für die guten Diskussionen und wünschen unserem neugewählten Vorstand viel Erfolg und Kraft, sich gemeinsam mit uns den Herausforderungen zu stellen! 

Veranstaltungsankündigungen unserer Regionalgruppen Bayern und Niedersachsen/Bremen zum Grundsatzprogrammprozess der SPD:

5. Dezember 2025

Im Rahmen unserer Begleitung des Grundsatzprogrammprozesses der SPD teilen und veröffentlichen wir hier zwei Ankündigungen anstehender Veranstaltungen unserer Regionalgruppen Bayern und Niedersachsen/Bremen. Herzlich eingeladen wird digital und in Bremen auch hybrid vor Ort.


digitale Veranstaltung der Regionalgruppe Bayern: Wachstum ohne Weltzerstörung Zeit: 06.12.202518:00 Uhr
Teilnahme online über Zoom: https://us06web.zoom.us/j/85753349608?pwd=CKDuk59JaoD1OEGgBBhvfDcoPWC2bK.1  

Die Welt ist im Umbruch. Die Krisen wechseln einander immer rascher ab und machen eine klare Zukunftsprognose nicht leicht. Gleichzeitig ist eine grundlegende Veränderung der Art und Weise notwendig, wie wir Wirtschaft organisieren, produzieren und konsumieren. Es geht darum, die oftmals widersprüchlichen Anforderungen von Wirtschaftsentwicklung, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz in Einklang zu bringen. Denn was ändert es, wenn wir den Verbrenner gegen ein E-Auto tauschen und trotzdem mit Tempo 200 auf eine Wand zurasen?

Eine Veranstaltung mit Raoul Koether, Vorstandsmitglied der Münchner SPD und Co-Sprecher im Arbeitskreis Wirtschaft, Industrie und Handwerk und als Moderation mit Anja König, Co-Landesvorsitzende der DL21 Bayern.


hybride Veranstaltung der Regionalgruppe Niedersachsen/Bremen: SPD zwischen Programm und Regierungspolitik – „Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als tausend Programme“

Zeit: 09.12.2025, 18:30 bis ca. 20:30 Uhr
Anmeldung  bis zum 08.12.2025 an niedersachsen-bremen@dl21.de
Alle digitalen Teilnehmer*innen bekommen kurz vor der Veranstaltung einen Zoom-Link übersandt.

Adresse für die Teilnahme vor Ort: Bürgerhaus Weserterrassen, Clubraum, Osterdeich 70b, 28205 Bremen
Wie du weißt, startet die SPD mit der Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms, welches auf dem Bundesparteitag 2027 beschlossen werden soll. Wir glauben, dass dieser Prozess eine Möglichkeit für uns als Forum DL21 darstellt, unsere linken Perspektiven in den Erstellungsprozess einzubringen und auch die Möglichkeit bietet, diese breit in der Partei zu diskutieren. Nach den jetzt vom SPD-Parteivorstand verkündeten Informationen ist im Prozess zur Erarbeitung des Grundsatzprogramms vorgesehen, dass gerade die Stimmen aus Ortsvereinen und Unterbezirken eine besondere Rolle bekommen sowie vor Ort die direkte Ansprache der Menschen in Bürgergesprächen an der Haustür, auf dem Marktplatz etc. genutzt werden soll. Als Forum DL21 sind wir mit einem breiteren Diskussionsauftakt auf unserer Herbsttagung in Berlin gestartet. Jetzt wollen wir diesen in Veranstaltungen unserer bundesweiten Regionalgruppen fortsetzen und den Prozess auch für uns selbst zur Basisarbeit, Mitgliedergewinnung und Festigung unserer Strukturen nutzen.

Als Referent konnten wir den langjährigen ehemaligen SPD-Europaabgeordneten Prof. Dr. Dietmar Köster gewinnen.

Mit solidarischen Grüßen Michael Buckup (Bleckede), Helmut Meyer (Oldenburg), Carsten Sieling (Bremen), Hauke Schmiegel (Bremerhaven)

Wir sagen Nein. Stellungnahme des Forum DL21 zum Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD

18. April 2025

Seit der vergangenen Woche liegt der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union vor. Er enthält einige richtige Ansätze – etwa bei der Stabilisierung des Rentenniveaus, der Ausweitung der Tarifbindung oder einem Bekenntnis zu einem Mindestlohn von 15 Euro bis 2026. Angesichts des schlechten Wahlergebnisses der SPD muss festgehalten werden, dass die sozialdemokratischen Verhandler:innen viele Punkte der SPD haben durchsetzen können. Doch der Maßstab, unter dem die Koalition bewertet werden muss, ist nicht der, wie weit sich die SPD in den Verhandlungen hat durchsetzen können. Maßstab einer Regierungskoalition muss sein, inwieweit sie in der Lage ist, die gesellschaftliche Entwicklung politisch zu gestalten. Vor diesem Maßstab stellen wir fest, dass die zu erwartende politische Wirkung dieses Koalitionsvertrages den Herausforderungen unserer Zeit nicht gerecht wird.

Die Union war mit einem Programm des Klassenkampfs von oben in den Wahlkampf gezogen. Mindestanforderung an eine Koalition müsste deshalb sein, dass die SPD soziale Rückschritte verhindert. Doch finden sich auch solche im Koalitionsvertrag. Beispielsweise ist die Abschaffung des Bürgergeldes ein Rückschritt in sozialer Hinsicht. Wenn wieder stärker auf Kontrolle, Sanktion und Arbeitszwang gesetzt wird, erhöht dies bewusst den Druck auf Erwerbslose – aber auch auf alle anderen Beschäftigten: Wenn Menschen damit rechnen müssen, ihren Job zu verlieren und in ein repressives System zu fallen, werden sie sich nicht ohne weiteres trauen, höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen einzufordern. Das nutzt Arbeitgebern – nicht der Gesellschaft. Gleiches gilt für die geplante Abschaffung des Achtstundentages. Auch wenn diese Maßnahme unter dem Schlagwort der Flexibilität angepriesen wird, erhöht sie den Druck auf Beschäftigte, deren Arbeitszeiten dadurch länger werden.

Trotz wachsender Ungleichheit und eines massiven Investitionsbedarfs hat sich die Union der Besteuerung hoher Einkommen, großer Vermögen oder Krisengewinne verweigert. Angesichts ungeklärter Finanzierungsfragen ist deshalb zu erwarten, dass auch unter der kommenden Regierung eine Umverteilung von unten nach oben stattfindet. Diese Entscheidung ist nicht alternativlos – sie ist politisch gewollt. Und sie widerspricht klar dem Gerechtigkeitsanspruch der Sozialdemokratie.

Die geplante Migrationspolitik setzt vor allem auf Abschottung und Abschreckung statt auf Integration und soziale Teilhabe. Die fast vollständige Abschaffung legaler Fluchtmöglichkeiten – etwa durch die Aussetzung des Familiennachzugs oder die Beendigung der freiwilligen Aufnahmeprogramme – stellt einen Bruch mit humanitären Grundsätzen dar. Menschen, die vor Krieg, Armut oder Perspektivlosigkeit fliehen, brauchen Schutz und Chancen – keine Ausgrenzung.

Auch in gesellschaftlichen Fragen bleibt der Koalitionsvertrag hinter den Erwartungen zurück. Dass sich der Koalitionsvertrag nicht klar zum überfälligen Ziel bekennt, Schwangerschaftsabbrüche aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, ist ein schweres Versäumnis.

Die massive Betonung von Aufrüstung, „Kriegstüchtigkeit“ und Verteidigungsindustrie offenbart eine Militarisierungslogik, die wir als Linke in der Sozialdemokratie nicht mittragen können. Wir stehen für eine aktive Friedenspolitik, für Rüstungskontrolle, Diplomatie und zivile Konfliktlösung.

Die größte Herausforderung an die zukünftige Koalition ist allerdings der Aufstieg rechtsextremer Kräfte. Die AfD, die als politisches Bindeglied zwischen Rechtsextremen, Rechtspopulist:innen und Faschist:innen wirkt, ist bei der Bundestagswahl zweitstärkste Kraft geworden. Mittlerweile liegt sie in Umfragen sogar vor der Union. Währenddessen gibt es Stimmen in der Union, die für einen „normalen Umgang“ mit der AfD oder sogar offen für eine Zusammenarbeit mit ihr werben. Wir sehen deshalb die Gefahr, dass die SPD in dieser Koalition über die gesamte Legislatur erpressbar bleibt – mit dem stillen oder offenen Drohpotenzial: „Wenn Ihr nicht mitmacht, regieren wir eben mit der AfD.“

In diesem Zusammenhang verliert auch das stärkste Argument für eine Koalition aus Union und SPD – dass sie immerhin verhindern würde, dass die Union mit der AfD regiert – an Überzeugungskraft. Denn wenn eine Koalition der SPD mit der Union jetzt bloß eine schwarz-blaue Regierung hinauszögert, ist sie falsch. Richtig wäre eine solches Bündnis allenfalls dann, wenn es eine zukünftige Machtergreifung der AfD verhindert. Angesichts der zu erwartenden politischen Wirkungen dieser Koalition – Rückschritte im Sozialen, mehr Druck auf Beschäftigte, Umverteilung von unten nach oben sowie zu erwartende Konflikte zwischen den Regierungsparteien um eine härtere Gangart in der Migrationspolitik – ist allerdings zu befürchten, dass die AfD sogar noch stärker werden wird. Diesen Weg wollen und dürfen wir nicht beschreiten. Deshalb sagen wir Nein zu dem Koalitionsvertrag von Union und SPD.

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