Aufschwung erhofft, Sozialabbau bekommen

8. Juli 2026

Stellungnahme des Forum DL21 zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses

Am 2. Juli stellten die Spitzen von Union und SPD die Ergebnisse des Koalitionsausschusses zu den geplanten Reformen der Bundesregierung vor. An ihnen lässt sich ablesen, in welch schwieriger Lage sich die Sozialdemokratie in Deutschland befindet. Während die Union eine Politik des Klassenkampfs von oben durchsetzt, versucht die SPD, Schlimmeres zu verhindern: Sie wirkt mäßigend, schließt Kompromisse, wehrt Angriffe an der einen Stelle ab, macht dafür aber Zugeständnisse an anderer Stelle. Dabei verliert sie allerdings Stück für Stück ihre Glaubwürdigkeit als Interessenvertretung arbeitender Menschen. Gerade jetzt bräuchte es als Antwort auf den Klassenkampf von oben aber eine starke Sozialdemokratie, die die Interessen der arbeitenden Klasse glaubwürdig organisiert und durchsetzt.

  1. Wettbewerbsfähigkeit für Einzelne statt soziale Gerechtigkeit für alle?

Viele der 34 Punkte des Reformpakets folgen einer falschen Logik: Wirtschaftsverbände, CDU/CSU und anderen nutzen die tatsächlichen wirtschaftlichen Probleme des Landes als Vorwand, um einen Sozialabbau durchzudrücken und Beschäftigten-Rechte anzugreifen. Sie behaupten, für mehr Wirtschaftswachstum sei es vor allem wichtig, Kosten zu senken und den Druck auf Beschäftigte zu erhöhen. Wir teilen weder die Voraussetzungen noch die Schlussfolgerungen dieser Argumentation.

Für uns ist der entscheidende Maßstab für alle Reformen: Verbessern sie unsere Lebensbedingungen, machen sie das Leben der Menschen besser oder schlechter? Aber auch, wenn Reformen nicht an diesem Maßstab gemessen, sondern nur unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob sie für mehr Wirtschaftswachstum sorgen: Für mehr Wirtschaftswachstum braucht es eine stärkere Binnenwirtschaft, eine resilientere Produktionsstruktur und öffentliche Investitionsfonds, die Zukunftstechnologien demokratisch und strategisch fördern. Stattdessen setzt das Reformpaket auf private Investitionen und Marktanreize. Vorschläge wie die Ausweitung befristeter Arbeitsverhältnisse, der Abbau von Datenschutz im Sozialrecht oder die Pflicht zur Vorlage einer AU-Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag und Abschaffung der telefonischen Krankschreibung greifen Beschäftigte direkt an, sind Ausdruck eines Klassenkampfs von oben – mit klar autoritären Zügen. Im Ergebnis droht deshalb ein Sozialabbau – ohne den versprochenen wirtschaftlichen Aufschwung.

  • Die sogenannte Reichensteuer ist richtig, aber zu wenig

Die geplante Anhebung der sogenannten Reichensteuer ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie bleibt jedoch weit hinter dem zurück, was für eine nachhaltige Finanzierung des Sozialstaats nötig wäre. Wer soziale Gerechtigkeit ernst meint, muss vor allem die großen und extremen Vermögen stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens heranziehen und grundlegend in die Vermögens-Ungleichheit eingreifen. Dafür braucht es den Mut, große Vermögen, Erbschaften und die Konzentration wirtschaftlicher Macht anzugehen, um gesellschaftliche Kräfteverhältnisse wirklich zu verschieben.

  • Angriff auf Artikel 15 des Grundgesetzes

Der geplante Ausschluss von Vergesellschaftungen auf Landesebene ist politisch und verfassungsrechtlich hochproblematisch. Artikel 15 des Grundgesetzes erlaubt ausdrücklich, Grund und Boden sowie zentrale Wirtschaftsbereiche in Gemeineigentum zu überführen. Statt diese demokratische Option offen zu diskutieren, soll sie vorsorglich verboten werden. Damit werden die Profite börsennotierter Wohnunternehmen wie Vonovia geschützt, während Mieter:innen durch überhöhte Mieten unter enormen Druck geraten.

  • Informationsfreiheit und Demokratie schützen

Wenn Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz nur noch bei „berechtigtem Interesse“ und ausschließlich von Privatpersonen gestellt werden dürfen und die Gebühren dem Kostendeckungsprinzip folgen, käme das einer Abschaffung des Gesetzes gleich. Was als Bürokratieabbau verkauft wird, dient in Wahrheit dazu, unbequeme Recherchen und Enthüllungen etwa zu Steuerverschwendung, Korruption oder unlauterer Machtkonzentration abzuwehren. Das ist kein Bürokratieabbau im Interesse der Menschen, sondern Abschottung gegenüber zivilgesellschaftlichen Organisationen und Journalist:innen. Ohne ein starkes IFG wären Skandale wie die Maskendeals nie aufgedeckt worden. Investigativer Journalismus und zivilgesellschaftliche Kontrolle dürfen nicht zum Privileg für Reiche werden. Transparenz ist kein bürokratischer Luxus, sondern Grundlage jeder Demokratie. Wer Informationsrechte einschränkt, untergräbt damit auch demokratische Prinzipien.

Stellungnahme zu den Vorschlägen der Rentenkommission

25. Juni 2026

Die Rentenkommission hat ihre Empfehlungen für eine Reform der Alterssicherung vorgelegt. Der Bericht enthält viele gute Vorschläge, aber auch solche, die wir sehr problematisch sehen. Die Regierung darf diesen Bericht nun nicht unterschiedslos übernehmen und umsetzen. Stattdessen braucht es eine politische Debatte darüber, welche Punkte im Sinne der Menschen umgesetzt werden sollten – und welche nicht im Interesse der Menschen sind. Aus unserer Sicht ist dabei klar: Die gesetzliche Rente muss der Kern einer solidarischen Alterssicherung bleiben – verlässlich, armutsfest und lebensstandardsichernd.

Keine Erhöhung des Renteneintrittsalters!

Wir lehnen die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung ab. Zum einen werden damit die sehr unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen ausgeblendet. Wer jahrzehntelang körperlich oder mental belastende Arbeit geleistet hat, kann nicht einfach länger arbeiten. Schon jetzt gibt es viele Beschäftigte, die das gesetzliche Renteneintrittsalter von (fast) 67 Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen nicht erreichen. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters bedeutet für viele Beschäftigte faktische Rentenkürzungen durch Abschläge. Zudem steigt die Lebenserwartung nicht für alle Menschen gleichermaßen an. Für Beschäftigte, die hohen Belastungen ausgesetzt sind und wenig verdienen, stagniert die Lebenserwartung oder sinkt sogar. Aus diesem Grund plädieren wir gerade für diese Gruppe auch für die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“). Härtefallregelungen, die erst dann greifen, wenn Menschen bereits gesundheitlich verschlissen sind, können diesen Anspruch nicht ersetzen.

Rentenniveau von 48 % halten!

Schließlich halten wir es für äußerst problematisch, dass das Rentenniveau ab 2031 für alle Bestands-Rentner:innen sinken wird. Die SPD hat zu Recht viel Zuspruch und Unterstützung dafür bekommen, in der Auseinandersetzung um das Rentenniveau Ende letzten Jahres standhaft geblieben zu sein. Dadurch wurde das das Rentenniveau bis 2031 bei 48 % stabilisiert. Das hat das Vertrauen vieler Menschen in unser Rentensystem gestärkt. Perspektivisch wollen wir natürlich ein höheres Rentenniveau. Aber die Stabilisierung bei 48 % war auch und gerade für alle Menschen, die jetzt schon in Rente sind oder bald in Rente gehen, ein wichtiges Signal. Wenn wir die Empfehlungen der Renten-Kommission vollständig umsetzen, wäre das nicht mehr der Fall. Zwar wird das Rentenniveau höher sein als nach geltender Rechtslage. Denn bei geltender Rechtslage ist damit zu rechnen, dass es von 48 % auf 46 % bis etwa 2050 sinken wird. Durch Umsetzung der Vorschläge der Renten-Kommission wird es weniger stark sinken – aber trotzdem sinken. Für viele Menschen mit niedrigen Renten wird aber schon diese Entwicklung Altersarmut verschärfen. Das halten wir für falsch.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass zukünftige Generationen von Rentner:innen, die erst nach 2031 in Rente gehen, bei Renteneintritt von einem Rentenniveau von mindestens 48 % (plus heute kaum zu berechnender Effekte durch die Kapitaldeckung) einsteigen werden. Denn erstens wird auch deren Rentenniveau im Verlauf ihres Rentenbezugs deutlich sinken. Und zweitens hilft das den über 20 Millionen Rentner:innen nicht, die schon heute ihre Rente beziehen und deren Rentenniveau nach 2031 sinken wird. Wir hätten mit dem Reformvorschlag die Chance gehabt, das Rentenniveau auch dauerhaft bei 48 % zu stabilisieren – um es perspektivisch darüber steigen zu lassen. Dafür werden wir uns auch weiterhin einsetzen.

Zudem würde das Vorhaben, den Nachhaltigkeitsfaktor wieder zu aktivieren und zu verstärken, und damit die demografische Entwicklung über gedämpfte Rentenanpassungen auf die Rentner:innen zu verlagern, dazu führen, dass die Renten langsamer steigen. Dadurch verlören gerade Menschen mit kleinen und mittleren Renten langfristig an Kaufkraft und die Gefahr von Altersarmut würde weiter wachsen.

Kapitalrente ist kein Ersatz für organisierte Solidarität

Auch stehen wir einer Kapitaldeckung grundsätzlich skeptisch gegenüber. Ein Umlagesystem bedeutet eine solidarische Finanzierung der arbeitenden Menschen untereinander. So haben alle ein Interesse an höheren Löhnen auch ihrer Kolleg:innen. Damit bricht eine Kapitaldeckung, da dann die Renten steigen, wenn Gewinne von Unternehmen steigen. Gewinne steigen aber stärker, wo Löhne nicht allzu sehr steigen. Somit haben arbeitende Menschen (und Rentner:innen) teilweise ein Interesse daran, dass die Löhne anderer arbeitender Menschen nicht zu stark steigen. Eine solche mittelbare Gegenüberstellung arbeitender Menschen finden wir grundsätzlich problematisch.

Darüber hinaus birgt die Kapitalrente das Risiko, die Alterssicherung stärker von den Kapitalmärkten abhängig zu machen und die Binnennachfrage zu schwächen. Auch der Abfluss von Mitteln auf internationale Märkte ist problematisch. Die Verbindung von Kapitaldeckung und Umlageprinzip könnte zudem das bestehende Umlagesystem schrittweise in Richtung Kapitaldeckung verschieben, zumal neben dem Staatsfonds ausdrücklich auch private Anbieter wie Versicherungen einbezogen werden sollen. Dadurch geriete das Umlageverfahren in der ersten Säule unter Druck und neue Verteilungsprobleme könnten entstehen.

Mehr Menschen in die gesetzliche Rente einbeziehen

Positiv bewerten wir den Vorschlag, den Kreis der Einzahlenden auszuweiten, indem auch Selbstständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, muss aber auch tatsächlich, wie im Bericht angedacht, auf die Beamt:innen sowie auf weitere Berufsgruppen mit eigenen Versorgungswerken wie Ärzt:innen und Anwält:innen ausgeweitet werden. Unser Ziel bleibt eine Rente für alle, von der alle gut leben können.

Soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen

Schon jetzt kommen zu viele Menschen von ihren Renten nicht über die Runden. Das Rentensystem sollte dieser Ungerechtigkeit entgegenwirken, indem es Menschen mit höheren Einkommen stärker heranzieht. Für ein solidarisches Rentensystem sollte die Beitragsbemessungsgrenze deshalb abgeschafft werden. Zudem sollten neben Löhnen auch weitere Einkommensarten herangezogen werden, um die Finanzierung des Systems langfristig zu sichern. Die Auszahlungen wären dabei äquivalenzkonform zu begrenzen.

Die Produktivitätsgewinne der Beschäftigten der letzten Jahrzehnte sind nur zu einem geringen Teil bei den Beschäftigten angekommen – und konnten daher auch kaum zur Finanzierung besserer Renten beitragen. Ein höherer Steuer-Bundeszuschuss, finanziert durch eine Vermögensteuer oder eine gerechtere Erbschaftsteuer könnte dieser Ungerechtigkeit ein Stück weit entgegenwirken.

DL21-Sommertagung „Die Aufgaben der Sozialdemokratie in unserer Gegenwart“

11. Juni 2026

Wann? Samstag, 20. Juni 2026, 10 bis 16 Uhr

Wo? online via Zoom

Liebe Genoss:innen,

wir laden euch herzlich zu unserer diesjährigen digitalen DL21-Sommertagung ein. Anlässlich des neuen Grundsatzprogramms der SPD hat der DL21-Bundesvorstand beschlossen, sich mit einem Thesenpapier in den Diskussionsprozess einzubringen. Einen ersten Impuls dafür hat der Philosoph Stephan Siemens mit seinen 14 Thesen geliefert, die wir in mehreren Veranstaltungen kontrovers diskutiert haben. Diese Diskussionen bilden den Ausgangspunkt für unsere weiteren Überlegungen.

In den vom Vorstand eingesetzten Themengruppen arbeiten bereits viele von euch engagiert daran, aufbauend auf den bisherigen Diskussionen weitere Thesen und Positionen zu entwickeln. Die bisher erarbeiteten Thesen möchten wir auf der Tagung gemeinsam mit euch weiterentwickeln und dabei eure Anmerkungen und Ideen aufnehmen. Für einen vertieften Austausch diskutieren wir die Thesen in mehreren aufeinanderfolgenden Runden parallel in Arbeitsgruppen.

Parallel zu der Thesendiskussion bieten wir am Vormittag zwei aufeinanderfolgende Workshops zu praktischen Herausforderungen wie den anstehenden Landtagswahlen im Osten an.

Bitte meldet euch bis zum 17.06.2026 über unser Anmeldeformular an. Die Einwahldaten versenden wir am Freitag, den 19.06.2026, um 15 Uhr.

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme und eine anregende Debatte.

Mit solidarischen Grüßen

Jan Dieren, MdB, Alma Kleen, Erik von Malottki

(DL21-Vorsitzende)


Programm

10:00 Uhr        Begrüßung und Einleitung

10:15 Uhr        Vorstellung der Thesen

10:45 Uhr         Diskussion der Thesen in Arbeitsgruppen / Vortrag 1

11:45 Uhr        Diskussion der Thesen in Arbeitsgruppen / Vortrag 2

12:45 Uhr        Mittagspause

13:45 Uhr         Fortsetzung der Diskussion in Arbeitsgruppen

15:30 Uhr        Schlussrunde                                     

16:00 Uhr        Ende

Workshop „Was ist los in der Gegenwart?“

3. Juni 2026

Wann? Samstag, 13.06.2026, 14-18 Uhr und Sonntag, 14.06.2026, 11-15:30 Uhr

Wo? Kurt-Schumacher-Haus, Müllerstraße 163, 13353 Berlin

Die Analyse der Gegenwart kann sich nicht auf die politische Ebene beschränken. Sie muss die Entwicklung der ökonomischen Basis einbeziehen. Die Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit wurde aber vor allem von den Sozialwissenschaften in den letzten Jahrzehnten stark vernachlässigt, bzw. auf die Analyse der Entwicklung des Kapitals zum „Finanzmarktkapitalismus“ und die entsprechende „Finanzialisierung“ beschränkt. Die arbeitenden Menschen wurden – fälschlich – als bloßes Anhängsel der Maschinerie bzw. Objekt sozialtechnologischer Steuerung betrachtet. (Parallel wurde das „Subjekt“ ausschließlich als „Objekt“ der Sozialwissenschaften in den Blick genommen.) Das Ergebnis war eine Wehrlosigkeit der Linken gegen den Neoliberalismus, der die Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit zu nutzen wusste, ohne sie allerdings zu begreifen. (Das hat er auch nicht nötig; für die Neoliberalen ist es die Hauptsache, Prozesse nutzen zu können. Und man kann sie besser bloß nutzen, wenn man sie nicht begreift.)

Aus dieser Beschränkung ergab und ergibt sich eine historische Defensive der Linken, die kaum besser formuliert werden kann als mit dem Begriff des „Postfordismus“. Dieser Begriff bringt den Versuch zum Ausdruck, die Gegenwart, das „Post“, mit den Mitteln der Vergangenheit, denen des „Fordismus“ zu begreifen. Ein solcher Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Gleichermaßen gilt dies für den Versuch der Linken, mit solchen Überlegungen aus der Defensive zu kommen.

Deswegen gilt es, die theoretischen Voraussetzungen des Verständnisses der Gegenwart zu überprüfen. Der Neoliberalismus besteht in dem Versuch, die Produktivkraftentwicklung der gesellschaftlichen Arbeit sozialtechnisch einerseits in den Unternehmen durch indirekte Steuerung, andererseits in der Gesamtgesellschaft durch politische Steuerung (à la Popper) mittels der Sozialwissenschaften zu beherrschen. Das bestimmende Mittel dieser Steuerungsformen ist die Beherrschung und Nutzung der – von den Menschen verselbständigten – Beziehungen, um diese Herrschaft mit „Freiräumen“ der Individuen zu verknüpfen.

Dieser Versuch hat zunächst – wenn auch mit der Ausgrenzung immer größerer Teile der Bevölkerung – „funktioniert“. („Funktioniert“, weil der Versuch auf der Anwendung von Sozialtechnologien beruhte.) Er ist aber inzwischen irreversibel in die Krise geraten. Das „Funktionieren“ gerät zudem mehr und mehr in Widerspruch zu den materiellen Prozessen, aufgrund deren es gelingt. Dieser Widerspruch äußert sich sowohl in der Natur in Form der ökologischen Krise als auch in den kapitalistischen Gesellschaften, in denen es immer weniger gelingt, die auseinanderstrebenden Kräfte zusammenzuhalten. Die dominierenden Kräfte in Deutschland wie im Westen reagieren darauf mit der Verschärfung des Klassenkampfs von oben und einem aggressiven „Rechtspopulismus“. Doch die Rechtsentwicklung ist mit Verengung der sozialen Basis der die Regierung tragenden sozialen Kräfte- und Klassenkoalition verbunden. Diese Koalition umfasst Widersprüche, die notwendig zu einer revolutionären Situation führen werden. Diese Situation gilt es in einem Reformprogramm zu antizipieren.

Wir schlagen deswegen vor, diese Fragen zu diskutieren:

Welche Koalition sozialer Kräfte trägt die Rechtsentwicklung? Welche Probleme hat der sogenannte „Rechtspopulismus“? Was ergibt sich daraus für eine linke Antwort?

Dafür kann man das Beispiel der USA heranziehen. Doch ein sozialdemokratisches Reformprogramm hat einen eigenen positiven Charakter. Wie sieht er aus, und wie kann er die neuen Produktivkräfte für eine Entwicklung zum demokratischen Sozialismus nutzen?

  1. Das Ende des Neoliberalismus und der gesamtgesellschaftlichen „Steuerung“ à la „Sir“ Popper
  2. Die Koalition welcher sozialen Kräfte trägt den „sogenannten“ Rechtspopulismus: Wohin führt uns die Rechtsentwicklung?
  3. Welche Gegenkräfte gibt es, sind sie durchsetzungsfähig und, wenn nicht, warum nicht?  (Hierin insbesondere die Probleme der Bildung der Klasse für sich.)
  4. Welchen positiven Inhalt hat ein Programm des demokratischen Sozialismus? Die Antizipation des Ergebnisses einer wahrscheinlichen Revolution in einem Reformprogramm.

Das Wochenende wird keine abschließenden Antworten auf diese Fragen liefern, aber es wird zur Formulierung von auch kontroversen Thesen beitragen.

Unser Referent:            

Stephan Siemens ist Philosoph und beschäftigt sich seit Anfang der 90er Jahre mit den Auswirkungen der Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeit in den Unternehmen. Er hat an der Erarbeitung der Theorie der indirekten Steuerung mitgewirkt und sie weiterentwickelt. 2025 ist dazu auch eine Arbeitshilfe für IG Metall-Mitglieder erschienen, die von ihm verfasst wurde.

Anmeldung:

Aufgrund der begrenzten Teilnehmer:innenzahl bitten wir vorab um eine Anmeldung über unser Anmeldeformular bis zum 10. Juni 2026.

Heraus zum 1. Mai – für eine kämpferische Sozialdemokratie!

30. April 2026

Wenn Gewerkschaften in diesem Jahr zu den Kundgebungen am 1. Mai aufrufen, dann aus einer Verteidigungshaltung heraus. In den letzten Jahren mehren sich die Angriffe auf viele der sozialen Errungenschaften, die Gewerkschaften zusammen mit Sozialdemokratie und anderen fortschrittlichen Kräften über Jahrzehnte erkämpft haben: Sozialstaat, Arbeitszeit, Bildung, Entwicklungszusammenarbeit und vieles mehr. Dahinter steht eine Strategie des Klassenkampfs von oben, die in der öffentlichen Debatte beträchtliche Unterstützung erhält.

Reformen für die arbeitenden Menschen, nicht gegen sie

Die SPD sollte sich als Reaktion auf die jüngsten Wahlniederlagen nicht an Reform-Aktionismus beteiligen, wenn dabei die Interessen der arbeitenden Menschen auf der Strecke bleiben. Viele Reform-Vorschläge, die wir gerade aus dem Arbeitgeber-Lager hören, liefen aber genau darauf hinaus.

Immer längere Arbeitszeiten, Mehrwertsteuer-Erhöhungen oder Kürzungen bei Rente und Gesundheit richten sich gegen die Interessen der arbeitenden Klasse. Statt solche Vorschläge voranzubringen, wollen wir für Maßnahmen eintreten, die die materiellen Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern und die Interessen der arbeitenden Menschen verfolgen.

Dazu gehören Preis-Obergrenzen für Sprit oder Lebensmittel, eine Deckelung der immer weiter steigenden Mieten und Verbesserung des öffentlichen Wohnungsbaus, eine höhere Besteuerung besonders hoher Vermögen und Erbschaften, eine Demokratisierung der Arbeitswelt und mehr Mitbestimmung, höhere Investitionen in Energiewende und Transformation, eine Verbesserung der Kinderbetreuung und Bildung sowie eine Reform der Einkommenssteuer, die dazu führt, dass Menschen mit besonders hohen Einkommen stärker belastet werden, alle anderen aber entlastet.

Das wären Reformen im Sinne der arbeitenden Menschen, im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung. Die braucht es in diesen Zeiten.

„Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun; uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“

Die Sozialdemokratie ist entstanden als Selbstorganisation der arbeitenden Menschen. Sie braucht deshalb keine Debatten über starke Führungspersönlichkeiten, die sie endlich aus der Krise führen. Wir selbst, alle Mitglieder der Partei, haben diese Aufgabe.

Die entscheidende Trennlinie in unserer Gesellschaft verläuft nicht zwischen Jung und Alt, nicht zwischen Einheimischen und Zugewanderten, nicht zwischen den Geschlechtern und auch nicht zwischen denen in Lohnarbeit und denen, die eine suchen. Die entscheidende Trennlinie unserer Gesellschaft ist die zwischen Arbeit und Kapital, zwischen dem Großteil der Bevölkerung und den wenigen Reichen und Mächtigen. Die Sozialdemokratie muss ihre Politik daran orientieren, es ist ihre Aufgabe, die Interessen der arbeitenden Menschen zu vertreten.

Die arbeitenden Menschen sind aber keine schutzbedürftigen Opfer unserer Verhältnisse. Sie brauchen keine Partei, bei der sie soziale Politik bestellen können wie ihr Essen beim Lieferdienst. Was sie brauchen, ist eine Partei, die ihre Bedürfnisse mit ihrer Programmatik aufgreift und umsetzt – im gemeinsamen Kampf mit den Menschen für ihre Interessen. Dafür braucht es aber eine kämpferische Sozialdemokratie mit einer ambitionierten Programmatik, die an der Seite von Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden kämpft.

Wir wollen dazu beitragen, dass die SPD

  1. sich wieder stärker auf Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände bezieht, und sich mit ihnen strategisch enger abstimmt;
  2. zusammen mit Vereinen, Verbänden und den vielen Organisationen und Bewegungen, die wie sie für den Fortschritt kämpfen, gegen Kürzungen bei Sozialstaat, Gesundheit, Rente oder Entwicklungszusammenarbeit und für den Erhalt unserer sozialen Errungenschaften eintritt;
  3. die Interessen von Beschäftigten und Arbeitslosen nicht gegeneinander ausspielen lässt, sondern sich als Interessenvertretung aller Menschen aufstellt, die für ihren Lebensunterhalt auf Lohnarbeit angewiesen sind.

Dafür gehen wir am 1. Mai auf die Straße – zusammen mit unseren Kolleg:innen in den Gewerkschaften, mit unseren Nachbar:innen, Freund:innen und Familien, zusammen mit vielen Genoss:innen – und mit Dir!

Neustart oder Abstieg? – Die SPD auf Kurssuche

10. April 2026

Donnerstag, 16.04.2026, 20:30 Uhr, via Zoom

Liebe Genoss:innen,

nach den jüngst verlorenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stehen innerhalb der SPD viele Fragen und Diskussionen an. Ob Vorschläge wie die Erhöhung des Arbeitsvolumens oder die Streichung der kostenlosen Mitversicherung, wie sie derzeit auch in der SPD diskutiert werden, für die arbeitende Klasse hierzulande und damit für die Partei hilfreich sind, ist dabei mehr als fraglich.

Wir möchten euch herzlich zu einer Online-Veranstaltung einladen, bei der wir als SPD-Linke gemeinsam die aktuelle Debatte über die zukünftige Ausrichtung unserer Partei führen und unsere Perspektiven austauschen können.

Die Veranstaltung bietet Raum für offenen Austausch, Analyse der Wahlergebnisse und die Möglichkeit, konstruktive Vorschläge für die kommende Zeit zu entwickeln. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir die sozialdemokratische Politik wieder stärken und die Anliegen der Linken innerhalb der SPD sichtbar machen können.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme und einen engagierten Dialog.

Solidarische Grüße

Erik von Malottki                         Stephanie Helder-Notzon

Ko-Vorsitzender DL21                 DL21-Vorstandsmitglied

ZOOM-Zugangsdaten Die Einwahldaten erhaltet ihr nach der Anmeldung über unser ANMELDEFORMULAR Wir versenden die Einwahldaten am 16.04.2026, um 15 Uhr.

Online-Diskussionsreihe „Was ist los in der Gegenwart?“

10. April 2026

Am 21./22. Februar haben wir uns in Köln unter der Leitung des Philosophen Stephan Siemens zu einem Workshop mit dem Titel „Was ist los in der Gegenwart?“ getroffen, um dort seine 14 Thesen zu dieser Frage zu diskutieren. In seinen Thesen hat Stephan Zusammenhänge zwischen dem Fortschritt der Produktivkraftentwicklung (den produktiven Fähigkeiten der Beschäftigten) und den aktuellen Krisen hergestellt. Auf dem Workshop wurde kontrovers darüber diskutiert, ob auf dieser Grundlage ein demokratischer Sozialismus möglich sei.

An diese Debatte wollen wir jetzt gemeinsam mit Stephan in drei Online-Veranstaltungen und einem weiteren Präsenzworkshop anknüpfen, um die einzelnen Themen zu vertiefen.

Termine für die Online-Veranstaltungen:

  • Donnerstag, 26. März 2026, 19 Uhr
    • Leitfrage:
      • Verträgt sich der Abbau sozialer Rechte mit dem Ausbau von liberalen Rechten (Freiheit als „dürfen“ nicht als „können“?
      • Gründe der Rechtsentwicklung und die Krise des Neoliberalismus
  • Dienstag, 28. April 2026, 19 Uhr
    • Leitfragen:
      • Ist der Sozialstaat nicht finanzierbar?
      • Politisch-ökonomische Gründe für die Krise des Sozialstaats
  • Mittwoch, 27. Mai 2026, 19 Uhr
    • Leitfrage:
      • Können wir die neuen produktiven Fähigkeiten der Beschäftigten für die Bewältigung der ökologischen Krise nutzen?

Wenn ihr an den Online-Veranstaltungen teilnehmen wollt, bitten wir um eine Anmeldung über unser Anmeldeformular.

In einer Präsenzveranstaltung am 13. und 14. Juni wollen wir auf der Grundlage der Diskussionen in den Zoomsitzungen die Perspektive des demokratischen Sozialismus in der Gegenwart diskutieren. Eine entsprechende Einladung mit Veranstaltungsort werden wir gesondert versenden. Merkt euch diesen Termin gerne schon einmal vor.

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme und einen fruchtbaren Austausch mit euch!

Resolution von SPD-Linken: Wahlniederlagen als Auftrag zum Bruch mit dem Status quo

26. März 2026

Die jüngsten Wahlschlappen sind Ausdruck eines massiven politischen Glaubwürdigkeitsverlustes. Zu viele Menschen wissen nicht, wofür die SPD steht, zu viele haben den Eindruck, dass die SPD nicht mehr klar ihre Interessen vertritt. Während Mieten explodieren, Preise steigen und soziale Unsicherheit wächst, bleibt die sozialdemokratische Antwort oft unklar, zu vorsichtig oder zu kompromissorientiert.

Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren eine rechte Deutungshoheit über zentrale gesellschaftliche Fragen entwickelt. Rechte Parteien, unterstützt von zahlreichen Medien, haben erfolgreich ein Zerrbild etabliert, demzufolge Migration und Bürgergeldempfänger:innen die zentralen Probleme unserer Gesellschaft darstellen sollen.

Diese Erzählung ist zwar falsch, aber politisch hochwirksam. Sie verschiebt den gesellschaftlichen Konflikt weg von den eigentlichen Macht- und Verteilungsfragen und richtet ihn gegen die Schwächsten.

Als Folge wird nicht mehr über Reichtum, Eigentum und Macht, sondern über Ausgrenzung, Kontrolle und Kürzung debattiert.

Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Auseinandersetzungen und einer Verschärfung des Klassenkampfs von oben. Aber wir können dieser Hegemonie wirksam etwas entgegensetzen.

Dafür braucht es eine SPD, die bereit ist, den Konflikt aufzunehmen und auf den Klassenkampf von oben mit einer solidarischen Politik der arbeitenden Klasse zu antworten. Die SPD sollte sich deshalb als Reaktion auf die Wahlniederlagen nicht an Reform-Aktionismus beteiligen, wenn dabei die Interessen der arbeitenden Menschen auf der Strecke bleiben. Viele Reform-Vorschläge, die wir gerade aus dem Arbeitgeber-Lager hören, liefen aber genau darauf hinaus.

Dabei braucht es das Gegenteil: Sozialdemokratische Politik für die Mehrheit der Bevölkerung, Reformpolitik für die arbeitenden Klasse – nicht als Rhetorik, sondern als strategische und praktische Ausrichtung.

Nicht die Anpassung an rechte Diskurse bringt verlorenes Vertrauen zurück, sondern deren klare Zurückweisung und die Entwicklung einer eigenen, solidarischen Gegenhegemonie.

  1. Bruch mit falschen Problemdebatten

Die SPD muss offensiv klarstellen, dass die zentralen Probleme unserer Zeit die ungleiche Vermögensverteilung, die steigenden Mieten, die unsichere Arbeit und die Macht großer Konzerne sind – und nicht Migration oder der Bezug von Sozialleistungen.

  • Sozialdemokratische Politik darf sich nicht länger an rechten Problemdefinitionen abarbeiten, sondern muss diese Verschiebung der Debatte zurückweisen.
  1. Konsequente Klassenpolitik für die Mehrheit

Die SPD muss wieder erkennbar Politik für die Vielen machen:

  • Umverteilung von oben nach unten durch eine gerechtere Steuerpolitik.
  • Konsequente Regulierung des Wohnungsmarktes bis hin zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände, wo notwendig.
  • Stärkung von Tarifbindung, Mitbestimmung und öffentlicher Daseinsvorsorge.
  • Die weitere Erhöhung des Mindestlohns
  • Eine Übergewinnbesteuerung der Mineralölkonzerne, Rüstungsunternehmen und anderer Kriegs- und Krisenprofiteure
  • Aufzeigen der wahren Konfliktlinien, etwa bei der Rente: diese verläuft nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich.
  1. Macht- und Eigentumsfragen ins Zentrum rücken

Soziale Gerechtigkeit ist ohne Eingriffe in bestehende Machtverhältnisse nicht erreichbar.Die SPD muss den Mut haben, ökonomische Macht zu hinterfragen und umzugestalten.

  • Es braucht eine wirkliche Demokratisierung der Arbeitswelt.
  • Renditegetriebene Geschäftsmodelle in zentralen Lebensbereichen – insbesondere bei Wohnen und Gesundheit – sind politisch zurückzudrängen.
  • Öffentliche und gemeinwohlorientierte Eigentumsformen sind systematisch auszubauen.
  1. Staatliche Handlungsfähigkeit herstellen

Ein handlungsfähiger Staat ist Voraussetzung für soziale Politik.

  • Öffentliche Investitionen in großem Umfang in den Bereichen Wohnen, Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.
  • Reform der Schuldenbremse, um Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen.
  • Die Partei für den Kampf um die Zukunft aufstellen

Wir wollen die SPD aus einer Verteidigungshaltung in eine offensive Rolle bringen. Dafür braucht die Sozialdemokratie eine Vorstellung, wie sie den gesellschaftlichen Wandel gestalten will, eine klare Perspektive auf die Zukunft die sie erringen möchte. Nur mit einer klaren Zukunftsperspektive wird die Sozialdemokratie wieder Mehrheiten für ihr politisches Programm gewinnen können.

  • Mitglieder und Gliederungen sind systematisch in strategische Entscheidungen einzubeziehen. Dazu gehört etwa auch die Direktwahl der Vorsitzenden und das Schaffen von Diskussionsräumen, um über die künftige Ausrichtung der Partei zu diskutieren.

Unser Fazit: Die Wahlniederlagen sind kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis politischer Fehlentwicklungen – und somit veränderbar.

Die SPD steht an einem Scheideweg: Entweder sie passt sich weiter einer von Rechts verschobenen Debatte an oder sie entwickelt den Mut, dem eine wirkliche Zukunftsperspektive gegenüberzustellen und dafür eine politische Hegemonie zu entwickeln.

Wir entscheiden uns für Letzteres.

Für eine SPD, die den Konflikt nicht scheut, sondern führt.

Für eine SPD, die wieder klar Partei ergreift – für die Vielen und gegen die Macht der Wenigen.

Erklärung zum Krieg gegen den Iran

13. März 2026

Die DL21 verurteilt den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israel gegen den Iran wie auch die Gegenangriffe und fordert alle Konfliktparteien auf, die Kampfhandlungen umgehend einzustellen, um jede weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Alle Beteiligten sind aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und eine diplomatische Lösung anzustreben, wie sie bereits vor den Angriffen der USA und Israels mit dem Nuklearabkommen möglich schien.

Die DL21 appelliert an die SPD-Bundestagsfraktion und die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder, sich für einen Stopp aller Kampfhandlungen und eine diplomatische Lösung des Konflikts einzusetzen. Deutschland darf in die Kriegsregion keine Waffen liefern und keine militärischen Aktivitäten von US-Standorten auf deutschem Boden zulassen. Nur so kann eine Ausweitung des Krieges mit verheerenden Folgen für den gesamten Nahen Osten verhindert werden.

Völkerrecht kann und darf nicht situationsbezogen und beliebig zuerkannt oder aberkannt werden. Wer einen anderen Staat mit kriegerischen Mitteln angreift, verstößt gegen das Völkerrecht, unabhängig davon, wie demokratisch oder undemokratisch dieser Staat ist. Das gilt auch für den Iran und seine menschenverachtende Regierung. Wenn auswärtige Militärmächte entscheiden, welche Regierung, wo auch immer, am Ruder bleiben darf und welche nicht, herrscht endgültig das Recht des Stärkeren.

Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Venezuela und der Entführung ihres Staatsoberhauptes, den Drohungen gegen Grönland und Kuba, belegt der erneute Bruch des Völkerrechts, dass die USA das Faustrecht zur Leitlinie ihrer Außenpolitik gemacht haben. Davon muss sich die SPD eindeutig distanzieren und ihre Solidarität mit den Menschen im Iran erklären. Ebenso darf nicht der Angegriffene zum Täter gemacht werden, weil er auf die völkerrechtswidrigen Angriffe reagiert.

Ostermärsche 2026 vom 2. bis 6. April

13. März 2026

Kriege verweigern – Frieden schaffen!

Aus allen Winkeln der Erde erreichen uns aktuell schreckliche Bilder: gewaltsame Niederschlagungen von friedlichen Protesten, Ermordung von unschuldigen Zivilisten und Zivilistinnen, Erstarkung autoritärer Kräfte, zunehmende Einschränkungen von Menschenrechten, Drohnen und Bomben, die auf Menschen und Gebäude fallen. Es reicht!

Verzweiflung darf nicht die Antwort auf die katastrophale Weltlage sein. Menschen auf der ganzen Welt engagieren sich gewaltfrei und bringen ihren Protest auf die Straße – das sind Zeichen der Hoffnung, die auch wir setzen möchten. Daher gehen wir zu Ostern für eine nachhaltige Friedenspolitik und ein besseres Morgen auf die Straße!

Wir fordern von der Bundesregierung:

• Schaffen Sie Frieden! Stärken Sie Rüstungskontrolle, diplomatische Initiativen und Kooperation überall auf der Welt. Stellen Sie sich den expansiven Bestrebungen – sei es von Russland, den USA oder anderen – entschieden entgegen. Tragen Sie aktiv dazu bei, dass die vielen Kriege in der Welt enden.
• Stärken Sie das Völkerrecht! Verurteilen Sie jeden Verstoß gegen das Völkerrecht, denn Völkerrecht gilt für alle – ohne Ausnahmen.
 Stellen Sie sich an die Seite der Leidtragenden von Kriegen! Gewähren Sie Menschen Schutz und Asyl, die vor Kriegen fliehen oder sich diesen entziehen wollen.
• Stoppen Sie die maßlose Aufrüstung! Das gefährliche Wettrüsten birgt ein großes Eskalationspotential und es verschlingt immense Ressourcen, die wir dringend für Bereiche wie Klimaschutz, Bildung, Soziales und das Gesundheitswesen benötigen.
• Führen Sie die Wehrpflicht nicht wieder ein! Junge Menschen dürfen nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden.
• Setzen Sie sich für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen ein! Dringend nötig sind neue Abrüstungsabkommen und ein Nein zur Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland.
• Ächten Sie Atomwaffen! Treten Sie dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag bei und sorgen Sie für den Abzug der US-Atombomben aus Büchel. Erteilen Sie Überlegungen zu deutschen oder EU-Atombomben eine klare Absage.

Misch dich ein!

Kriege verweigern – Frieden schaffen: Unter diesem Motto setzen wir zu Ostern ein Zeichen für Abrüstung und Völkerverständigung. „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ bleibt dabei für uns handlungsleitend. Besonders wollen wir uns dieses Jahr solidarisch mit den vielen jungen Menschen zeigen, die sich dem Kriegsdienst und der Militarisierung widersetzen.

Werde aktiv und beteilige dich an einem der über 100 Ostermärsche bundesweit. Denn gerade jetzt zählt dein Engagement!

Infos und Termine findest du unter www.friedenskooperative.de 

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